Der Depression zuhören

Ich quäle mich seit Tagen mit dieser Düsternis in mir drin, die mir alle Energie abzieht und mich mit ihren hoffnungslosen, zerstörerischen Gedanken quält.

Und seit Tagen habe ich Angst davor, das zuzulassen, mich hinzugeben und hinzuhören.

Ein bekannter Kreislauf. Immer wieder die gleiche Angst, von der Dunkelheit verschlungen zu werden und nie wieder aufzutauchen.

Immer wenns etwas besser, heller wurde und ich aufatmete, schlug sie nur kurze Zeit später wieder mit aller Macht zu. Und ich habe es einfach nicht verstanden.

Zwangsweise kurze Begegnungen mit ihr, wenn ich nicht mehr gegen strampeln konnte, zum Beispiel gestern. Innere Bilder. Ein schwerer Kopf auf einer Tischplatte. Traurig, erschöpft, aufgegeben, mit den Worten: All die Ideen die ich hatte, sind nicht wahr, stimmen nicht. Was mache ich dann noch hier?

Später Bilder in der Aura: dynamisches Bewegung von Eiskristallen, von innen nach außen.

Verstanden hab ich es trotzdem nicht und besser wurde es auch nicht. Die Schwere blieb.

Meditation (BodyScan) und Reikibehandlungen konnten allerdings den Körper wieder gegenüberstellen, als spürbare Kraft.

Heute Morgen alles wie immer, Traurigkeit und Schwere.

Vorher ein Traum von einem Kampf gegen einen Dämon, der in einer Kutsche ein kleines Mädchen verfolgt. Ich zerschlage den Dämon mit einem Schwert immer wieder in Stücke. Doch er baut sich immer wieder neu auf. Bis er plötzlich sogar ein eigenes Schwert hat und sich anfängt zu wehren. Da bekomme ich richtig Angst und ergreife die Flucht.

Ich sehe darin sowas von eindeutig den Kampf gegen die Depression, die nur stärker wird, weil sie gehört werden will, anstatt bekämpft.

Ich traue mich nicht mehr zu klopfen, da erfahrungsgemäß zwar eine kurze Erleichterung auftaucht, doch dann alle schweren Gefühle an Tiefe den Tag über gewinnen. Das ist nicht der richtige Zugang.

Ich fange an im Bett zu beten und ins Tagebuch zu schreiben. Neue Strategie. Vorm forschenden Schreiben hatte ich mich aus Angst fern gehalten.

„Oh Herr, ich danke dir, das du bei mir bist und mir hilfst den richtigen Weg zu gehen, um dort (durch die Düsternis) hindurch zu gehen. Oh Herr, ich danke dir von ganzen Herzen, das du mir hilfst dieses Rätsel zu verstehen und im Vertrauen zu sein. Oh Herr, ich danke dir, dass du bei mir bist und mich an dieser Aufgabe wachsen lässt.“

Ich fühlte mich mutig genug und bereit hinzuschauen. Dann schrieb ich was kam.


Ein Klumpen aus:

  • Überzeugung falsch zu sein
  • wertlos
  • Traurigkeit
  • Schwere

Meine eigenen Glaubenssätze schnüren mir die Kehle zu, drehen mir den Energiehahn ab.

Immer noch eine Vorstellung gehabt, gesund und heil zu werden, anstatt damit zu leben, die Beschädigung zu sehen und anzuerkennen.

Die Erkenntnis hat mir die Beine weggerissen. (Aussage der Therapeutin, dass es kein zurück zu einem Zustand gibt, vor der/den Verletzung/en)

Beschädigt sein, beschädigt bleiben. Und damit auch wertlos, unbrauchbar. Wer will mich so schon haben, wo ich so vieles nicht kann. Da ist die Trauer, das Aufgeben, die Aussichtslosigkeit.

Weitere Themen des Klumpen in mir drin:

  • beschädigt
  • aussichtslos
  • aufgeben

Immer ist da dieser Schaden, so dominant in allem was ich tu. Ich muss erklären. Ich trage es mit mir herum. Die Menschen fragen.

Immer brauche ich es anders. Weniger von allem. Oder es geht gar nicht, weil zu lang, zu viel, zu voll, zu fremd, zu überfordernd, zu destabilisierend, zu laut, zu kalt, zu heiß, körperlich zu anstrengend, zu weit weg oder auch zu teuer.

Ich bin ständig dabei Dinge nicht tun oder nicht planen zu können.

Angst den Anschluss zu verlieren, alleine zu sein.

Und ich mag jetzt nichts hören, wie, sieh das doch mal so und so, sieh doch auch die guten Dinge!

Das habe ich getan und das tue ich. Natürlich bin ich für vieles dankbar und kann die kleinen Schätze meines Lebens sehen.

Doch jetzt ist die Zeit fürs Bedauern, anstatt die Strahlemaske, stark-sein-Maske hochzuhalten.

  • Bedauern.

Der letzte Punkt im großen Klumpen.


Schön zu sehen, wie dieses Prozess des Hinschauens, den Zustand weiterbewegt.

Es zeigt sich Verständnis und Mitgefühl. Aus den großen Gefühlen ist ein etwas kleineres Gefühl des Bedauerns geworden und eine innere Umarmung für all das.

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Ich brauche dich, ich brauch dich nicht

Auch wenn mein Herz voll ist von Trauer und Schmerzen und Wut, denke ich die ganze Zeit, dass es gut ist, dass ich alleine bin. Dass es mich weiter bringt. Sogar mehr, als wenn da jetzt jemand wäre. Es holt Gefühle ans Tageslicht, an die ich sonst nicht komme. Zu denen ich sonst keinen Kontakt bekommen könnte.

Ich denke an Worte wie ‚Transformation‘ und ‚kalter Entzug‘.

Habe ich mich noch drei Beiträge vorher dazu eingeladen neue Wege zu gehen, Wege auf denen ich niemanden mehr brauche. Auch dazu passen all die Gefühle.

Wenn ich von ‚brauchen‘ spreche, meine ich Abhängigkeit. Das es mir nur gut gehen kann, wenn da jemand ist.

Es ist also gut, dass das mit dem BEW gerade nicht so klappt. Es ist gut, dass gerade keine Therapie läuft. Und es ist vielleicht gut, dass mich eine Erkältung mit ihrer Schwäche dazu bringt Zeit mit mir zu verbringen.

Und gleichzeitig ist da enorm viel Angst und Zweifel, die das von der anderen Seite betrachten.

Es ist überhaupt nicht hilfreich in meinem eigenen Sumpf zu sitzen und zu schmoren. Es ist nicht hilfreich verletzlich und weinerlich durch die Welt zu laufen, nicht mehr belastbar zu sein. Es ist nicht hilfreich die Zeit nur noch mit mir zu verbringen. Es ist nicht hilfreich niemanden zum reden zu haben und alle großen Gefühle nur noch vor mir selbst zu erleben.

Es wäre gut, wenn noch ein Weilchen keiner da ist.

Es wäre gut, wenn bald jemand an meiner Seite wäre, der mich stärkt.

Ich will nicht alleine sein.                           

Ich will alleine sein. Alleine sein bringt mich mir näher und damit nach Hause.

Alleine sein bremst mich aus und erzeugt Handlungshemmnisse.

Ja nur für eine Zeit. Für genau die richtige Zeit. Für die Zeit, in der es besser ist nichts zu tun und mehr zu sein. Die Handlungen kommen wieder. Erinnere dich.

Auch wenn ich alleine bin? War da nicht immer einer, als das Handeln wieder anfing? Da war immer einer und dann konnte ich mich trauen.

Ja. Du hast recht. Handeln und Nicht-Handeln fanden immer statt, wenn da auch einer war. Wir wissen noch nicht wie es sein wird, wenn da keiner da ist. Das wissen wir nicht. Können wir noch nicht wissen, weil es noch nicht da war.

Ist das jetzt die Zeit? Ich habe Angst!

Ich weiß es nicht. Ich habe absolut keine Ahnung!

Der Impuls alles gehen zu lassen ist stärker, als an etwas festzuhalten. Im Augenblick ist das so. Ich weiß nicht wie es wird, wenn beide Personen im BEW nicht passen. Welcher Impuls dann da ist. Dranbleiben und wieder Kontakt mit der Geschäftsleitung aufnehmen oder loslassen. Das können wir nur abwarten, wenn es so weit ist.

Ich habe Angst!!!

Ja

Abschied der Begleitung im Betreuten Wohnen

Die Liebe festhalten.

Sie war heute nochmal hier. Zum verabschieden.

Die Liebe festhalten, die ich fühle. Konservieren, in einem Glas. Was für eine schöne Idee, bei Birke gelesen.

Die Liebe die mein Herz erfüllt, immer noch, nach dem sie gegangen ist.

Meine Fragen nach ihrer Schwangerschaft, die sie ganz offen beantwortet, sich auch mir anvertraut (wo sonst ich mich immer ihr anvertraue) mit den nicht so leichten Veränderungen. Weich werden, weinerlich, dünnhäutig, langsam. Deshalb das Arbeitsverbot.

Fühlt sich alles für mich richtig an und ihre Schwangerschaft öffnet bei mir das Herz und verbindet mich mit ihr, über das ungeborene Kind. Ich freu mich so sehr mit ihr und finde es fast schade, nicht weiter Teil sein zu können, wie dieses kleine neue Leben sich entwickelt und sie als nun Mutter an ganz neuen Herausforderungen wächst und Liebe schenkt.

Vielleicht ist es auch diese mütterliche Weichheit, die mein Herz mit wärmt.

Zum Abschied fühle ich mich ihr so nah, dass ich frage, ob wir uns umarmen wollen. Sie wollte es mir auch anbieten. Wie schön, diese Umarmung, so warm verbunden. Wie schön zu fühlen, dass ich sie gehen lassen kann und innerlich trotzdem bei ihr bleibe.

„Danke für diese Zeit“, sagt sie an der Tür. Ich staune. Bin ich doch der Mensch, der Klient, der betreut wurde, mit vielen anstrengenden Momenten. Und sie bedankt sich. Trotzdem. Das macht viel mit mir, zeigt es mir, dass sie wirklich bei mir war. Da trinke ich, aus diesem Brunnen der Zuneigung, lösche meinen Durst und möchte mich am liebsten nie mehr aufhören so zu fühlen.

Im Herzen gesehen. Im Herzen berührt. Von Herzen gewollt.

Diese Erfahrung konservieren, einprägen, sorgsam aufheben. Wichtig!

Keine Tränen danach, wie ich erwartet hatte. Traurigkeit in einem Teil, ja. Ja, Traurigkeit darf sein, mich in meiner Wohnung einmummeln darf sein, mich trösten darf sein.

Wie schön!

Rückblickend war es eine gute Zeit, eine gute Zusammenarbeit. Ihre Offenheit. Meine Offenheit. So konnten wir einiges ausprobieren. Nicht immer leicht, nicht immer fröhlich. Öfter genau das Gegenteil. Doch meist offen (und mutig).

Ich bin sehr dankbar für diese Begegnung.

Eine große Entwicklung, meiner Sehnsucht nach Nähe und Berührung näher zu kommen. Tröstendes Hand auf den Arm legen oder auf den Rücken. Oder meine Hand kurz halten und drücken. Mein Bein festhalten beim Zahnarzt. Sich neben mich stellen und meine ganze Körperseite mit ihrem Körper berühren, als ich das Gefühl hatte auseinanderzufallen, kein Selbstgefühl mehr zu haben. Das war alles neu und mutig es anzusprechen/auszuprobieren. Und es war sehr hilfreich, wie ich dabei herausfand.

Hilfreich, mich wieder zu spüren, ein Gefühl von Halt und Trost zu bekommen, ein runterfahren des Nervensystems. Ich war erstaunt und begeistert, wie sehr sich Berührungen auswirken und seit dem nimmt meine Offenheit zu, Berührungen zu geben und zu nehmen wenn es sich danach anfühlt.

Nun kommt etwas Neues. Ich weiß noch nicht was. Eine Vertretung gibt es. Wahrscheinlich eine ganze Weile, bis die Stelle neu besetzt ist und klar ist, wer die Betreuung zukünftig fest übernimmt.

Diese offenen Gespräche werden mir fehlen. Es ist für mich derzeit nicht möglich, so offen mit der Vertretung zu sprechen. Annäherung braucht Zeit. Da fehlt mir etwas Reflexionsraum, aber ich mache mir keine großen Sorgen. Das wird sich irgendwie fügen und finden.

…wie Verrat und zurück nach Hause

Ich habe die ganze gewaltige, schmerzhafte Einsamkeit meines Herzens, Zeit meines Lebens gespürt und das daraus gewachsene Misstrauen und die Furcht, sogar vor den Göttern.

Es kommt mir vor wie Verrat an einem Leben, an meiner Geschichte, die hätte sein können.

Es ist verloren, diese Zeit. Diese Ungerechtigkeit ist geschehen. Dieser Raub an Liebe und Leben, an Möglichkeiten.

Da liegt sie dar die Wunde, die stattdessen meine Geschichte ausmacht, Teil von mir und dem was ich heute bin.

Ich will angemessen trauen und über dieses Unrecht fluchen, so lange wie mir nach trauern und fluchen und weinen über das Verlorene zumute ist, weil es Gott verdammt mein gutes Recht ist.

Ich darf klagen und schmerzerfüllt weinen. Ich darf traurig sein, mich durch den Tag schleppen, mich verloren fühlen und mich an dieses Leid hingeben.

Das Geschehene, das Verlorene soll seinen Platz in mir finden und gesehen werden. Wirklich gesehen werden, als das was es ist. Etwas, das mir verwehrt wurde und jahrzehntelangen Schmerz  und Einsamkeit erzeugte.

Es darf wehtun wie Sau, weil es heute in Liebe empfangen wird. Weil da heute jemand ist, der es sieht und der es (aus)hält. Der es tragen kann. Der stark genug ist, mit all der Unterstützung der größeren Kräfte, damit das Leiden ein Ende findet.

Es geht nach Hause.

Herzlich Willkommen. ❤

 

Nachtrag: Wenn ich mir den Beitrag anschaue, bekomme ich von WordPress unten drunter einen früheren, ähnlichen Beitrag empfohlen. Der ist 4 Jahre her und passt trotzdem ganz wunderbar ins Thema. Sogar die Wiederholung von Themen ist aufgegriffen.

Botschaften der Geistigen Welt

Gibt gerade nicht viele Momente mich zu freuen und das Gute zu sehen und den Sinn in allem zu sehen.

Da kam mir Werbung von Robert Betz im Briefkasten ganz gelegen, um mich an die monatliche Botschaft der Geistigen Welt zu erinnern. Ich kann nicht mit allem etwas anfangen, aber ein paar lindernde, stimmige, aufbauende, mutmachende Informationen und Bilder waren dabei.

Es geht u.a. um den Sinn und das Ausleben von Trauer.

Ein Auszug:

Und es darf diese Morgen geben, an denen ihr denkt: „Jetzt bleibe ich einfach im Bett. Jetzt wühle ich mich ein in meinen Schmerz. Wie konnte es sein, dass dieses vorbei ist? Warum ist dieser Mensch nicht mehr bei mir? Warum bin ich nicht mehr da? Warum habe ich dieses Geld verloren? Warum tut das hier so weh?“ Und diese dürfen sein.

Falls es wen interessiert, die Botschaft für November 2016, gesprochen aus dem Emanuel-Strahl, übermittelt durch Andrea Schirnack.

 

 

Nähe, Schmerz und Distanz

Das Blog ist…

Arrrrg… ich will nicht immer ‚aktuell‘, ‚momentan‘, ‚zur Zeit‘, ‚gerade‘ schreiben, um kenntlich zu machen, dass das was ich schreibe lediglich für diesen Augenblick so ist und sich jederzeit wieder verändern kann und verändern tut. So! Hab ich das mal gesagt und versuche es loszulassen.

Das Schreiben hier verbindet mich. Ich fühle mich verbunden, wenn ich schreibe. Mit mir, mit anderen. Der Wunsch, verbunden zu sein ist riesig groß. Ich dürste jeden Tag danach.

Nicht einfach, wenn innere Verletzlichkeiten, offene Wunden reale Nähe nur begrenzt möglich machen.

Da ist es für mich auch schwer die Selbsthilfegruppen zu besuchen. Da geht fast nur noch die eine, weil sie so einen abgesteckten Rahmen und ganz klare inhaltliche Ablaufstrukturen hat. Das hält meine Emotionen etwas auf Distanz.

Auf Arbeit (Zuverdienst) geht es, weil ich jederzeit aus dem Kontakt gehen kann und mich meinen Aufgaben widme. Entstehen Gespräche, muss ich einem Blickkontakt ausweichen. Blickkontakt tut mir emotional dann weh, als würde derjenige direkt in mein offenes, wundes, verletztes Herz schauen. Nähe und Verbundenheit entstehen da nur sehr bedingt. Gehe ich also teil-hungrig nach Hause.

Nähe tut mir weh. Das heißt, der Kontakt mit Freunden tut mir automatisch auch weh. Nicht die Freunde selbst, aber sie bringen mich zu meinen Gefühlen. Ich war bisher noch nicht so weit, diesen Schmerz vor Freunden einfach zuzulassen, mich damit zu zeigen und ich weiß auch nicht, ob meine Freunde schon soweit sind, es wertschätzend (aus)halten zu können.

Also schreibe ich hier viel, um mich auf geschützte, etwas entferntere Art verbunden zu fühlen.

 

(…) Da ist ein gebrochenes Herz in mir. Wir haben nicht darüber gesprochen wie ich mit diesen Gefühlen umgehen kann. Ich nehme an wie mit allen – zulassen. (…)

Frau Helferin: „(…) Und die Trauer, das gebrochene Herz, zulassen ja, aber auch wieder loslassen. Vielleicht können Sie mit sich die Vereinbarung schließen, dass die Traurigkeit einen Platz in Ihrem Tag oder in Ihrer Woche bekommt. Einen zeitlichen Rahmen, in dem Sie sich bewusst Zeit dafür nehmen, indem Sie z.B. darüber schreiben, oder es malen, oder traurige Musik hören und es zulassen, dass Tränen kommen. Aber es dann wieder auch bewusst beenden, indem Sie sich aktiv mit etwas anderem beschäftigen. Raus gehen, Kontakt aufnehmen mit jemandem, eine andere Musik hören, die etwas anderes auslöst. (…)“

Ich weiß nicht, ob ich das so bewusst machen will, da eine Trennung. Ob das überhaupt geht. Ich kann schöne Dinge erleben und trotzdem dabei im Hintergrund die Verwundung spüren. Es ist okay so. Es ist nicht schlimm. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich es wegmachen muss, um es in einen späteren Zeitpunkt zu stecken. Das meint sie wahrscheinlich auch nicht. Eher, wenn ich jetzt Tag und Nacht tief drin stecken würde und mich gar nicht mehr daraus befreien kann. Nehme ich an.

Ich spüre eine Bereitschaft, mich einzulassen, auf diese Gefühle, auf ihre Existenz, auf ihre Entwicklung, einfach darauf, dass sie ein Teil von mir sind. Ich möchte mit ihnen verbunden sein, sie begleiten, ihnen helfen einen Platz in mir zu finden. Wow! Bin selbst beeindruckt von mir, dass ich dazu ein ‚Ja‘ finde. Dass ich den Schmerz willkommen heiße.

Heute Morgen im Bett habe ich diesen horizontalen Riss im Herzen gespürt, regelrecht physisch, ganz konkret auszumachen und ohne emotionale Entladung. Eher wie ein Zusammenziehen, wie wenn man sich kurz verbrannt hat und das Gesicht zu einem Zischen verzieht und die Hand auf die Stelle legt. So ungefähr.

Ich dachte an die letzte Stunde Körperarbeit vor 3 Tagen. Da wurde mir eine Hand auf den Rücken gelegt, in Höhe des Herzens und ich spürte wie nach vorne, also unten, weil ich lag, mein Herzfeld sich öffnete, jedoch geteilt. Also ein Strahl rechts und ein Strahl links. Da ist mir das mit dem Riss gar nicht eingefallen. Heute Morgen erst.

Das fand ich allerdings wirklich spannend, dass also eine alte emotionale Verletzung tatsächlich eine konkrete physische, feinstoffliche, dauerhafte Veränderung erzeugt.

Ich fragte da hinein, was helfen kann und sah, wie von innen, also innerhalb des Herzens (was in dem Bild übrigens immer so eine klassische Herzform hat ❤ ) etwas mit fester Substanz gegen drückte. Der Riss blieb, aber war verschlossen.

Dazu gedacht habe ich mir, dass vielleicht von Innen etwas Neues wächst – mir erschien das Neue in goldener Farbe – und das Alte ausfüllt und am Ende darüber hinauswächst. Es absorbiert.

Überblick verschaffen

Nach der Panik-Not-Überforderungs-Phase, bin ich direkt in eine mittelschwere depressive Phase gerutscht und bin es immer noch. Auch die längste seit letztem Jahr September.

Trotz allen Wissens und Verstehens und Gegenwirkens, muss ich erkennen, dass ich mich da nicht aus eigener Kraft herausholen kann. Das ist hart.

Die Positivpunkte die ich immer wieder setze, erreichen keine Tiefe mehr, schwenken das Ruder wenn, nur für Sekunden um. Sobald ich den Fokus darauf loslasse, rutsche ich sofort wieder in eine Schwere, Gedrücktheit, Ummantelung, Innenschau, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schwäche. Ohne Ablenkung von außen, ist das ein in sich geschlossenes selbstverstärkendes System.

Ich habe gestern die Medikation schweren Herzens wieder hochgesetzt. Nach zweimaligem Auspendeln, ob das jetzt wirklich hilfreich ist.

Stimmt schon. Warum soll ich mich quälen. Ich versuche es als Unterstützung zu betrachten. Und trotzdem ist es mir auch zuwider, von etwas abhängig zu sein. Vor allem, weil ich immer noch im Hinterkopf eine Antwort von den Engeln auf meine Frage, wie lange ich sie noch nehmen soll, habe: „Immer.“ Das ist inakzeptabel. Momentan. Diesen Gedanken schiebe ich weg.

Mir drängt sich auch die Überlegung auf, ob die Reduzierung von vor ca. 2 Monaten zu diesen starken Tiefen des letzten Monats geführt hat. Ich sträube mich dagegen. Schuldgefühle tauchen auf. In zwei Tagen der Termin bei der Psychiaterin. Am liebsten Verschweigen wollen, damit sie keine Gelegenheit hat diesen Schluss zu ziehen.

Ich will mir selbst nichts vorwerfen. Auch die Reduzierung hatte ich mit ‚oben‘ abgesprochen. Wird schon alles seinen Sinn haben. Auslöser im Außen wären auch so gekommen, mit meinen entsprechenden emotionalen Reaktionen. Vielleicht wäre der Antrieb geblieben und die Freude nicht so dauerhaft verloren. Vielleicht. Vielleicht.

Vielleicht sollte ich mal eine Weile nicht beim erstbesten Gefühl reduzieren. Schadet ja nicht. Mit 6 mg fahre ich eigentlich ganz gut. Das müsste ich ein Weilchen aushalten. Fühlen tu ich damit noch ausreichend. Tiefgreifende Schädigungen sind bei so geringer Dosierung vielleicht auch nicht zu erwarten. Gut, die Orgasmusfähigkeit ist stark eingeschränkt. Das werde ich überleben.

Die letzten zwei Wochen waren wirklich hart. Durch die Antriebs- und Freudlosigkeit, habe ich den Anschluss an alles im Außen verloren (Arbeit, Freizeitsachen, Ordnung der Wohnung). Das tut mir überhaupt nicht gut, wie ich feststellen musste. Sinnlosigkeitsgefühle breiteten sich aus. Perspektiven die ich arbeitstechnisch gesehen hatte, brachen in sich zusammen. Ein Gefühl, wieder von vorne anzufangen. Ein Gefühl, auch in Zukunft alle paar Monate immer wieder aufs Neue von vorne anfangen zu müssen. Nie vorwärts zu kommen. War es das jetzt? Ist es das jetzt? Depressionstunnelblick.

Es sind weitere Auslöser dazugekommen, die zu meiner aktuellen Verfassung führen. Ich kann momentan keine Worte für finden. Muss aber immer wieder an die rückläufige Venus denken und den Artikel von Sabine Bends, auf den HeckenWicke in ihrem Beitrag zu rückläufigen Planeten hinwies.

Bei mir geht es um Bewusstwerdung meines Bindungstraumas und Reaktivierung frühkindlichem und überhaupt kindlichem Trennungsschmerz, Verlustangst, Abschiedsschmerz, tiefe Trauer. In dieser Art und Weise und Dimension sehr neu für mich. Ich hatte keine Ahnung, dass ich so auf Menschen reagieren kann, wenn ich zu ihnen eine Verbindung habe und sie aus meinem Leben gehen.

Nachtrag:

Ich überlege noch, dass die Medikamente eigentlich in den natürlichen Verlauf eingreifen. Was wäre, wenn ich weiter darauf vertraut hätte, dass sich die Psyche, der Geist, der Körper von selbst regulieren, dass dies eine Phase ist, die gebraucht wird und vorbei geht, wenn die Zeit gekommen ist, wenn alle Emotionen gefühlt wurden. Dann hätte ich noch anders sorgen müssen. Dann hätte ich mich nach mehr vorgegebener Struktur im Außen umschauen müssen, außerhalb von Arbeit. Was mich wieder darauf aufmerksam macht, dass Arbeit in meinem Leben schnell einen vordergründigen Stellenwert erhält und eine große Lücke entsteht, wenn sie nicht da ist. Ich hätte mir Ergotherapie verschreiben lassen können. Ich nutze schon die offenen Zeiten einer Kontakt- und Beratungsstelle. Ich hätte konkretere Tagesstruktur mit der Betreuung absprechen müssen, um mehr Verbindlichkeit herzustellen.

Naja, nun hab ich es anders gemacht. Vielleicht ist das alles nun nicht mehr nötig. Mal abwarten.