Warten

Ich freue mich gerade jeden Tag beim Blick in den Briefkasten und keinem Brief der Krankenkasse drin.

Sonst kam innerhalb von 4 Tagen immer ein ablehnender Bescheid.

Diesmal nicht.

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Klopfen und etwas herausfinden

Die letzten Wochen bin ich tageweise teils wieder in heftige Selbstwertkrisen und Selbsthassgefühle gerutscht.

Etwas enttäuschend, da ich doch dachte, diese Tiefe damit überwunden zu haben.

Auslöser gab es zahlreiche. Mir war nicht richtig klar, was sich wie auswirkte. So war das viel irgendwie aushalten, ohne Gefühl für Anfang und Ende.

Heute ein kleiner Lichtblick, als ich das Gefühl von Ausweglosigkeit etwas genauer greifen konnte und damit anfing zu klopfen.

Ich landete ziemlich schnell bei der Krankenkasse und ihre ablehnende Haltung zur Therapie über Kostenerstattung.

Klopfnotizen:

Es fühlt sich ganz schlimm an von der TK abhängig zu sein/ von ihrer Entscheidung darüber, was mir zusteht und was nicht/ ohnmächtig und ausgeliefert/ das macht mich auch wütend, dass jemand anderes entscheidet, was mir gut tut oder nicht/ ein Mächteverhältnis – wie die Autorität des Vaters, der ich mich zu unterwerfen hatte/ da kann ich etwas verstehen, warum mein Selbstwert total einknickt, bei jedem ablehnenden Brief/ das ist die alte Botschaft von: meine Bedürfnisse sind unwichtig – was ich denke zählt nicht – was ich für gut halte interessiert keinen – ‚Ich‘ existiert nicht – ich bin bedeutungslos und wertlos/ ich bin bei dir, gerade weil du dich so fühlst/ für mich bist du auch so einzigartig und wundervoll/ ich liebe dich von ganzem Herzen, auch wenn du dich so fühlst

So reagiere ich auf die Krankenkasse, wie auf meinen Vater damals. Ohne zu klopfen, wäre mir das nicht klar geworden. Nun haben meine Gefühle einen Grund und damit Anfang und Ende. 🙂

Therapiesuche Update

Audio an Freunde vor dem Gespräch:

Termin hinter mich gebracht. Am Ende dort auf dem Klo eine Weile geweint, weil sich so wertlos gefühlt wurde. Liebevolles Halten meinerseits und ein Angebot es anders zu fühlen.

Jetzt geht es einigermaßen.

Die Entscheidung meines Bauches ist eindeutig. Mein Verstand kreuzt noch ständig dazwischen.

Ich werde in Widerspruch gehen.

Etwas gehen lassen, um etwas zu bekommen

Oh Herr, ich gebe dir die Zügel in die Hand, auch wenn es schmerzt loszulassen.

Zeige mir den rechten Weg, mit dem es mir gut gehen kann, auch wenn es erstmal bedeutet, etwas scheinbar zu verlieren.

Am Ende gewinne ich doch.

Was bringt mir ein Ungleichgewicht, unter dem ich leide.

Ich bin bereit meinen Willen loszulassen und alles zu tun, damit es mir gut gehen kann. Ich erlaube den Schmerz und die Tränen, die dieses Loslassen mit sich bringen.

Ich kann nicht alles machen, auch wenn Jedes für sich gut ist.

Das ist die Erkenntnis nach Cranio-Sitzung gestern.

Mir fehlt dann die Kraft, um noch Gutes zu tun und zu fühlen und damit wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

So wie schon letztes Jahr, gleichzeitig Therapie und Training in der Holzwerkstatt in einer Woche zu viel war, so ist auch jetzt Ergo-Körperarbeit und Therapiesuche in einer Woche zu viel.

Ich bekomme dann nicht mehr alles unter einen Hut – aufkommende Gefühle, deren Ausdruck, Verarbeitung und Versorgung, Ausruhen, positive Dinge tun, Sport und Pflichten des Alltags, wie Haushalt, Einkauf und Essen.

Hinderlich war die Aussage „sie schaffen das schon“, als ich Bedenken bezüglich der Therapiesuche äußerte. Gehört habe ich „ich muss das schaffen“.

Genau so habe ich mich verhalten. Ich muss das schaffen. Es darf mir jetzt nicht schlecht gehen. Antreiben.

Ergebnis

Ein herausfordernder Termin pro Woche ist gut machbar.

Alles weitere bringt mich an Leistungsgrenzen und verstärkt depressive und destruktive Zustände.

D.h. für nächste Woche, dass ich für den ersten Termin – Ausflug zu einem Pferdehof – um Unterstützung bitten darf („darf ich mich etwas hinter Ihnen verstecken und Sie übernehmen die Führung?“ – oh fällt mir das schwer, dass zu zeigen),

damit ich dann für den zweiten Termin – therapeutisches Abklärungsgespräch über die Sprechstunde der KV – noch genügend Kraft habe.

Es fühlt sich gut an, wieder Orientierung in dem zu haben was ich brauche!

Die goldene Kartoffel in der Therapiesuche

13:30 Uhr stehe ich das zweite Mal auf. Es fällt unglaublich schwer. Doch die Stimmung wird im Bett, trotz mehrerer Angebote die Dinge auch anders sehen zu können, nicht besser.

Es war das Vorgespräch gestern. Eine Therapie, leider ohne Kassensitz, sondern über Kostenerstattungverfahren, mit der Aussage, dass seit der Reform 2016 nur noch schwer bewilligt wird.

Meine Mundwinkel schleifen am Boden. Meine Aussichten sind trübsinnig und haben den Hang zum endgültigem Das-wird-nichts-mehr – Nie-wieder – Aus-und-vorbei.

Die erste Therapeutin, zu der ich ein Ja spüre, fachlich und persönlich.

Seit 2 Jahren Überlegungen,

14 Versuche aktiver Suche per Telefon oder Mail und

davon 7 Vorgespräche. Was allerdings ne echt gute Quote ist.

Diese Karte half mir eine Perspektive von oben einzunehmen und anders zu schauen. ❤

Ich fühle mich wie auf einem sehr großem Acker, mit so einem Pflug, den ich mit der Hand mühsam voranschiebe (nein, kein Ochse dazu 😉 ), durch die Erde drücke, immer nur ein paar Meter, dann sehr lange verschnaufen muss, um irgendwo noch eine übrig gebliebene Kartoffel von der Ernte zu finden, die ich essen kann.

Vor dem Termin gestern, wusste ich nicht einmal, ob es überhaupt noch essbare Kartoffeln gibt, in diesem großen Acker. Ich hatte nur Faulige gefunden.

Dann gestern, welch ein Wunder, da liegt sie in meiner Hand. Ich fast zu misstrauisch, um zu bemerken, dass diese Kartoffel wirklich essbar ist. Erst heute befühle ich sie, bewundere sie, schaue sie in meiner Erinnerung von gestern an. Reibe die Erde von der Schale. Rieche an ihr.

Und fühle statt Freude Schmerz.

Da liegt sie in meiner Hand und es ist ungewiss, mit Tendenz zu möglich, dass jemand zu mir auf das Feld gelaufen kommt und mir die Kartoffel wieder weg nimmt.

Ich weiß nicht, wie ich das verkraften soll. Wahrscheinlich werde ich bitterlich weinen.

Da gibt es da die Denkrichtung – dann ist alles vorbei, sie ist die Einzige, es gibt keine weitere mehr und damit macht es auch keinen Sinn mehr zu suchen. Was synonym geht mit – ich werde sterben.

Dann überlege ich – wieso gehe ich davon aus, dass es auf diesem großen Feld nur eine einzige noch essbare Kartoffel gibt? Es gibt vielleicht wirklich nicht viele, aber bestimmt auch nicht nur eine. Und da ich jetzt sogar den Beweis dafür habe, dass es sie gibt, was ich bei meiner Suche vorher gar nicht wusste, macht es doch erst recht Sinn weiterzusuchen. Da entsteht Freude und Motivation.

Zwischen diesen beiden Polen schwankt meine Stimmung, hoch und runter. Aussichtslosigkeit und Zuversicht.

Ich schlug mir dann auch noch vor, traurig zu sein, wenn ich denn wirklich weiß, dass es nicht bezahlt wird. Im Augenblick ist noch alles offen. Das ist schwierig. Ich bin einfach jetzt schon traurig.

Und trotzdem möchte ich, dass heute auch ein guter Tag wird, ein Tag, an dem auch gute Dinge passieren dürfen.

Hier geht es wohl wieder um Beides. Schwer sein dürfen und sich trotzdem für Leichtigkeit öffnen. Trauern und weinen dürfen und trotzdem aktiv werden, mit der Trauer an der Hand und dem Schönem ebenso Platz gewähren.

Tagebuchnotizen 11.11.-13.11.17

11.11.     Wie eine Therapeutin sein müsste: viel Erfahrung + Ahnung von Trauma und Körperarbeit + großes Herz und Offenheit

Meine Gedanken leiden unter der Vorstellung, dass mir keine Liebe widerfährt, dabei erlebe ich sie jeden Tag. Sich nicht geliebt zu fühlen erzeugt ein riesengroßes Leid und Elend sein. Ich verstehe sie, die Gedanken, zeuge der Vergangenheit. Mir war gar nicht klar, wie schlimm sich das anfühlt, wenn einen keiner liebt. Wie ein Supergau auf geistiger/emotionaler Ebene.

Ich vermisse sie echt arg.

Ich habe das Gefühl, ich kann ohne diese Zuwendung gar nicht leben. Ich verstehe nicht, warum ich mich so fühle. Daran sind Gedanken geknüpft, nicht mehr leben zu wollen. Extreme Gefühlslage.

Krisentelefonat: Zuwendung zu brauchen ist ok, ist menschlich. Zu sehr darauf zu verzichten ist nicht gut. Sehr streng mit mir. Es alleine schaffen zu müssen. Vertretung ist dafür da, um Zuwendung zu geben. Kann dafür genutzt werden. Freundeskreis? Auf andere zugehen. Mich mehr zeigen. Wie kann Zuwendung im Freundeskreis ausgebaut werden? Ich darf es mir erlauben. War dabei in Muster zu rutschen, es mir zu verbieten.

Es wäre schön, wenn ich einen Freundeskreis hätte, der mich ebenso auffangen könnte, wie es das Betreute Wohnen tut. (Vorher noch nie diesen Gedanken gedacht)

12.11.    Erst habe ich nur Hass wahrgenommen, als Druck, Dichte am Hinterkopf links. Dann Hass auf alles und jeden. Daraus wurde Hass auf jemanden, mit Glaubenssatz, dass das ganz schlimm sei, jemanden zu hassen und deshalb nicht liebenswert und verurteilt und große Angst vor dieser Empfindung. Es konnte kaum geglaubt werden, dass es ok ist so zu fühlen. Es gab kaum Zugang dazu, dass es Gründe gibt/gab, die dieses Gefühl ausgelöst haben. Dann wurde Hass auf die Ergo-Frau wahrgenommen, auf eine ausgebremste Art. Als ich nochmal einladend sagte, dass es einen Grund gibt für dieses Gefühl, es damit berechtigt ist, taucht ganz kurz heftiger emotionaler Schmerz auf. Da war mir klar, der Hass versucht die Person, die Ergo-Frau wegzustoßen, damit sie keine Gelegenheit hat, dieser Schmerz erneut auszulösen.

Sie wird auch zukünftig eher rational auf meine emotionale Seite reagieren, also ist weiterer Schmerz sehr wahrscheinlich. Das macht es nachvollziehbar, warum ich mich dort nicht mehr öffnen kann, kein Vertrauen fühle, aufgehoben zu sein. Und ich kann das nicht trennen, nur für den praktischen, tagesstrukturierenden Aspekt dorthin gehen und den emotionalen, Beziehungsaspekt außen vor lassen.

Dann werde ich mich wohl verabschieden.

13.11.    Im Moment sieht es so aus, dass ich die Ergotherapie beenden werden, weil ich den Beziehungskonflikt nicht gelöst bekomme.

Therapie, weil ich gesehen werden will?

Ich sehne mich auf der Beziehungsebene so sehr nach dem gesehen werden. Das ist wie ne Sucht.

Ein paar Wochen ohne Raum nur für mich und ich fühle mich einsam und noch irgendwas unangenehmes.

Rechtfertigen tu ich meinen Wunsch nach therapeutischen,  haltendem Rahmen mit, es ist noch nicht alles gesehen worden.

Wieder ausschlagen tu ich mir diesen Wunsch, diese Sehnsucht mit dem Argument, dass ich lernen will (muss) mich selbst zu halten, mich selbst zu sehen. Und das es nicht richtig ist, zu versuchen diese Sehnsucht im Außen zu stillen.

Und trotzdem fehlt mir was. Ja was eigentlich? Nähe? Liebe? Und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll und ob es richtig ist, mich alleine darum zu kümmern.

Herr, bitte führe mich in dieser Frage. Ich bin bereit Unterstützung anzunehmen, wie sie gebraucht wird und zu welcher Zeit sie gebraucht wird, um in meinem Herzen Frieden zu finden. Danke!