Die letzte Woche

11.02.2014

Zum zweiten Mal besuche ich eine spirituelle Selbsterforschungsgruppe nach der Diamond Approach Methode.

Das Schaf hat seine Herde gefunden oder seine Wiese oder seinen Leithammel oder alles zusammen. Obwohl das Schaf die Herde, die Wiese und den Hamel nicht wirklich braucht, tut es doch ungemein gut, im Außen auf so starke Resonanz zu stoßen.

Was höre ich da?! Ich kann es gar nicht fassen! Innerlich bin ich permanent am nicken. Alles trifft auf Entsprechung, auf gemachte Erfahrungen. „Ohne Konzepte entsteht Leerheit. Das kann für das Selbst unangenehm sein.“ JA, JA… denke ich. Und wiiie unangenehm. Dass es dem sterben gleich kommt, hätte sie ruhig erwähnen können.

Die Anfangsmeditation ist viel intensiver als zu Hause. Ich spreche das an. Sie stellt einen Kanal, der die Energie anhebt. Das ist für mich deutlich zu spüren, die ganzen 2 Stunden lang. Es geht um das Thema Offenheit und ich bin ungewohnt offen. Es überrascht mich selbst und das in einer Gruppe von 17 Leuten. So offen, dass ich mich nackt fühle und prompt in heftige Angstgefühle rutsche. Ich will raus. Weglaufen. Hoffe, dass keiner etwas von dem Sturm in meinem Körper merkt. Hoffe, dass es nicht zu einer Panikattacke auswächst. Tut es nicht. Gott sei Dank! Das alles kann ich auch noch ansprechen, vor allen und erfahre Rückmeldung von der Anleitung, die mir Sicherheit gibt. Ich finde heraus, dass große Angst mich viel Lachen lässt. Ich fühle mich nach der Gruppe sehr lebendig und in gehobener Stimmung.

Und sofort beginne ich an meiner Therapie und Therapeutin herumzunörgeln. Obwohl ich gerade erst einer Verlängerung zugestimmt habe. Warum ist das nicht bei ihr so? Warum ist sie nicht so? Brauche ich das überhaupt? Warum fühle ich mich bei ihr nicht so eingeladen? Warum habe ich bei ihr das Gefühl, mit mir alleine gelassen zu werden. Warum gibt sie mir keine Sicherheit in dem was ich fühle?

Vielleicht zieht es mich bei ihr raus, wenn ich woanders einen besseren Zugang finde? Wie Kinder die ganz schnell ihre Freunde wechseln können, weil es woanders einfach besser ist, mehr Spaß macht, sie mehr bekommen? Hat etwas Narzisstisches. Den eigenen Vorteil einer Beziehung im Fokus, anstatt die Beziehung selbst?

13.02.2014

Ich nahm vor 3 Tagen das erste Mal eine Cranio-Sacral-Therapie in Anspruch. Es ist unglaublich wie viel Bewegung in mein ganzes System gekommen ist. Es hatte zwar nicht so viel mit Entspannung zu tun, wie ich es eigentlich geplant hatte, aber ich bin trotzdem begeistert :).

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Ich habe in unterschiedlichen zwischenmenschlichen Situationen so erlebbare Gefühle gehabt, wie noch nie. Scham, Verletzlichkeit, Nähe, Angst. Extrem viel Angst, die ganzen letzten Tage. Mein ganzer Körper hat Angst durchlebt mit Schlaflosigkeit, zittern, Stromkribbeln usw.. Aufgrund der Intensität blieb mir wohl nichts anderes übrig als auszusteigen, um es aushalten zu können. Stand also zwei Tage lang sehr neben mir, mit einer Distanz zu dem erleben. Alles konnte nur traumartig erinnert werden. Aber es war okay. Ich hatte bis gestern noch sehr unangenehme Empfindungen am Hals und am Kopf. Auch an der Lendenwirbelsäule. Es war deutlich zu spüren, dass alles arbeitet. Auch auf energetischer Ebene. Im Bett spürte ich wiederholt ein sich verschieben nach links oder rechts oder auch Drehungen meines ganzen Energiekörpers. Aggressive Träume. Und auch in der Meditation hat sich deutlich Bewegung im Nackenbereich gezeigt. Veränderte Kopfhaltung. Verändertes Energiefließgefühl. Heute bin ich anscheinend wieder etwas in mir gelandet und ich fühle mich großartig. Ein Freiheitsgefühl und Kraftreserven wo vorher keine waren.

Es war echt anstrengend, aber ich konnte auch erleben, dass ich mit so etwas viel besser umgehen kann als bisher. Jetzt bin ich gespannt auf die Langzeitwirkung, was in ein, zwei Wochen davon noch übrig ist. Ob es zurück in die alte Nummer geht oder ob davon etwas integriert werden kann.

Nach der Therapie: Widerworte und es macht gefühlt PENG!. Steht vielleicht im Zusammenhang mit einem väterlichen Schlag ins Gesicht.

Seit über anderthalb Jahren will ich die Frage stellen, ob es ausreicht sie mit ihrem ersten Namen anzusprechen oder ob sie lieber mit ihrem Doppelnamen angesprochen werden wollen. So lange vermeide ich sie überhaupt mit Namen anzusprechen und wenn doch, murmel ich ihn schnell und leise, damit man bloß nicht hören kann, falls ich ihn falsch ausspreche. Ich hab mich nie getraut und heute klatsche ich diese Frage so unauffällig nebensächlich zwischen ein momentanes Thema, als wäre so gar nichts dabei sie zu stellen. Es war ein einschmuggeln von mir selbst, an meiner Angst vorbei. Mich selbst total überraschend. Die Frage war ausgesprochen. Ich voller Schreck, die mich ihre Antwort nicht hören lässt. Nur ihr Stirnrunzeln bleibt mir in Erinnerung. Ich vermute eher das es ein „Okay“ war. Sonst würde ich mich wohl anders fühlen.

Gedanken zu Mister X. Vielleicht fühle ich so gar nichts in dem sich entwickelndem Kontakt, weil ich nicht glaube mich schützen zu können. Dann wird der Schutz soweit außen gesetzt, dass auch gar nichts schief gehen kann. Wo verläuft die Grenze des „normalen“ Schutzes? Wovor muss ich mich schützen? Wovor nicht? Ich weiß nicht wo und wann. Habe diese gesunde Grenze bisher nicht entwickeln können und so überhaupt kein Gefühl dazu.

15.02.2014

Ungewohnt lange Meditation von ca. 40 Minuten. Sehr, sehr viele spontane, ungesteuerte Bewegungen im Nacken- und Kopfbereich – drehen, kippen, dehnen, zittern, kreisen, schwingen. Lange Körperpräsenz möglich.

16.02.2014

Ungewohnt viel Lebendigkeit und Vitalität im Inneren zu spüren. Draußen erlebe ich Einschränkungen und Ausweitungen von Sinneswahrnehmungen. „Normales“ Sehen ist nicht möglich. Nur Punktuelles kann ich erfassen. Kein Raumblick, keine Weitwinkeleinstellung. Ich verlasse mich deshalb mehr auf meine anderen Sinne. Über den Körper habe ich dafür ein seeehr ausgeprägtes Raumempfinden. Es ist wie mit dem Oberkörper sehen. Besonders hebt sich heraus, als ich den Wald betrete, dass der Boden sich unter meinen Füßen wie wellendes Tuch bewegt. Nur eine kurze Erscheinung. Als ich eine außen liegenden Wendeltreppe emporsteige, deren Stufen aus Gitter bestehen, fühle ich wie der Raum um mich herum, sich nun auch noch auf den Raum unter mir ausbreitet. Wie fliegen oder fallen.

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Therapeutische Beziehung

Ich hätte ihnen so gerne ins Gesicht geschaut. Mich versichert, ob ihre Anteilnahme wirklich da ist. Die Anteilnahme die ich in ihrer Stimme gehört habe. Ich hab mich nicht getraut. Ich habe mich nicht getraut sie anzusehen, aus Angst vielleicht etwas anderes zu sehen, als ich höre. Was Unechtes zu sehen. Dann wollte ich es lieber auch nicht hören. Wurde Misstrauisch. Wartete auf einen Klang, auf einen Satz, auf ein Wort, was mir bestätigte, dass es nicht echt ist.

In dem Fall, meinem Vertrauen in die Tragfähigkeit der therapeutischen Beziehung, fange ich tatsächlich immer wieder bei null an. Da hat sich seit zwei Jahren nichts verändert. Das macht mich traurig. Ein Vertrauen, dass sie mich nicht alleine lässt, dass sie da bleibt und mich versteht, kann nicht dauerhaft bleiben. Es gibt wenige Momente wo ich es leise wachsen spüre. Doch kommt es in den Sitzungen zu einer Erfahrung des Nicht-gesehen-werdens, existiert es nicht mehr. Dann fühle ich immer wieder diesen Schmerz und eine tiefe Gewissheit, dass wir nie zueinander finden werden, dass es immer den Graben des Nicht-Verstehens geben wird. Daraus folgt dann ein innerer Rückzug, eine Vergrößerung der gefühlten Distanz und Hass gegen sie und mich selbst. Ich kann mich erinnern, dass es auch Vertrauen gab, aber es spielt keine Rolle mehr, ist ohne Bedeutung.

Ich erlebe dieses Vertrauen als etwas schwaches, vorsichtiges, zurückhaltendes, ohne festen Grund. Es ist erstaunt, ungläubig und flüchtig. Es ist wie dünne Nebelschwaden, ohne Substanz.

In einem Bild ist mein Misstrauen eine ölig, flüssige, wabernde Masse. Undurchsichtig. Sie bildet den Grund, den Boden in einer dunklen Umgebung. Nichts anderes existiert dort. Dieser Ort befindet sich in mir. Das Vertrauen wächst auf diesem Boden des Misstrauens. Keine guten Bedingungen. Beim kleinsten Auslöser, wird das zarte Pflänzchen von der Masse verschluckt. Alles ist wie zu Beginn. Nichts lässt erkennen, dass dort mal etwas gewachsen ist.

Was sich in dieser Zeit verändert hat, ist, dass ich nicht mehr den starken Drang habe wegzulaufen. Ich denke nicht jedes Mal darüber nach die Therapie abzubrechen, so wie ich es in der ersten Zeit oft getan habe. Ich kann mit diesen Empfindungen von ewiger, unüberwindbarer Trennung da bleiben. Was ich jetzt hier, wo ich es schreibe echt erstaunliche finde und als Leistung anerkenne.

Und die stetige Wiederholung hat meines Erachtens dazu geführt, dass ich es nicht mehr so dramatisch empfinde, es eher hinnehme, jedes Mal etwas klarer sehe und ganz neu, es mich sehr traurig macht, aber nicht mehr heftig verzweifelt. Ich könnte auch sagen, man gewöhnt sich an alles, mit einem resignierten Unterton.

Therapieprozesse II (evt. Trigger)

Ich finde immer weiter in einen Abstand zu den letzten Ereignissen in der Psychoanalyse und kann klarer sehen und erkennen.

Das war ein Schockerlebnis. Alles. Diese Erinnerung, die nicht neu war. Schon oft erzählt. In der Familie, unter Freunden, auch hier in den Sitzungen. Und dann auf einmal bin ich wieder drin. Sie wird detailreich. Ich erzähle. Die Details. Dann fällt in mir eine Wand. Kein Gedanke mehr, kein Gefühl. Ich bekomme Kopfschmerzen und werde sehr müde. Sie, die Psychologin greift den Faden noch mal auf und wiederholt, was ich erzählt habe. Ich werde aufgewühlt. Will mir die Ohren zuhalten. Sie soll aufhören zu reden. Das spreche ich aus. Stille. Die Aufwühlung in mir wird immer größer und entzieht sich meiner Kontrolle. Ich kann nichts mehr tun. Ich habe Todesangst. Krümme mich zusammen. Atme schnell. Und das alles vor ihr. Ich werde gesehen, wie ich die Kontrolle verliere. Das ist schlimm. Und es hört nicht auf. Ob ich sie noch hören kann? Ja, kann ich. Ich sei hier im Jetzt. Das kapier ich nicht mehr. Ich würde hyperventilieren. Aha. Ich stürze ins Bad, um zu versuchen mich mit kaltem Wasser zurückzuholen. Alles dreht sich. Das Angstgefühl ist weg. Die Panik des Körpers bleibt. Das Wasser nützt nichts. Sie läuft hinterher. Legt mir eine Hand auf die Schulter. Ich würde zu schnell atmen. Aha. Das hilft nicht. Mir fällt selbst ein, was in einer ähnlichen Situation schon mal geholfen hat. Alphabet sprechen. Jedem Buchstaben einen Begriff zu ordnen. Das beruhigt sofort die Atmung. Ich kann das Waschbecken loslassen, an dem ich mich geklammert habe und mich aufrichten. Meine Beine, meine Hände kribbeln stark. Mein gefühlter Körper verliert seine Begrenzungen, dreht sich wie verrückt und schwankt. Meine Umgebung schwankt. Ich weiß nicht ob ich laufen kann. Mir ist furchtbar schwindelig. Gleichzeitig fühle ich, wie peinlich mir die Situation ist. Sie bietet mir Hilfe beim zurücklaufen an. Ich lehne ab. Schwanke zurück in den Raum. Schaffe es in den Stuhl und fange tatsächlich schon wieder an zu lächeln, obwohl alles in mir im Chaos ist. Es wird kaum besser. Ich bin extrem verwirrt. Die Körpergefühle bleiben. Mit dem Alphabet komme ich nicht weiter. Gekreuzte Arme und Beine bringen es auch nicht. Und ich fühle mich von ihr beobachtet. Die Stunde ist auch rum. Ich solle mich aufs Jetzt konzentrieren und die Erinnerung nicht weiter bearbeiten. Ich kann nicht losgehen. Setze mich in den Flur und warte, dass es besser wird. Ich soll mich melden wenn nicht. Tut es nicht. Verliere immer wieder mein Denken und löse mich auf. Im Alphabet bleibe ich ständig bei einem Buchstaben hängen oder assoziiere unangenehme Begriffe wie Monster, Tunnel, Vater. Panik steigt wieder auf. Klopfe und sage es wird nicht besser. Bevor sie was sagen kann, frage ich nach starken Reizen. Eiswürfel, Kühlakku da? Sie fragt, ob ich was trinken will. Kann mit dieser Info nichts anfangen. Lehne wieder ab. Tatsächlich gibt’s Eiswürfel. Währenddessen kommt der nächste Klient. Ich will im Boden versinken, am liebsten weg sein und gleichzeitig freut sich auch etwas über die viele Aufmerksamkeit. Sitze geschlagene 45 Minuten im Flur und muss mich immer wieder über die Kälte in den Händen, Musik im Ohr und Körperschaukeln zurückholen. Mein Körper bleibt im Schwindel. Mein Mund ist staubtrocken. Wie gerne hätte ich jetzt das angebotene Glas Wasser. Will jemanden anrufen, der  mich abholen kann. Brauche eine gefühlte Ewigkeit, um das Handy zu bedienen, da ich immer wieder vergesse warum ich es in der Hand halte, wer die Personen im Telefonbuch sind und was ich sagen will. Dann klappt das doch und dann wird es insgesamt besser. Ich kann wieder stehen und laufen. Bin innerlich total verunsichert. Der nächste Klient ist fertig und geht. Sie fragt, ob es besser ist. Ich sage ja. Ist es ja auch, aber am liebsten wäre mir, sie würde noch irgendetwas tun. Tut sie aber nicht. Ich spreche mir laut Mut zu, versichere mich, dass nichts wirklich Schlimmes passieren kann und mache mich mit den Eiswürfeln in der Hand alleine auf den Weg nach Hause. Wieder alles im Griff haben.

Dann zwei Tage lang der Kampf mit der Erinnerung und den Symptomen. Denken sie bitte nicht an einen rosa Elefanten. Unlösbare Aufgabe. Die Tür ist auf und ich bekomme sie nicht wieder zu. Erhoffe mir Hilfe in der nächsten Stunde.

Und anstatt über diesen Schock auf allen Ebenen zu sprechen und über meinen Kampf der letzten zwei Tage, reibe ich ihr erst mal unter die Nase, was an ihrem Verhalten alles nicht hilfreich gewesen ist. Ich versuche die Frage zu klären, ob sie mit solch Situationen überhaupt umgehen kann. Ob sie Erfahrungen hat, entsprechende Ausbildungen. Ich muss über mich selbst lachen, wo ich das schreibe. Es ist mir auch echt peinlich. Ich bin in Not, ich will Hilfe und was mache ich, ich werte denn Anderen erst mal ab. Stelle seine Kompetenz in Frage. Gehe davon aus, dass er nicht dazu in der Lage ist zu geben, was ich brauche. Dahinter steckt wahnsinnige Angst zu Vertrauen. Es kommt mir vor, als würde ich die Beziehung testen. Natürlich hat sie mir keine befriedigende Antwort auf meine Fragen gegeben. Sie habe keine Zusatzausbildung, aber solche Situationen seien durchaus Bestandteil der Ausbildung. Ich wollte wohl hören – ja, es ist hier sicher – ja, ich habe die Kontrolle, wenn sie sie verlieren – ja, ich bin da, wenn sie mich brauchen – ja, ich werde sie nicht alleine lassen.

Auch wenn es mir peinlich ist, bin ich dankbar, dass ich so strampeln, ziehen und mich wehren darf. Das sie und ich das aushalten. Das ist für mich eine völlig neue Situation. Woanders habe ich noch nie so reagiert, mir erlaubt so zu sein.

Therapieprozesse

Nach dem Wachwerden (wenn man das wirklich wach nennen kann – ich bezweifle das).

Das ganze System ist in Aufruhr. Auf seine Art. Gelähmt und in Gedanken verfangen. Denken statt Fühlen. Die Gedankeninhalte zeigen trotzdem deutlich das Thema. Endlose Szenen in der Therapiesitzung.

Ich versuche zu erklären. Suche Worte für meinen kleinen Anteil. Suche Worte dafür, dass sie eine schlimme Erfahrung gemacht hat und Todesangst hat. Die Tür zu dieser Todesangst wurde aufgestoßen und hinterließ mich in Panik, Hyperventilation und Auflösung. Seit dem, es ist zwei Tage her, war ich nicht in der Lage diese Tür wieder zu schließen. Ich suche Worte, wie hilflos und überfordert ich damit bin. Ich suche Sicherheit. Kann mich dieser Rahmen hier halten? Kann ich mich weiter trauen? Bin ich sicher? Woher soll ich wissen, dass es hier sicher ist, wenn ich damit bisher in meinem Leben keine Erfahrungen gesammelt habe? Also versucht der Erwachsene das zu prüfen. Erfolglos oder eher ungenügend.

Beim Frühstück. Ich bekomme Herzklopfen, fange an zu schwitzen. Mir wird schlecht. Beuge mich übers Waschbecken, weil ich glaube, mich übergeben zu müssen. Fange hektisch an zu atmen und dann zu weinen. Meine Beine werden weich. Ich suche schnell meinen Stein, der mich in der Realität halten soll und lege mich hin. Dann ist es genauso schnell vorbei wie es gekommen ist.

Ich komme mit der Verarbeitung nicht hinterher. Oder doch?

Lass es los! Du musst es nicht mehr alleine machen. Da ist jetzt jemand.

Wenn du Sicherheit im Außen suchst, dann fehlt dir Vertrauen im Inneren. Spürst du in dir selbst Vertrauen, gegenüber allem was passiert, dann brauchst du keine Sicherheit im Außen. Dann ist es sicher aus dir selbst heraus.

Neues Verstehen von Symptomen

In der letzten Woche bin ich erneut in heftige Zustände gerutscht, die ich seit Tagen versuche zu benennen und zu sortieren.

Auf der körperlichen Ebene spürte ich ein starkes Brennen in den Beinmuskeln, Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und Gelenkschmerzen in den Hüftgelenken. Ich fühlte mich müde und kraftlos und jede Bewegung war unheimlich anstrengend.

Meine Wahrnehmung war stark verändert. Zeit existierte nicht mehr in der vertrauten Form von Vergangenheit, Jetzt und Zukunft. Es gab den aktuellen Moment, der sich unendlich und absolut ausdehnte. Es existierte keine Welt mehr, nur noch Ich. Und mein Ich fand keinen Bezugspunkt. Darin war ich haltlos, unverbunden und schrecklich verloren. Ein unglaublich schwer auszuhaltender Zustand, der sich über Stunden und Tage zog und in dem es keine Sprache gab, sich zu artikulieren. Ich fand keine Position in mir, die sagen und fühlen konnte, dass dies nur ein Moment ist, ein Zustand der ein Anfang und ein Ende hat.

Ich fühlte mich handlungsunfähig. Komplexe Tätigkeiten die mehrere planvolle Gedanken erforderten waren nicht möglich. Meine Körperkoordination war gestört. Ich war unendlich bedürftig, sehnte mich unaushaltbar nach Nähe, nach Kontakt, nach jemanden der da sein sollte und konnte doch diesen Kontakt nicht herstellen. Immer wieder stiegen Tränen auf.

Ich konnte diesen Empfindungen, dieser Ich-Verschiebung nicht ausweichen, nicht überbrücken, nicht ablenken. Ich war da drin und hatte keinen Einfluss.

Irgendwann potenzierte sich etwas, ich fing an zu zittern und Riesiges in mir stieg auf, was ich nicht mehr aushalten wollte. Ich fing an mich um Rückfallgedanken zu drehen. Wollte mich betrinken, aber richtig, so dass das mal ein Ende fand. Mir ist zum Glück meine Bedarfsmedikation eingefallen.

Nun habe ich wieder mehr Boden unter den Füßen und versuche zu verstehen, was da passiert ist. Mir kommt der Gedanke, dass es gar nichts mit Derealisations-, Depersonalisationserleben zu tun hat, wie bisher vermutet. Es ist viel wahrscheinlicher, ja eigentlich offensichtlich, dass ich in frühkindliches Erleben gerutscht bin. Da passt die Wahrnehmung vom Ich, von Zeit, von Raum, von Bewegungseinschränkung, Handlungseinschränkung. Da passt es, dass sobald ich in Kontakt mit jemandem komme, es sofort zu einer Verbesserung der Symptome kommt. Da passt, dass Daumennuckeln sich so haltend anfühlt.

Auslöser war, wenn ich es richtig erkenne, eine emotionale Notsituation die ich versuchte meiner Psychologin mitzuteilen. Ich konnte es schwer erzählen und hatte vor den letzten Artikel vorzulesen, weil dort alles stand was wichtig war. Ich hatte Hemmungen und sprach dies an, was dazu führte, dass auch meine Psychologin ihre allgemeinen Überlegungen mitteilte, ob das Lesen von Texten denn hier hilfreich sei. Sie ahnte da nicht, dass es für mich der einzige Weg war, der nun gefühlsmäßig durch ihre Bedenken abgeschnitten wurde. In mir war das der Weltuntergang. Ich wurde alleine mit mir gelassen. Ich erfuhr keine Hilfe, wo ich Hilfe suchte. Eine sehr unglückliche Situation.

Ich verstehe jetzt auch, warum ich dann in dem folgenden Zustand selbst keinen Kontakt mehr zu irgendjemandem herstellen konnte. Ich hätte es nicht noch mal ertragen, wenn ein „Nein“ gekommen wäre. Die Gefahr war zu groß, erneut vernichtet zu werden. So war das Einigeln auch ein Selbstschutz. Ein Selbstschutz unter dem ich sehr leide.

Aber mit diesem Verstehen, welches vorher noch nie so klar war, sehe ich Möglichkeiten die vielleicht in solchen Situationen helfen könnten. Auch weil ich erkennen kann, das ich nicht schuld bin, das ich keine Kontrolle habe und dass da tatsächlich jemand Hilfe braucht. Meinen Bekannten- und Freundeskreis möchte ich davon frei halten. Da gehört es nicht hin. Es ist zu schwerwiegend und macht nur andere hilflos und unsicher.

Aber ich könnte meine Psychiaterin fragen, ob ich mich in der akuten Situation in ihrer Praxis aufhalten könnte. Da gibt es auch eine Liege. Oder ich könnte mal beim Krisendienst nachfragen, ob es auch dort die Möglichkeit gäbe sich aufzuhalten. Und im Hintergrund läuft noch ungenutzt die Integrierte Versorgung, sowas wie eine psychiatrische Hauskrankenpflege. Vielleicht wäre es auch dort möglich, im Notfall jemanden vorbei kommen zu lassen. Einfach nur die Möglichkeit, dass dann jemand da wäre und wenn es für mich möglich ist, auch verbal in Kontakt zu treten, wäre unglaublich hilfreich, um wieder herauszufinden. Ich spüre ein Hadern, das in Angriff zu nehmen. Hach, es ist so schwer, sich so vor anderen zu zeigen. Schwachsein zu zeigen. Zuzugeben, dass man manchmal wie ein kleines Kind ist.

Fragmente

Fragmente der letzten Tage. Nur wenig, obwohl unglaublich große Bewegungen stattfinden. Doch ich lande in der Sprachlosigkeit. Sprache existiert nicht mehr. Innere Kinder schreien und weinen.

Verletzt sein, wie ein langer, tiefer Schnitt vom Herzen bis zum Bauch.

Zusammenrollen – am Daumen lutschen.

Verlangsamte Bewegungen bis innerer Stillstand.

Warten. Unendlich lange Augenblicke die nicht vergehen.

Erinnerung: „Wenn ich dein Gesicht schon sehe. Zieh nicht so ne Flappe.“ Angewidert, voller Ekel und sich dann abwenden. Aua.

Therapeutin: „Ich sehe die kleine … so schwer.“

Sie sieht mich nicht! Ich kann mich nicht zeigen, wenn sie mich nicht sieht. (verzweifelt)

Sie kann mich nicht sehen, wenn ich mich nicht zeige. Was für eine unglaublich traurige, ausweglose Situation.

Ein Blick hinter die „Ich habe alles im Griff – Fassade“

Nach einer Therapiestunde, ich der ich meinen Unmut darüber äußerte, dass ich gehemmt bin bestimmte Dinge zu erzählen, weil ich davon ausgehe, dass sie sie mir sowieso nicht glaubt. Rückfrage dazu: „Das ich die Gefühle nicht glaube oder die Deutung dazu?“ Ich komme ins Schleudern, erkläre irgendwas. Von ihr kommt keine weitere Reaktion, nur zuhören. Ich verlasse die Stunde mit dem Gefühl falsch erklärt zu haben oder selbst nicht zu wissen was ich eigentlich sagen wollte. Ich war sehr unzufrieden. Am Tag später wurde etwas konkreter:

Wie können sie nur! Dass sie mich so hängen lassen, so im Stich lassen, so alleine lassen! Ich habe darauf gewartet, dass sie auf meine Ängste und Befürchtungen reagieren. Aber sie haben mich damit stehen lassen, mich damit noch unsicherer gemacht. Darüber, ob sie mir glauben, ob sie mich ernst nehmen, ob sie mich sehen.

Der folgende Tag. Ich fühle mich furchtbar nichtig. Ich kann sehen, wie ich mich in letzter Zeit in dem Gefühl besonders zu sein, gerettet habe. Mir wird auf unerträgliche Art und Weise klar, dass ich nichts besonderes bin, bloß weil ich all diese ekstatischen Gefühle, all die spirituellen Dinge erlebe, die Energien fühle und mit meinen Händen auch Energien der andern fühlen kann. Ich bin weder zu Außergewöhnlichem bestimmt, kann die Menschheit nicht heilen, bin absolut nicht perfekt und auf dem einzig, richtigen Weg. Und wenn das alles doch so sein sollte, so ist es bei jedem anderen Menschen auch so. Es gab keine Auserwählung. Ich kann nichts mit meinem Willen erreichen. Ich bin lediglich der Kanal. Peng! Das haut mich vom Hocker. Ich bin ganz unten.

Dann bricht ein kindlich, emotionaler Teil wie eine Welle über mich herein. Ich weine bitterlich.

Ich fühle mich so hilflos und alleine. Alles muss ich alleine entscheiden und ich habe überhaupt keine Ahnung was richtig und falsch ist. Aber ich tu die ganze Zeit so, als wüsste ich das und niemand anderes dürfte mir das sagen.

Jeder Unterstützungsversuch will abgeschmettert werden.

Ich kann das alleine! Aber jeder Unterstützungsversuch macht mich auch unsicher, weil ich genau das bin, zutiefst unsicher. Ich wünsche mir so sehr jemanden der mich an die Hand nimmt, mit mir gemeinsam den Weg geht, mir den Weg zeigt. Ich fühle mich so unendlich verloren und orientierungslos. Bitte helft mir. Warum hilft mir den keiner! Ich bin ganz alleine hier. Mir ist das alles zu viel.

Ich wünschte, sie wären jetzt hier, damit ich sie um Hilfe bitten kann. Ich will nicht mehr stark sein. Ich will nicht mehr auf alles eine Antwort wissen.

Heute Morgen. Ich wache auf und fühle mich hundeelend. Ich versuche meinen Gedanken nicht zu glauben, die mir erzählen wollen, dass dann alle großen Gefühle in der Vergangenheit ein Trugschluss waren, eine Illusion. Künstliche Gefühle, erzeugt durch meine eigene Erhebung. Nein, das will ich nicht glauben. Wenn ich das glaube, dann kommt die nächste depressive Welle (oder ist schon da?). Dann macht doch alles keinen Sinn mehr. Dann gibt es nichts das wahr ist und bleibt. Dann habe ich Lügen gefühlt und gedacht. Dann kann ich mir selbst nicht mehr vertrauen. Das kann nicht sein! Das darf nicht sein!

Ich verweigere seit einiger Zeit für mich die Sortierung nach gut und schlecht. Wenn mich jemand fragte, wie es mir geht, habe ich nicht mehr mit gut oder schlecht geantwortet, weil es mir falsch vorkam. Ich wollte keine Vorstellung beim Anderen erzeugen, die oberflächlich ist. Und ich wollte selbst nicht mehr leiden und auch anderen vermitteln, dass ich nicht mehr leide, egal wie es ist. Aber jetzt gerade muss ich zugeben, dass es mir nicht gut geht. Und ich wäre gerne nicht alleine damit. Ich wäre gerne bei jemanden, der daran nichts verändern will. Bei dem ich mich einfach schlecht fühlen darf. Der keine Tipps gibt, es nicht bereden will, der kein Mitleid hat. Der einfach offenherzig dabei ist.

Dieses gesehen werde wollen, verweigere ich mir unbewusst, in dem ich immer vermittle, dass ich schon mit allem zu recht komme. Komme ich ja auch, aber trotzdem verweigere ich dadurch anderen den Blick auf meine Gesamtheit. Ich fürchte mich vor den üblichen Reaktionen, wenn ich erzähle was sich nicht gut anfühlt.

Ich richte mich auf einen „Zu nichts in der Lage sein – Tag“ ein. So ist es dann auch. Ich kann kaum laufen. Meine Muskeln schmerzen. Ich bin unglaublich müde. Über Stunden liege ich auf der Couch und es plagen mich Phantasien, in denen ich versuche mich zu offenbaren, Schwäche zu zeigen, Not zu zeigen. Gegenüber der Ergotherapeutin, gegenüber meiner Therapeutin. Es kommt nie zu einem guten Abschluss. Immer wieder muss ich dabei weinen, weil ich mich so sehr danach sehne. Weil ich es jetzt brauche und niemand da ist. Ich stelle mir vor, wie ich mich selbst mir gegenüber verhalten würde. Ich würde mich fragen: „Soll ich bei dir bleiben?“ Ich würde mir irgendwie eine Berührung anbieten, obwohl ich nicht wüsste mit welchen Worten, um mich nicht zu irritieren und zurückschrecken zu lassen. Bei dieser ersten Berührung, wenn ich sie zulassen kann, sehe ich wie alle Barrieren brechen, ich mich sehnsüchtig in eine volle Berührung öffne. Gehalten werden suche und alles loslasse, alle Einsamkeit heraus weine.

Ich überlege, ob ich darum bitten soll, den Therapietermin von Dienstag auf Montag vorzuziehen. Eine unglaubliche Idee. Ich werde nur bei der Vorstellung nervös. Ist das nötig? Brauche ich das? Morgen ist es eh wieder anders und du wirst dich dann schämen, darum gebeten zu haben. Ich fühle aber auch die Not. Es ist ein Ringen. Als ich mich dem soweit angenähert habe, dass ich den Text aufgeschrieben habe, denn ich aufs Band sprechen will (ich wäre nie in der Lage frei zu sprechen) und den Hörer in die Hand nehme, kommt die Panik in mir zum Höhepunkt. Mein Herz rast, ich zittere und schwitze. Mein Verstand überschlägt sich mit Argumenten dagegen. In mir schreit es: Nein, nein, tu das nicht! Sie wird nein sagen! Dieses befürchtete „Nein“ fühlt sich vernichtend an. Ich lasse all dieses Fühlen zu und wähle trotzdem die Nummer. Ich will es für mich tun. Geschafft!

So, die Phantasien haben aufgehört. Ich blende aber auch die Ergebnismöglichkeiten meines Anrufes aus. Jetzt bin ich nur noch wie gelähmt, müde und voller körperlicher Schmerzen. Die weiteren Stunden treibe ich musikhörend in irgendwelchen Zwischenwelten, nicht schlafend, nicht wach sein. Bis ich mich doch tatsächlich bis zum PC vorkämpfen kann, um mich auch dem www zu offenbaren. 🙂