Etwas gehen lassen, um etwas zu bekommen

Oh Herr, ich gebe dir die Zügel in die Hand, auch wenn es schmerzt loszulassen.

Zeige mir den rechten Weg, mit dem es mir gut gehen kann, auch wenn es erstmal bedeutet, etwas scheinbar zu verlieren.

Am Ende gewinne ich doch.

Was bringt mir ein Ungleichgewicht, unter dem ich leide.

Ich bin bereit meinen Willen loszulassen und alles zu tun, damit es mir gut gehen kann. Ich erlaube den Schmerz und die Tränen, die dieses Loslassen mit sich bringen.

Ich kann nicht alles machen, auch wenn Jedes für sich gut ist.

Das ist die Erkenntnis nach Cranio-Sitzung gestern.

Mir fehlt dann die Kraft, um noch Gutes zu tun und zu fühlen und damit wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

So wie schon letztes Jahr, gleichzeitig Therapie und Training in der Holzwerkstatt in einer Woche zu viel war, so ist auch jetzt Ergo-Körperarbeit und Therapiesuche in einer Woche zu viel.

Ich bekomme dann nicht mehr alles unter einen Hut – aufkommende Gefühle, deren Ausdruck, Verarbeitung und Versorgung, Ausruhen, positive Dinge tun, Sport und Pflichten des Alltags, wie Haushalt, Einkauf und Essen.

Hinderlich war die Aussage „sie schaffen das schon“, als ich Bedenken bezüglich der Therapiesuche äußerte. Gehört habe ich „ich muss das schaffen“.

Genau so habe ich mich verhalten. Ich muss das schaffen. Es darf mir jetzt nicht schlecht gehen. Antreiben.

Ergebnis

Ein herausfordernder Termin pro Woche ist gut machbar.

Alles weitere bringt mich an Leistungsgrenzen und verstärkt depressive und destruktive Zustände.

D.h. für nächste Woche, dass ich für den ersten Termin – Ausflug zu einem Pferdehof – um Unterstützung bitten darf („darf ich mich etwas hinter Ihnen verstecken und Sie übernehmen die Führung?“ – oh fällt mir das schwer, dass zu zeigen),

damit ich dann für den zweiten Termin – therapeutisches Abklärungsgespräch über die Sprechstunde der KV – noch genügend Kraft habe.

Es fühlt sich gut an, wieder Orientierung in dem zu haben was ich brauche!

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Die goldene Kartoffel in der Therapiesuche

13:30 Uhr stehe ich das zweite Mal auf. Es fällt unglaublich schwer. Doch die Stimmung wird im Bett, trotz mehrerer Angebote die Dinge auch anders sehen zu können, nicht besser.

Es war das Vorgespräch gestern. Eine Therapie, leider ohne Kassensitz, sondern über Kostenerstattungverfahren, mit der Aussage, dass seit der Reform 2016 nur noch schwer bewilligt wird.

Meine Mundwinkel schleifen am Boden. Meine Aussichten sind trübsinnig und haben den Hang zum endgültigem Das-wird-nichts-mehr – Nie-wieder – Aus-und-vorbei.

Die erste Therapeutin, zu der ich ein Ja spüre, fachlich und persönlich.

Seit 2 Jahren Überlegungen,

14 Versuche aktiver Suche per Telefon oder Mail und

davon 7 Vorgespräche. Was allerdings ne echt gute Quote ist.

Diese Karte half mir eine Perspektive von oben einzunehmen und anders zu schauen. ❤

Ich fühle mich wie auf einem sehr großem Acker, mit so einem Pflug, den ich mit der Hand mühsam voranschiebe (nein, kein Ochse dazu 😉 ), durch die Erde drücke, immer nur ein paar Meter, dann sehr lange verschnaufen muss, um irgendwo noch eine übrig gebliebene Kartoffel von der Ernte zu finden, die ich essen kann.

Vor dem Termin gestern, wusste ich nicht einmal, ob es überhaupt noch essbare Kartoffeln gibt, in diesem großen Acker. Ich hatte nur Faulige gefunden.

Dann gestern, welch ein Wunder, da liegt sie in meiner Hand. Ich fast zu misstrauisch, um zu bemerken, dass diese Kartoffel wirklich essbar ist. Erst heute befühle ich sie, bewundere sie, schaue sie in meiner Erinnerung von gestern an. Reibe die Erde von der Schale. Rieche an ihr.

Und fühle statt Freude Schmerz.

Da liegt sie in meiner Hand und es ist ungewiss, mit Tendenz zu möglich, dass jemand zu mir auf das Feld gelaufen kommt und mir die Kartoffel wieder weg nimmt.

Ich weiß nicht, wie ich das verkraften soll. Wahrscheinlich werde ich bitterlich weinen.

Da gibt es da die Denkrichtung – dann ist alles vorbei, sie ist die Einzige, es gibt keine weitere mehr und damit macht es auch keinen Sinn mehr zu suchen. Was synonym geht mit – ich werde sterben.

Dann überlege ich – wieso gehe ich davon aus, dass es auf diesem großen Feld nur eine einzige noch essbare Kartoffel gibt? Es gibt vielleicht wirklich nicht viele, aber bestimmt auch nicht nur eine. Und da ich jetzt sogar den Beweis dafür habe, dass es sie gibt, was ich bei meiner Suche vorher gar nicht wusste, macht es doch erst recht Sinn weiterzusuchen. Da entsteht Freude und Motivation.

Zwischen diesen beiden Polen schwankt meine Stimmung, hoch und runter. Aussichtslosigkeit und Zuversicht.

Ich schlug mir dann auch noch vor, traurig zu sein, wenn ich denn wirklich weiß, dass es nicht bezahlt wird. Im Augenblick ist noch alles offen. Das ist schwierig. Ich bin einfach jetzt schon traurig.

Und trotzdem möchte ich, dass heute auch ein guter Tag wird, ein Tag, an dem auch gute Dinge passieren dürfen.

Hier geht es wohl wieder um Beides. Schwer sein dürfen und sich trotzdem für Leichtigkeit öffnen. Trauern und weinen dürfen und trotzdem aktiv werden, mit der Trauer an der Hand und dem Schönem ebenso Platz gewähren.

Tagebuchnotizen 11.11.-13.11.17

11.11.     Wie eine Therapeutin sein müsste: viel Erfahrung + Ahnung von Trauma und Körperarbeit + großes Herz und Offenheit

Meine Gedanken leiden unter der Vorstellung, dass mir keine Liebe widerfährt, dabei erlebe ich sie jeden Tag. Sich nicht geliebt zu fühlen erzeugt ein riesengroßes Leid und Elend sein. Ich verstehe sie, die Gedanken, zeuge der Vergangenheit. Mir war gar nicht klar, wie schlimm sich das anfühlt, wenn einen keiner liebt. Wie ein Supergau auf geistiger/emotionaler Ebene.

Ich vermisse sie echt arg.

Ich habe das Gefühl, ich kann ohne diese Zuwendung gar nicht leben. Ich verstehe nicht, warum ich mich so fühle. Daran sind Gedanken geknüpft, nicht mehr leben zu wollen. Extreme Gefühlslage.

Krisentelefonat: Zuwendung zu brauchen ist ok, ist menschlich. Zu sehr darauf zu verzichten ist nicht gut. Sehr streng mit mir. Es alleine schaffen zu müssen. Vertretung ist dafür da, um Zuwendung zu geben. Kann dafür genutzt werden. Freundeskreis? Auf andere zugehen. Mich mehr zeigen. Wie kann Zuwendung im Freundeskreis ausgebaut werden? Ich darf es mir erlauben. War dabei in Muster zu rutschen, es mir zu verbieten.

Es wäre schön, wenn ich einen Freundeskreis hätte, der mich ebenso auffangen könnte, wie es das Betreute Wohnen tut. (Vorher noch nie diesen Gedanken gedacht)

12.11.    Erst habe ich nur Hass wahrgenommen, als Druck, Dichte am Hinterkopf links. Dann Hass auf alles und jeden. Daraus wurde Hass auf jemanden, mit Glaubenssatz, dass das ganz schlimm sei, jemanden zu hassen und deshalb nicht liebenswert und verurteilt und große Angst vor dieser Empfindung. Es konnte kaum geglaubt werden, dass es ok ist so zu fühlen. Es gab kaum Zugang dazu, dass es Gründe gibt/gab, die dieses Gefühl ausgelöst haben. Dann wurde Hass auf die Ergo-Frau wahrgenommen, auf eine ausgebremste Art. Als ich nochmal einladend sagte, dass es einen Grund gibt für dieses Gefühl, es damit berechtigt ist, taucht ganz kurz heftiger emotionaler Schmerz auf. Da war mir klar, der Hass versucht die Person, die Ergo-Frau wegzustoßen, damit sie keine Gelegenheit hat, dieser Schmerz erneut auszulösen.

Sie wird auch zukünftig eher rational auf meine emotionale Seite reagieren, also ist weiterer Schmerz sehr wahrscheinlich. Das macht es nachvollziehbar, warum ich mich dort nicht mehr öffnen kann, kein Vertrauen fühle, aufgehoben zu sein. Und ich kann das nicht trennen, nur für den praktischen, tagesstrukturierenden Aspekt dorthin gehen und den emotionalen, Beziehungsaspekt außen vor lassen.

Dann werde ich mich wohl verabschieden.

13.11.    Im Moment sieht es so aus, dass ich die Ergotherapie beenden werden, weil ich den Beziehungskonflikt nicht gelöst bekomme.

Therapie, weil ich gesehen werden will?

Ich sehne mich auf der Beziehungsebene so sehr nach dem gesehen werden. Das ist wie ne Sucht.

Ein paar Wochen ohne Raum nur für mich und ich fühle mich einsam und noch irgendwas unangenehmes.

Rechtfertigen tu ich meinen Wunsch nach therapeutischen,  haltendem Rahmen mit, es ist noch nicht alles gesehen worden.

Wieder ausschlagen tu ich mir diesen Wunsch, diese Sehnsucht mit dem Argument, dass ich lernen will (muss) mich selbst zu halten, mich selbst zu sehen. Und das es nicht richtig ist, zu versuchen diese Sehnsucht im Außen zu stillen.

Und trotzdem fehlt mir was. Ja was eigentlich? Nähe? Liebe? Und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll und ob es richtig ist, mich alleine darum zu kümmern.

Herr, bitte führe mich in dieser Frage. Ich bin bereit Unterstützung anzunehmen, wie sie gebraucht wird und zu welcher Zeit sie gebraucht wird, um in meinem Herzen Frieden zu finden. Danke!

Alltags-Ausschnitt

Hab mir gerade nen Tee gemacht. Ist mir schwer gefallen. Lust auf Kaffee. Doch will ne Kaffeepause machen, vielleicht zwei Wochen. Hat mir in letzter Zeit nicht mehr gut getan, mich irgendwie schwer gemacht, obwohl es nur 1-2 milde Tassen waren am Tag.

Müde. Die angehobenen Medis nicht mehr nur abends, sondern auch morgens. 10 Uhr nehm ich sie, dann frühstücken und dann machen sie mich müde und ich kann die Augen kaum mehr aufhalten und nicht mehr richtig geradeaus denken. Also schlafe ich seit dem, seit ca. 3 Wochen regelmäßig ne Stunde nach dem Frühstück und komme schwer wieder hoch. Jetzt schon besser, da die Dosis morgens schon halbiert wurde.

Ich bin da mit den Mengen noch nicht sicher. Was hilft? Was ist zu viel? Was werde ich in Kauf nehmen, um Stabilisierung zu spüren? Das lässt sich erst besser einschätzen, über die Zeit mit herausfordernden Situationen, an denen ich dann vorher-nachher vergleichen kann.

Z.B. Holzwerkstatt, Zuverdienstprojekt. Nur die liegt seit dem letzten Knick nach unten still. Schon 3 Monate. Ich war nun so weit, mich wieder anzunähern, da ist der Anleiter im Urlaub und ich erfahre, dass die Einrichtung aus dem Gebäude raus muss, wohl bis Januar/Februar.

Also alles ungewiss. Wo sie dann sind. Ob das für mich gut zu erreichen ist. Und wie strapaziös sich die Veränderung der Umgebung erneut auf mich auswirkt.

Eine gute Veränderung gibt es, die ich auf die Medis schieben könnte, aber nicht sicher bin. Wie soll ich auch. Ich halte es aus, an der Malgruppe in der KBS (Kontakt- u. Beratungsstelle) teilzunehmen. Das ist neu. Das ging 2,5 Jahre nicht. Ich halte den männlichen Anleiter aus, vielleicht, weil ich durch die Medis weniger von ihm wahrnehme und mich dadurch weniger bedroht fühle und ich halte es aus, dass andere Menschen mich sehen, während ich etwas hervorbringe. Keine Abwertungsstimmen mehr. Ich darf mit meinem Ausdruck sein. Lediglich etwas Aufregung und Unsicherheit.

Und das tut mir gut, dieses Angebot nutzen zu können, weil es nicht-sprachlich ist und mir hilft, mich auf den Moment zu konzentrieren. Es ist auch eine Ressource, weil ich als Jugendliche gerne gemalt habe und auch ganz gut abmalen konnte. Und ich mag es, die Gemeinschaft zu spüren, wenn alle (5-8 Leute) still an ihrer Sache arbeiten. Es ist so ein friedliches Beisammensein – hach ja.

Die angefangene Therapie habe ich wieder beendet. Das was sie ausgelöst hat war heftig, ich gehe nicht auf Details ein, möchte nichts wachrufen, und trotzdem sehr lehrreich für mich. Ich weiß besser über mich Bescheid, wie ich ticke und wahrnehme. Das ist tiefer in mein Bewusstsein gerutscht und hilft mir im weiteren Umgang mit mir und Situationen.

Die Unterstützung durch das Betreute Wohnen, wird im Januar wechseln. Sie ist schwanger und geht dann in den Mutterschutz. Die Wiederholung meines Themas Trennung/Abschied/alt: zurückgelassen werden.

Ich bin bereit da durchzugehen und alles zu fühlen, was gefühlt werden will. Hat schon viel mit mir gemacht und fühlt sich wieder etwas anders an. Wieder ein Stück mehr vom Jetzt präsent. Unsere Verbindung bleibt bestehen, sie ist nicht weg, auch wenn sie nicht da ist. Allerdings kann ich mir noch niemand Neues vorstellen, spür da eher Anti-Haltung. Jetzt ist sie gerade krank und ich übe das alleine sein (ohne Betreuung sein), wie es sich anfühlt.

Hach ja, es ist wie so oft keine leichte Zeit, aber ich finde, dass ich mit meinen Stimmungen und Gefühlen doch erheblich besser umgehen kann.

Persönliches…

… aus meinem Tagebuch. Notizen im Laufe des Morgens.

Ich fühle mich in meinem eigenen Körper nicht in Sicherheit. Unter Menschen oder in dieser Welt.

Ich hatte schon von Anfang an Angst vor ihrer direktiven Art.

Ich fühle mich von vielen Sachen, Erlebnissen, Erinnerungen, Gefühlen abgeschnitten, wenn da diese Angst ist (Schutz).

Ich lerne, Angst im Körper zu halten, dafür da zu sein. Den Körper zu behalten.

Etwas Zugang zu meinen Ressourcen, zu meiner Wirksamkeit gefunden. Ich kann mir helfen. Hatte vorher das Vertrauen verloren. 

In Sicherheit gebracht. Bild. Wiese. Bach. Blauer Himmel. Alles glasklar, hell und licht durchflutet. Glasklares Wasser. Glasklare Luft. Rein. Weite. Nichts anderes. Farbe Rosa.