Ich will diese Art Verbindung nicht

Ich ertrage Sie nicht in mir drin.

Diese Verbindung löst Schmerzen aus.

Diese Verbindung fühlt sich falsch und unecht an.

Im Solarplexus.

Diese Verbindung macht Tränen und Leid.

Ich frage, welches Wesen diesen Tränen heute helfen kann. Sehe eine vertikale Schnur, mit unterschiedlich großen Kreisen aufgefädelt. Fühle Verbindung. Vertikale Verbindung. Vielleicht als Gegenstück zur horizontalen Verbindung, vom Solarplexus zur Therapeutin?

Ich will diese Verbindung nicht, die Horizontale. Ich will sie kappen. Ich muss sie kappen, um da sein zu können. Als ‚Ich‘, als eigenständiges, unabhängiges, freies Wesen.

Ich ertrage es nicht mehr so mit Ihnen da zu sein, unfrei. In dem Sie mich ständig mit Ihren Worten, mit Ihrer Anteilnahme und Aufmerksamkeit berühren. Wo diese Berührungen weh tun oder unglaublich gut tun, so dass ich mehr davon will. Oder beides gleichzeitig.

Ich will nicht wie eine Ähre im Wind von Ihren Reaktionen abhängen, dieser Macht unterliegen, die mich zerstören oder auf Händen tragen kann.

Ich will Sie nicht als Substanz in mir drin, um die ich kreise, nach der ich greife, Tag für Tag versuche mich an ihr festzuhalten.

Ich will nicht, dass Sie diese Bedeutung haben.

Ich will frei davon sein! Ich will frei von Ihnen sein und herausfinden, dass ich das überlebe.

Ich will Ihnen nicht alles erzählen wollen. Mich nicht umstülpen wollen und bis in den letzten Winkel ausschütten.

Ich will nicht die ganze Woche auf diesen Termin mit Ihnen warten, als wäre es das einzig Bedeutsame, das einzige was mich retten und weiter tragen kann.

Ich möchte Geheimnisse haben können, die ich nur in mir selbst erzähle und wahrnehme. Unausgesprochen. Still betrachten.

Ich will mich auf diesem verdammten Stuhl Ihnen gegenüber spüren können, meine beiden Füße auf dem Boden, unabhängig von Ihnen!

Ich möchte frei sein von Ihnen.

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Durchbruch

Ich bin ziemlich erschöpft. Es ist 11:30 Uhr, ich habe eben gefrühstückt und sitze hier nun im Schlafanzug am PC, mit dem Wunsch irgendetwas der letzten anderthalb Wochen festzuhalten. Das denke ich schon seit anderthalb Wochen.

Meine Fähigkeiten zu schreiben wie ich es gewohnt bin, stehen nicht zur Verfügung. Erfahrungen die tief und breit sind, sich verästeln in hunderte von Richtungen ins damals und heute. Vereinzelte Momente, die doch irgendwie alle zusammenhängen. Gefühlt kann ich das Bild erfassen. Sprachlich scheitere ich, mich vor anderen zu verorten. Gedanken springen hin und her, sind wirr, verlieren ihren Faden oder wollen zehn Fäden gleichzeitig aufnehmen. Ich bekomme es nicht sortiert.

Eine Freundin schrieb mir nach einem persönlichen Gespräch, dass sie mitbekommen habe, wie sehr ich gerade mit mir zu tun hätte. Sie hätte es zwischen den Zeilen erfasst, auch durch Mimik und Gestik. Es ist schön, wenn das gelingt. Hier im Schreiben schraube ich meine Erwartungen herunter. Besser ein paar Worte, als gar keine.


Die Welt hält kein warmes orangefarbenes Licht bereit, mit weichen Rändern! Sie polstert nicht alle Ecken und Kanten! Schleift nicht die groben, schroffen Stellen glatt! Polstert nicht die Tiefen, verhindert nicht den Fall! Es wird niemanden geben, der für mich sorgt! Niemand der mir Sicherheit gibt und immer für mich da ist! So ist die Welt nicht!!!
Ich habe es verstanden. Ich bin dabei es endlich zu fühlen. Es hat mich von den Füßen gehauen.
Ich habe verstanden, dass ich das nicht mehr suchen brauche. Dass ich das was verloren ist, nicht mehr finden werde. Diese Erkenntnis tut unglaublich weh. Das die Vergangenheit losgelassen werden muss, um die Verantwortung für das Heute übernehmen zu können, wird mir klar.

Ich weine sehr viel. Schmerz, Wut, Trauer. Das Verlorene wird endlich fühlbar. Kann erst gefühlt werden, wenn erkannt wird, dass es vorbei ist – wenn die Suche aufhört. Suche die ausweicht. Ich bin viel ausgewichen – vor allem dem Schmerz.

Es ist vorbei! Es ist vorbei. Es ist vorbei… Dieser Satz verfolgt mich. Mal fassungslos, mal beweinend, mal abwehrend, mal schmerzverzerrt.

Verantwortung ist das Thema. Ich bin sehr gefordert, bei all den starken Gefühlen bei mir zu bleiben, mit Mitgefühl, offenen Armen und gleichzeitig der Aufgabe auf das Heute zu begrenzen. Mir selbst beizustehen, in meinen Schmerz zu sprechen und die Jetzt-Welt sprachlich zu vermitteln, damit es mich nicht fortspült.
Ich erzähle mir von den kleinen orangenen Punkten, die es trotz alle dem gibt. Ich erzähle mir von den Verletzungen die allemal nicht so heftig sind, wie die in der Kindheit. Ich erzähle mir von meinen Fähigkeiten mit diesen viel besser umgehen zu können als damals, mich selbst schützen und wehren zu können. Ich erzähle mir von meiner Unabhängigkeit, dass ich nicht sterben werde, wenn andere mich ablehnen. Ich erzähle mir von meinem Leben in dem ich gestalte und entscheide. Ich erzähle mir wie gut ich all diese großen Gefühle bewältige, wie stolz ich auf mich bin. Ich weise mich darauf hin, dass es wirklich nicht notwendig ist, mich jetzt zu schneiden, weil das Fühlen des Schmerzes doch ausreicht, damit ich mitbekomme wie schlimm es ist.
Ich rede und rede und rede und es funktioniert. In der Dimension ist das auch für mich eine neue Erfahrung und das erste Mal so damit umzugehen.

Ich habe mich entschieden. Ich will das JETZT! Ich will die Verantwortung für mich übernehmen, in der Welt wie sie jetzt ist. Seit dem ich mir das sage, entstehen viele Reaktionen aus den unterschiedlichsten Richtungen in mir.
Zuerst kam Schuld. Unglaublich große Schuldgefühle rollten durch mich hindurch. Dann kam (und kommt) Angst. Angst vor Schmerz und Verletzung. Angst vor Menschen. Irrationale Angst, ohne den Ursprung zu kennen. Ich laufe vor einem Termin für eine ambulante DBT-Gruppe im Wartebereich hin und her, kurz vor einer Panikattacke. Ich rede mit mir. Begleite meine Angst in diesem Flur. Erzähle ihr von diesem Flur, seinem blauen Fußboden und meinen Schritten darauf. Erzähle ihr von der Gefahrlosigkeit dieses Momentes. Die Angst reduziert sich ein kleines Stück und ich komme nicht in einen Kontrollverlust.
Auch eine Reaktion – Wegsein. Zwei Stunden am helllichten Tag im Bett liegen, ohne wach zu sein und ohne zu schlafen. Eine Ecke Bewusstsein heraus kramend verstehe ich, dass das mein Widerstand gegen den Schmerz ist. Verständnis haben und es trotzdem nicht tolerieren, spreche ich mit mir, meinem Widerstand und der Schmerz zeigt sich ein kleines Stück, soviel, das ich wieder da sein und aufstehen kann.

Ich sage immer wieder JA zu all diesen Momenten. Ich werde nicht weichen, nicht von meiner Seite weichen, egal wie viel Schmerz da noch kommt, egal wo oft noch geweint werden muss, egal wie viel geschrien und gestrampelt, wie viel losgelassen werden muss und wie schwer es ist. Ich bleibe hier, will nicht mehr zurückweichen! Das alles mit Herz und so gut ich das kann.

Die Initialzündung dazu gab meine Therapeutin mit genau zwei Sätzen:
„Ich konfrontiere sie mit ihrer Verantwortung.“
„Sie wollen die Verantwortung nicht übernehmen.“
Mir war sofort klar, sie hat recht. Ich fühlte es. Ich fühle es schon immer, dass es gegenläufige Bewegungen in mir gibt, die ein Vorwärtsgehen ausbremsen. Ich habe weggeschaut, weil ich mich schuldig dafür fühlte. Auch vor dem Schuldgefühl lief ich weg und so entstand ein blinder Fleck. Deshalb kam auch als erstes Gefühl die Schuld. Zuerst musste die Schuld als Gefühl zugelassen werden und ich mir selbst verzeihen, um sie mir wieder zu nehmen.

Ich bin mir sicher, dass das keine einmalige Runde ist. Einmal durch alles durch und dann liegt es hinter mir. Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, die Verantwortung braucht mein stetiges Bewusstsein, in jedem neuen Moment mich daran zu erinnern was ich will. Und immer wieder und immer wieder. Und immer wieder Angst fühlen und immer wieder Schmerz fühlen und immer wieder weglaufen wollen und immer wieder entscheiden trotzdem weiter zu gehen. Es bleibt herausfordernd, da mache ich mir nichts mehr vor.

Dunkle Vergangenheit II

Ich erlebe diese ganze schreckliche Zeit von damals noch einmal. Diese unsägliche Einsamkeit. Dieses unendliche Verlangen einfach weg zu sein, raus aus allem. Diese absolute Überforderung mit der Situation, mit meinen Gefühlen. Dieses viel zu viel. Dieses nicht aushalten können. Dieses tiefe verzweifelt sein, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Sterben wollen. Es soll aufhören.
Und keiner da. KEINER DA! NIEMAND! Völlig alleine, mit allem.

Ein riesiger Gewinn – ich erkenne immer wieder den Gefühlszusammenhang zu damals. Das ich damals jetzt fühle. Ich wache immer wieder zwischendurch im Jetzt auf. Sonst wäre ich wohl schon auf der Krisenstation.

Ich fühle meinen Körper. Knorrig, dünn, unangenehm, fremd. Hängt er an mir dran. Ungelenkig. Unvertraut. Schmerzen. Halte kaum aus in ihm zu sein, trotz liebevoller Gefühle die ich immer wieder hineinschicke. Heute zurück zu Hause, geht nur noch die Badewanne. Die Kleidung ist unangenehm auf der Haut, der Körper ist unangenehm. Das Wasser lindert. Nimmt die Berührungsflächen. Verwischt die Konturen. Umschließt. Schützt. Trägt. Ich liege lange da. Viele Tränen laufen. Die Gefühle von damals wechseln sich ab. Durchfließen mich. Immer wieder ja sagen, immer wieder aufmachen, zulassen. Dann der Wunsch mich zu schneiden. Ich lasse auch diesen Wunsch zu, diesen Gedanken, sage ja zu ihm, lasse ihn zu, lasse ihn sich denken und weiterdenken. Auch dahinter taucht die Verzweiflung von damals auf. Körper vernichten, mich vernichten, damit ich nicht mehr da bin. Damit ich nicht mehr aushalten muss, mich und die Welt. Ich kann weinen. Der Impuls zu schneiden verfliegt.

Hinzu kommt die Umdeutung des Erlebnisses. Frau Therapeutin spricht diese furchtbaren Worte aus. Macht hörbar, macht fühlbar, was ich nicht fühlen will, was ich nicht begreifen will.
Missbrauch. Sexueller Missbrauch!
Die Worte durchfluten meinen Geist. Schlagartig muss ich mir die Hände auf die Ohren legen, weiche mit dem Stuhl zurück und breche in heftiges Weinen aus. Nein, nein, nein… das kann nicht sein!

Ich will es nicht begreifen und begreife doch Stück für Stück. Bild für Bild taucht auf, mit dieser veränderten Perspektive.
Ich wurde benutzt. Es fühlt sich schrecklich an. Unglaublich viele Gefühle purzeln gleichzeitig durcheinander. Ekel. Wut. Schmerz. Ungläubigkeit. Verraten fühlen. Beschmutzt fühlen. Fassungslos sein. Es leugnen wollen. Nach Gegenargumenten suchen, warum das nicht sein kann. Selbsthass. Ich-los fühlen. Einen Körper fühlen, der wie durchsichtig ist und in den man einfach greifen kann.

Riesige Bedürfnisse nach Trost. Nach Anteilnahme. Da soll jemand sein. Jetzt hier zu Hause. Das halte ich nicht alleine aus. Auch dieses Gefühl lasse ich zu. Ich lasse zu, dass Trost fehlt. Das keiner da ist, um mich in den Arm zu nehmen und auch hier spüre ich plötzlich, wie alt dieses Gefühl ist und durchlebe die Einsamkeit und Hilflosigkeit meiner Kindheit und Jugend. Nur, dass ich diesmal dabei bin. Das ich Verständnis habe, für dieses Mangelgefühl.

Ich bin ziemlich erschöpft und weiß nicht, was noch alles auf mich zukommt. Trotzdem glaube ich daran, dass ich in der Lage bin, mit mir umzugehen und diese Zeit durchzustehen und im Notfall Hilfe zu suchen.

Therapieprozesse VII

Der erste Anlauf nach ihrem Urlaub mich selbst zu behaupten, eine Rückmeldung zu geben, was mich stört, läuft direkt in eine Panikattacke. Ich kam gar nicht dazu den Satz auszusprechen. Legte meinen Notizzettel beiseite, rückte unruhig auf meinem Stuhl nach vorne, nahm eine stabilisierende Handposition ein (Mudra)und informierte sie, dass es jetzt losginge und ich ihre Hilfe bräuchte. Alles fiel stockender und unsicherer, als wie es hier wirkt.

Gemeinsam hangelten wir uns so durch, bis ich mich wieder stabilisiert hatte. Ich hatte schon am Morgen mit der Kontrolle von Angstsymptomen zu tun, so dass ich sie zum Stundenbeginn darauf vorbereitet und äußerte, was ich mir wünschen würde, wie sie sich dann verhält. Dazu war viel Überwindung nötig. Gut, dass ich das getan habe. Es ließ sich eine erneute Alleingelassensein-Erfahrung vermeiden und die Symptome gingen in relativ kurzer Zeit zurück. Puhhh, einfach war es nicht, jemanden in meiner Nähe dabei zuzulassen.

Die Konfrontation geht von Stunde zu Stunde weiter. Beim nächsten Mal viel Angst, aber diesmal ohne Panikattacke. Dafür Wahrnehmungsveränderungen den restlichen Tag. Wieder dieses unverbundene, zeitlose Weltgefühl. Ich nahm es war, konnte trotzdem alle Dinge machen und es ängstigte mich nicht mehr.

Heute wagte ich mich noch mehr hervor. Immer mehr Sachen wollten endlich mal angesprochen werden. Sich Luft machen. Wage dabei einen Blick in ihre Richtung. Sie schaut mich direkt an. Sehr ernst. Dieser Blick dringt in mich ein und vernichtet mich von innen. Erschrecken. Kein Wort mehr. Angst. Warten auf Strafe.

Sie hasst mich. Sie verachtet mich. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin zu weit gegangen.

Nach der Stunde bleiben ängstliche Gefühle. Gefühle eine Grenze überschritten zu haben, die nicht hätte überschritten werden dürfen. Mit Konsequenzen rechnen. Auf sie warten.
Dazu das Besprechen des Therapieendes. Von mir eingebracht, greift sie es heute auf und sagt ebenfalls, dass sie sich darauf einstellt. Es ist besiegelt. Ausgesprochen. Von beiden Seiten. Kein Zurück mehr.

*erschrocken*Es ist vorbei! Bin ich schuld? Habe ich es kaputt gemacht? Ich habe Angst.

Alles ist gut! Es läuft genau so, wie es richtig für uns ist. Ich wollte es so. Vertraue mir. Ich bin bei dir!

Sie hat gesagt, sie hätte Mitgefühl. Warum wir das nicht sehen könnten.

Ich weiß es auch nicht.

Ich bin traurig. Ich hätte es gerne gehabt, dieses Mitgefühl.

Ich auch.

Ist es meine schuld? Habe ich es versaut?

Sie gibt uns zumindest das Gefühl, als hätten wir nicht genau hingeschaut. Als läge es an uns, dass wir es nicht sehen würden. Ich bin auch verunsichert, aber tendiere dazu, auch wenn sie Mitgefühl hat, was ich ihr auch glaube, hat sie es zu wenig gezeigt. Für uns ist es besser, wenn jemand diese Gefühle sichtbar machen kann, damit wir sie spüren können. Da sind die Menschen wohl unterschiedlich.

Kennenlerngespräch mit einer Einzelfallhelferin:

Sie gefällt mir nicht. Sie ist nicht ideal. Sie kann uns nicht führen. Ist selbst teilweise unklar und verliert sich in Gedankengängen. Sie ist uns nicht gewachsen. Wir müssen sie strukturieren.

Ja, das stimmt. Aber schau mal, wir suchen ja auch niemanden der uns führt. Das ist gar nicht ihre Aufgabe. Das machen ich und du jetzt. Sie soll uns nur zuhören. Und während wir ihr unsere ganzen beruflichen Gedanken erzählen, können wir uns vielleicht besser strukturieren, bekommen mehr Klarheit, Übersicht, neue Ideen. Das würde ich gerne mit ihr ausprobieren. Ich find sie nett.

Na gut. *skeptisch* Aber wenn sie sich in den Mittelpunkt drängt und so viel von sich erzählt, das mag ich nicht.

Das sehe ich auch so. Ist ja auch nicht Sinn der Einzelfallhilfe, dass wir der Einzelfallhelferin bei ihrer Geschichte zuhören. 🙂 Super, dass wir sie schon darauf hingewiesen haben. Da bin ich echt stolz auf uns, dass wir gleich im ersten Gespräch so offen und direkt waren. Sie war zwar etwas irritiert, als wir sie fragten, ob wir sie gegebenenfalls auch mal begrenzen dürften, hat es aber mit Humor und gleicher Offenheit angenommen. Ich glaube sie ist sehr ehrlich und aufgeschlossen und hat 30 Jahre Berufserfahrung. Das gefällt mir.

Ich hatte große Angst, dass sie uns nicht mögen würde, als du sie das fragtest.

Dann wäre sie wohl auch nicht die Richtige für uns gewesen.

Therapieprozesse VII

Brief an die Reha-Therapeutin:

Liebe Frau …,
ich schreibe ihnen, weil ich mich ganz dringend entlasten muss. Keine Ahnung wie sie das finden werden. Ich vertraue darauf, dass sie mir sagen werden, wenn sie etwas unangemessen finden.

Hintergrund ist auch, dass aktuell alle meine Anlaufstationen im Urlaub sind, privat, wie professionell. In mir schlägt es hohe Wellen und ich pralle immer wieder auf die nicht hilfreichen Erfahrungen in meiner Therapie und dazu das jetzige Alleine-sein.

Ich habe meiner Therapeutin alle Gedanken und Gefühle die Therapie betreffend offen gelegt. Ich bin drei harte Stunden lang immer wieder über meinen Schatten gesprungen und habe ums Verstanden-werden und Gesehen-werden gekämpft. Ich habe Parallelen zu meinen bisherigen Beziehungserfahrungen gefunden, in denen ich mich immer nur befreien konnte, wieder ich selbst sein konnte, wenn ich sie verlassen habe. Diesmal wollte ich es anders machen und mich innerhalb befreien. Ich habe geweint, ich war zum ersten Mal ‚offen‘ wütend, ich war tief enttäuscht, verzweifelt, resigniert, traurig, ich habe das Zimmer verlassen und bin wiedergekommen. Das alles vor ihr. Ich habe mir Deutungen angehört von gute Mutter/ böse Mutter. Sie die Gute, meine Therapeutin die Böse. (Wenn es mal so einfach wäre. Ich sehe das viel differenzierter) Und dass ich versuchen würde, meine Bedürfnisse zu befriedigen und das nicht ihre Aufgabe wäre. Das alles habe ich durchgehalten und mich innerlich verabschiedet, weil ein Verstehen sich nicht einstellen wollte. Und dann geschah doch noch ein Wunder, weil ich nicht locker ließ oder eher meine Wut nicht locker ließ, dass sie sich so verweigerte meine Bedürfnisse anzuerkennen. Darum ging es mir, dass sie meine Bedürfnisse anerkannte und nicht, dass sie sie befriedigte. Und das hat sie dann plötzlich doch begriffen und eingestanden, dass es in einer zurückliegenden Situation auch Teil ihrer Rolle gewesen wäre, wenn sie es erkannt hätte. Und da bleibe ich hängen. Das rückwirkende Erkennen stellt kein Vertrauen in mir her, weil ich erwarte, dass sie es hätte in dem Moment erkennen müssen. Und wenn sie es dort nicht konnte, dann kann sie es auch zukünftig nicht. Ich will meine Therapiezeit nicht darauf verwenden, immer wieder diesen Mangel zu erleben und ihn ihr sichtbar zu machen. Ich werde sie nicht ändern können oder es würde viel zu lange dauern. Vielleicht profitiert da mal ein späterer Klient von, aber für mich ist es verlorene Zeit, in denen ich nicht zu den Dingen komme die möglich wären, wenn diese Basis des Annehmens und Gesehenwerdens da wäre. Mir ist einfach nicht danach, meine Kindheitserfahrungen zu wiederholen. Ich brauche neue Erfahrungen.
Ich brauche jemanden der in der Lage ist, den Erwachsenen UND das Kind zu sehen und sich darauf einzulassen und der als Mensch spürbar ist.

Dass ich das so lange ausgehalten habe, habe ich auch als Muster meiner Vergangenheit erkannt. Das dreckige Nest nicht verlassen können, eigene Gefühle und Impulse zurückstellen, nicht als wichtig erachten, weil die Beziehung zu erhalten, egal wie sie ist, wichtiger ist, um Liebe, Aufmerksamkeit, was auch immer zu bekommen.

So, eigentlich habe ich mich schon befreit und trotzdem bleibe ich noch kleben, kann mich nicht neu orientieren, trotz all diesen Wissens und der Erfahrungen. Es kommt mir zu groß vor, es neu zu versuchen. Die Gefahr zu wahrscheinlich, dass es schief geht, die Erfahrung sich wiederholt. Das Neueinlassen zu kraftzehrend. Und ich bin wütend, immer noch. Das ist viel größer, als ich zulassen kann zu fühlen. Es ist so unglaublich groß, diese Wut! Und da ist auch meine Mutter mit drin. (Immerhin… ein Fortschritt ;)) Und dann entwischt es mir wieder. Wenn ich eine Prognose abgeben müsste, glaube ich, dass ich so lange in dieser Therapie hängen werde, bis diese Wut einen angemessenen Raum gefunden hat. Es wäre schön, wenn meine Therapeutin in der Lage wäre diesen Raum einladend zu gestalten und hilfreich dabei zu sein.

Puhhh… Na gut. Alles von der Seele geschrieben. Ist es jetzt besser? Keine Ahnung. Ich erwarte dazu keine Reaktion von ihnen (von innen hinten: schön wäre es trotzdem :)).

Danke fürs Lesen!
Freundliche Grüße

Therapieprozesse VI

Auszüge aus Reha-Notizen und Notizen nach Rückkehr.

22.05.2014 Reha
Ich stelle fest, dass ich sofort an ihre Person (Reha-Therapeutin) angedockt bin, was ich total ungewöhnlich finde. Was war es, was mich gleich so vertrauen lässt?

Die Therapie (Analyse) bleibt im Rahmen des Erkennens und Verstehens. Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass mehr möglich wäre, wenn es mehr emotionale Spiegelung gäbe und ich so vielleicht auch eher an eigene Gefühle komme.

27.05.2014 Reha
Ich bin so, so, so erleichtert verstanden zu werden, gesehen zu werden.

          Ich bekomme Zuwendung, die ich nicht verdient habe. Du übertreibst. Du lügst. Du sagst das nur, weil man sich um dich kümmern soll. Wie kindisch. Du bist erwachsen.

28.05.2014 Reha
Mich macht so vieles so wütend. Das meine Therapeutin (Analyse) mir nicht gibt, was ich brauche.

29.05.2014 Reha
Morgens Weinen. Keine Ahnung was ich fühle. Sehnsucht nach der nicht vorhandenen Mutter?

30.05.2014 Reha
Ich darf also so tun, als ob meine Therapeutin (Analyse) meine Mutter wäre und ihr sagen, was ich von ihr brauche? Die Mutter muss erst das Kind verstehen lernen? Ich habe das Gefühl, kein Recht dazu zu haben.
Mir fehlt emotionale Rückkoppelung. Die Sicherheit, dass das okay ist, was ich bin und fühle.
Hier in den Gesprächen verstanden zu werden, beruhigt mich total, reduziert emotionales Chaos und Spannung.
Sie (Reha-Therapeutin) benennt Gefühle, schlägt welche vor. Hilft mir da einzusteigen, weiterzugehen, aufzugreifen. Fühle mich eingeladen.
Es ist so ruhig in mir. Kein Ringen um Worte in meinem Kopf, weil alles angekommen und spürbar verstanden wurde. Jetzt ist Platz für Sehnsucht und Fühlen von Heimatlosigkeit.

03.06.2014 Reha
Aus dem Einzelgespräch: „Wie es aussieht, mussten sie sich das meiste selbst beibringen.“ Das trifft etwas in mir. Tränen steigen auf, obwohl ich diese Aussage nicht mit Inhalt füllen kann.
„Sie müssen sich rausnehmen, um ihre Grenzen wieder neu zu stecken. Das passiert, wenn man zu früh lernen musste, wie die Eltern funktionieren, bevor man sich selbst und seine Grenzen kennen lernt.“ Das passt und plötzlich wird etwas plausibel. Die Reizüberflutung ist eigentlich keine. Ich kann mich nur durch viele Reize selbst nicht mehr spüren. Es ist also kein depressives Symptom, sondern eine psychologische Begebenheit.
Ein weiterer Deutungsvorschlag: Es kommt zu Erschöpfungen, wegen widerstreitender Gefühle zum Thema Nähe und Distanz. Will ich mich um das Bedürfnis nach Nähe kümmern, wird die Angst so groß. Will ich mich um die Angst kümmern, wird das Bedürfnis nach Nähe nicht gestillt. Keine Klärung. Ständiger Zug.

Ich fühle mich der Reha-Therapeutin gegenüber wie ein offenes Buch. Sie scheint alles zu sehen und zu verstehen, bevor ich etwas ausspreche. Sie sieht und versteht Zusammenhänge, die mir selbst noch nicht klar waren. Dadurch kann ich mich in ihr selbst erfahren. Das tut unheimlich gut und kommt aber auch unheimlich nah, wo Angst entsteht.

Das macht mich traurig, dass ich woanders das erfahre, was ich mir in der Therapie zu Hause immer gewünscht habe. Dass man mir hilft zu verstehen. Ich habe das Gefühl, ich arbeite die meiste Zeit alleine, erarbeite mir alles selbst. Ich will ihr nicht sagen müssen, was ich brauche.

05.06.2014 Reha
Ich hatte mir damals diese Therapeutin ausgesucht, weil sie mir viel Raum gab. In den alten Erfahrungen gehe ich in diesem Raum verloren, finde keinen Halt und keine Orientierung. Als heutiger Erwachsener kann ich diesen Raum nutzen, um mich neu zu finden, selbst zu finden. Vor- und Nachteile.

Trauma-Gruppe: „Viele sind enttäuscht. Nun haben sie schon damals keine Unterstützung erfahren und nun müssen sie auch heute sich selbst helfen. Ja, wer den sonst, als sie?“ Die Wahrheit tut weh. Inneres Kind fühlt – Ich bin alleine. Ja, wer denn sonst, als ich selbst kann mir helfen. Wut! Ich muss es alleine machen. Ich wäre schon froh, wenn mich jemand anleitet und mich auffordert die Lampen zu zählen (Rückholung nach Traumaaktivierung). Das wäre Hilfe genug und ist nicht geschehen!

06.06.2014 Reha
Mir geht es nicht gut. Sehnsucht nach Blicken und Verständnis von Therapeuten. Trigger Gesprächsgruppe – ihr Blick, ihre Tonlage, ihr Mitgefühl, ihr Verständnis für meine Gefühle. Das alles schmerzt und lässt die Sehnsucht danach ins Unermessliche steigen. Es hängt in mir fest. Lastet auf mir, schwer im Herzen.

08.06.2014
Schreien, klagen wollen aus tiefsten Herzen, so sehr tut es weh. Und immer wieder wegdrücken. Sich leiden erlauben? Darf ich das?

09.06.2014
Am liebsten wäre mir, ein Termin bei ihnen wäre mir nicht wichtig. Ich kann auch ohne sie. Ich brauche das nicht zum Überleben. Ich komme zurecht. Es macht mir nichts aus, dass etwas ausgefallen ist. So habe ich es tatsächlich gefühlt, bis heute Nacht. Im Traum habe ich dann doch auf sie gewartet, mit Insektenwunden an beiden Füßen. Sie kamen nicht. Die anderen Ärzte fühlten sich belästigt durch meine Anwesenheit. Da nahm ich die Pinzette und behandelte mich selbst. Wollte nicht mehr von ihrem Kommen abhängig sein. Dann kamen sie. Ich sagte ihnen, dass sie ihr Versprechen nicht eingehalten haben. Sie behandelten die Wunden zu ende.
Ich will mich am liebsten nicht in die Terminliste einschreiben. Will ihnen zeigen, dass es mir nicht wichtig ist. Am Ende schneide ich mir damit ins eigene Fleisch. Ich hasse diese Abhängigkeit. Ich spüre Widerwillen gegen den Schmerz den ich fühle, wenn ich sie sehe. Ach wären sie doch weg geblieben.

12.06.2014 Reha
Es tut so gut Bestätigung für mein Fühlen zu erhalten. Es schmerzt hier Hilfe zu bekommen, nach der ich mich schon so lange gesehnt habe. Unterstützung die ich viel früher gebraucht hätte. So allein damals in diesem schrecklichen Chaos. Wie sehr hätte ich davon profitiert? Wie viel kürzer wäre das Leiden gewesen? So musste ich mich alleine durchwursteln. Ich spüre das Alleinsein. Die wahnsinnige Leistung, die ich erbracht habe und damit nicht gesehen worden zu sein, keine Hilfe erfahren zu haben. Wie ich das jetzt alles aufsauge. Auch wenn ich schon viel weiß und viel richtig gemacht habe, bitte hören sie nicht auf mich zu unterstützen! Lassen sie mich nicht alleine! Ich kann mir die Therapie (Analyse) gerade immer weniger vorstellen, die Passivität, die fehlende aktive Unterstützung nicht länger aushalten.

18.06.2014 Reha
Mir erlauben rauszugehen, um für mich zu fühlen und zu weinen. In der Therapie (Analyse) habe ich mir das nicht mehr gestattet.

05.07.2014
Wenn die Vorstellung die Therapie zu beenden, gleichzeitig ein Befreiungsgefühl beinhaltet und Schmerz, ist es dann nicht einfach nur eine Wiederholung dessen, was ich in all meinen Beziehungen bisher erfahren habe? Ich fühle mich unfrei, eingesperrt. Kann mich nicht frei bewegen. Doch hindere mich selbst daran und denke, diese Freiheit nur außerhalb dieser Beziehung wiedererlangen zu können?

10.07.2014
Ich brauche sie nicht mehr. Ich brauche keine Therapie mehr.

11.07.2014
Es ist eine Wiederholung zu der Beziehung zu meiner Mutter. Anpassung, um etwas zu bekommen. Dabei eigene Impulse, Gefühle zurückstellen und nicht spüren, dass es nicht passt.
Sie haben das Gefühl, dass ein weiterer stationärer Aufenthalt (Traumatherapie) mir nicht gut tut? Wie kommen sie darauf? Wissen sie was mir nicht gut tut?! Alleine gelassen zu werden, mit Symptomen, die für mich kaum zu bewältigen waren. DAS tut mir nicht gut! Und mir dann erzählen, dass sie überzeugt davon sind, mich gut in der Traumaarbeit begleiten zu können. Ich glaube ihnen nicht!
Und ja, ich versuche meine Bedürfnisse zu befriedigen. Und ich finde das auch richtig so, als ersten Schritt, sie damit überhaupt anzuerkennen und zu erkennen, dass ich sie befriedigen darf! Dass ich ein Recht auf Verstanden-werden, auf Angenommen-werden und Verbindung habe.

Therapieprozesse V

Ich bin aufgebracht. Oh mein Gott, ich bin wirklich aufgebracht. Also okay… da ist noch Spielraum nach oben, aber ich war in meinem Leben SO noch nie aufgebracht. Und gut, es hat mir ein paar Kratzer am Arm eingefangen, weil ich nicht wusste, wohin mit dieser Aufgebrachtheit. Und ich habe kurz überlegt, mir eine etwas größere Dosis Promethazin reinzupfeifen, aus Rache oder was weiß ich. Aber das kam mir dann doch irgendwie blödsinnig vor. So what, was sind schon ein paar Kratzer, gegen das sonst übliche Zusammenfallen, Kraftlossein, Nichts-geht-mehr-Gefühl. Da nehm ich die Kratzer gerne in Kauf. Die sind schnell wieder weg. Die Kraftlosigkeit dauert meistens länger. Und oh ja, es fühlt sich wesentlich gesünder an, aufgebracht zu sein. So verdammt aufgebracht, ja vielleicht sogar wütend, dass man bereit ist, in eine Auseinandersetzung zu gehen. Das man bereit ist, sich zu stellen, sich zu raufen, sich zu messen, sich zu reiben. Das die Angst auf einmal nicht mehr vorhanden ist. Die Angst, dass wichtigste, die Beziehung zu verlieren, wenn man mal aufgebracht ist. Oh nein, am liebsten jetzt und sofort will ich mich viehig aufregen. Nur blöd, dass die Therapiestunde, der Auslöser vorbei ist. Da gibt es also kein Gegenüber mehr. Und bis zur nächsten ist es wahrscheinlich schon sortiert und verarbeitet. Egal… dann mal hier noch ein wenig aufregen und Dampf ablassen.

Ausgangssituation. Ich klingel an der Tür. Niemand öffnet, auch nach fünf Minuten nicht (drei Minuten nach offiziellem Beginn der Stunde). Ich fühle extrem stark, dass nun alles vorbei ist. Sie ist weg. Sie ist nicht da. Aus. Ende. Ich kann wieder nach Hause gehen. Bin kurz davor das wirklich zu tun. Es fügt sich nahtlos in mein Insgesamtbefinden. Mit diesem Ergebnis habe ich gerechnet. Ich überwinde mich zum zweiten Klingeln. Dann macht sie auf. Ich mal wieder hauchnah am Verlassen- und Verlorenheitsgefühl. Will Worte finden. Werde motiviert Worte zu finden. Es auszusprechen. Es ist unmöglich. Ich brauche unbedingt ein Kissen oder irgendetwas vorm Bauch, damit ich mich sicher fühle. Dieses Kissen ist existentiell notwendig. Ohne das geht gar nichts. „Ist es möglich, dass sie sich das Kissen holen?“ Ringen darum, die Distanz zur zwei Meter entfernten Couch zu überwinden. Ein Versuch aufzustehen scheitert. Zu groß die Bedrohung ungeschützt zu sein. Ich hänge da fest in dieser Situation. So unglaublich ungeschützt. Soviel Not in mir. Kann nicht vor und zurück. Viel Zeit vergeht mit diesem Kampf. Überwinde mich auszusprechen, dass ich mir wünsche, sie gäbe mir das Kissen, damit ich den sicheren Stuhl nicht verlassen muss. Stille. Schweigen. Auf Reaktion warten.

Sie: „Ist das so eine Art Machtkampf, ob ich ihnen das Kissen jetzt gebe?“

In mir rattert es wild. Machtkampf? Alles Kleine verschwindet. Ich kann meine zusammengekauerte Position verlassen. Richte mich im Stuhl auf. Schaue sie an.

Ich, irritiert: „Machtkampf? Hier geht es doch nicht um Macht. Das ist Not. Ich bitte um Hilfe bei etwas. Kleine Kinder die etwas Existenzielles brauchen, spielen doch keine Machtkämpfe. Sie brauchen etwas ganz dringend. Die Machtkämpfe machen dann die Eltern daraus. Sind sie sicher, dass sie da für sich das richtige Wort benutzt haben? “

Ich, bissig: „Ich denke gerade. Lassen sie es einfach. Ich brauche es gar nicht. Sie machen alles kaputt. Ich bin gerade irgendwie zickig.“

Sie: „Es geht darum es zu verstehen.“

Ich, trotzig: „Ich will jetzt nichts verstehen und hole mir das Kissen selbst.“

Sie: „Das ist eine gute Idee.“

In dieser veränderten, aufgebrachten Stimmung hole ich mir das Kissen und klemme es mir vor den Bauch. (Wahrnehmung am Rande: war gar nicht so schwer)

Ich verstehe das schon. Dass sie es nicht tut. Wegen der eigenen Verantwortung. Dem jetzigem Erwachsensein und sich selbst um seine Not kümmern. Nicht jemand anderes dafür verantwortlich machen. Und so weiter und so fort. Blablabla… Das ist schon klar. Darüber brauchen wir nicht reden (tu es aber doch).

Ich: „Das wollte ich vermeiden. Dass ich die Gefühle, die das Kissen brauchen, verliere. Dass ich mich verlasse.“

Sie: „Es ist die Frage, ob es wirklich darum geht, dass ICH ihnen das Kissen gebe?“

Ich, provokant: „Für sie ist das doch keine Frage. Für sie ist das doch klar, dass sie es nicht tun werden.“

Sie: „Ja. Es zeigt sich hier, wie schwierig es für sie ist, sich verletzbar zu zeigen.“
Und so weiter und so fort.

Meine kleinen Gefühle sind alle weg und kommen auch nicht wieder hervor. Die Stunde ist um und ich nehme alles Unausgesprochen wieder mit raus. Meine Abschlussworte: „Verdammte Scheiße!“
Vor der Tür, sitzen die Innenkinder wieder auf meinem Schoß und sind furchtbar verzweifelt. Sie konnten sich nicht mitteilen. Ich kann das Weinen nicht zurückdrängen. Nur wohin jetzt damit? Wo ist es geschützt? Setze mich in den nächst besten Hauseingang, der etwas nach innen versetzt ist, ziehe mir die Kapuze über den Kopf, versenke meinen Kopf auf den Armen und schluchze so gut es geht ein wenig vor mich hin. Wie gemein und unfair doch alles ist. (Bravo, Sophie! Weinen auf offener Straße. Das gab’s noch nie. 🙂 – Schnauze da oben!)

Und dann geht es los in meinem Kopf. Das Aufgebracht sein. Bissige Gedanken.
Ich traue mich hier meine Bedürfnisse auszusprechen und sie fragen mich, ob ich ein Machtspiel mache!? Spinnen sie? Merken sie gar nichts mehr? Das tut weh! Aha, sie empfinden das also als Machtkampf!? Ist ja interessant… Als würde ich ihnen etwas wegnehmen wollen.
Und überhaupt und sowieso… haben sie das mit Absicht gemacht, mich da vor der Tür stehen lassen? Mal abwarten, wie ich so darauf reagiere? Ist das nicht ihr Machtspiel?

Und das in Endlosschleife.