Mein Ganztags-Job

Es ist gerade mal alles so richtig schön scheiße.

Ich hatte nicht auf dem Schirm gehabt, wie quälend es sein kann, Medikamente anzusetzen. Das die Symptome von Niedergeschlagenheit, Lebensmüdigkeit, Gefühlsleere erst einmal zunehmen. Das der Kopf nicht mehr richtig denken kann, aus Flimmern besteht, die Augen weh tun, die Zähne unangenehm kribbeln, der Körper schwitzt, die Muskeln steif werden und ich aussichtslos die Gefühle von Dankbarkeit und Freude in mir suche, was vorher noch ging.

Naja, ob sich das jetzt gelohnt hat, bleibt abzuwarten.

Durch sowas komme ich nicht alleine. Das geht gerade nur mit Anruf auf der Krisenstation oder bei einer Freundin, mich trösten lassen von der Heilpraktikerin, sogar mit Hand halten, was echt sehr geholfen hat, mit Kartenziehen und wiederholt gesagt bekommen – akzeptiere was ist, passe dich den Bedingungen an und vertraue – und mich von unterschiedlichsten Seiten erinnern lassen, dass das vorbei gehen wird und ich schon anderes geschafft habe.

Trotzdem kommt da immer wieder Angst, weil ich weiß, nur ein Tag hauptsächlich liegend, ruhend bringt mein Herz in der Leistung so runter, dass die nächsten größeren Anstrengungen mit Schwindel und Kreislaufproblemen starten. Und das immer wieder aufs Neue. Ich sehe, wie sich nichts aufbaut. Ich weiß, was ich tun muss, um Muskeln aufzubauen und trotzdem kann ich es zurzeit nicht tun. Und ich soll das akzeptieren, mich daran anpassen – arrrgh – das bringt mich zum heulen.

Ja und gleichzeitig erinnere ich mich an die Zeit 2012/13  herum, da war das ähnlich und noch viel schlimmer. Da konnte ich kaum noch Treppensteigen oder nur in Zeitlupe, weil mein Herz mir fast aus dem Körper sprang. Ich wurde in die waagerechte gezwungen und das über einige Monate hinweg. Und dann wurde es auch wieder besser und das nicht, weil ich mich in die Bewegung gezwungen habe, nicht durch mein eigenes aktives Tun. Ich kann aber auch nicht sagen, ob es besser wurde durch mein aktives Nicht-tun. Es wurde einfach besser, warum auch immer. Erst viel, viel später konnte ich erkennen, dass dies eine Zeit voller massiver Angst und Panik war, die ich nicht wahrnehmen konnte.

Ich weiß nicht, ob es da Parallelen gibt. Is auch schnurz.

Ich frage mich immer wieder, ob ich mir mehr Unterstützung, also TK oder Klinik holen soll. Da bekomme ich kein JA für. Also scheint es so zu gehen, von Moment zu Moment, immer einen Schritt nach dem anderen und immer schauen, was brauche ich jetzt, was kann jetzt helfen und lindern.

Heute Morgen war das eine Kerze auf dem Tisch, ein Duftstäbchen und Wiegenmusik, während ich mein Frühstück vorbereitete und aß. Das ist scheiße schwer, wenn ich nur noch wenig gute Gefühle hervorholen und halten kann. Aber irgendwie ging es. Die Musik macht es glaube ich gerade. Die zieht meine Aufmerksamkeit und meine Schwingung mit. Die hält mich hier. Nach dem Frühstücken ging nur noch das. Liegen und der Musik folgen oder weg dösen. Ohne Musik, ohne Ablenkung und Ausrichtung wird es sehr unangenehm in meinen Gedanken und in meiner Stimmung. Schnell ist alles hoffnungslos und die Anspannung steigt enorm.

Ich erkenne gefühlte tausendmal am Tag diese Gedanken und Gefühle, versuche sie anzuerkennen, etwas Weiches um sie zu legen und mich dann auf das JETZT zu konzentrieren, die Welt ran zu holen, die Zusammenhänge klar zu bekommen und mich an Hilfreiches zu erinnern. Ich versuche Tag für Tag meine Ängste aller Art zu erkennen und zu lindern, einen Halt bei Mutter-Erde zu finden, zu akzeptieren was ist und zu heulen darüber was nicht ist und zu suchen, was denn statt dessen ist. Immer wieder aufs Neue. Immer wieder und immer wieder. Jeden Gott verdammten Tag aufs Neue. Ich bin abends froh, wenn der Tag um ist und morgens eher nicht so begeistert, dass er wieder anfängt. Und dann geht es wieder von vorne los. Depression ist ein Ganztags-Job.

Mir geht es nicht besser – ich kann nur punktuell lindern – aber vielleicht würde es mir viel schlechter gehen, wenn ich das alles nicht tun würde. Nicht ‚vielleicht‘. Auf jeden Fall würde es mir viel schlechter gehen. Jetzt ist es schlimm und quälend. Ohne mein Zutun wäre es endlos schrecklich und ich wäre schon längst auf Station und hätte mir vorher wohl noch irgendwas Ungutes angetan.

Also läuft es wohl ganz gut. *mich zu einem lachen abringen*

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Nähe IV (Heilarbeit)

Wir hatten uns nur kurz im Auto gedrückt, als sie mich vom Bahnhof abholte. Bei ihr zu Hause angekommen, stehe ich im Flur, ziehe mir die Schuhe aus. Sie ist in der Küche. Mein Herz sehnt sich nach Nähe und schmerzt. „Können wir uns noch mal umarmen?“, frage ich sie mutig. „Na klar!“ und wir nehmen uns noch mal richtig in den Arm. Ich fühle ihre Nähe. Ich fühle diese Umarmung und mein Herz schmerzt.

Alles ist so neu und unbekannt. Mein Fühlen, mein Trauen, die darauf folgende Reaktion und wieder neues Fühlen usw..

Während sie in der Küche hantiert, um uns Kaffee zu machen, steigen bei mir Tränen auf. Mein Herz will sich öffnen und weinen, weil jemand da ist. Meine Angst kämpft dagegen an, versucht das herausbrechen wollende Schluchzen zu unterdrücken.

Sie kommt ins Zimmer, während ich schon ins Taschentuch schniefe und Tränen wegwische und ich erzähle mein Ringen und Weinen wollen. Alles ist so nah und tut weh.

Sie geht kurz raus, kommt wieder und drückt mir einen großen Plüschhund in die Arme. „Damit kann man gut weinen“, sagt sie fröhlich und geht wieder in die Küche.
Mein Ego zuckt kurz, ist irritiert, weil es alleine gelassen wird und lieber will, dass sich gekümmert wird.
Mein Herz drückt sofort den Plüschhund an sich und kann ein wenig mehr in diese Innigkeit weinen.

Sie kommt wieder zurück und drückt mir Taschentücher in die Hand, um dann wieder in die Küche zu gehen.
Mein Ego denkt: merkwürdige Situation und muss irritiert lachen.
Mein Herz ist dankbar, fühlt ihre Präsenz und kann weiter etwas loslassen, bei sich bleiben.

Sie kommt zurück, stellt zwei Teller mit Kuchen auf den Tisch und setzt sich auf die andere Seite der Couch. Ich schluchze gepresst weiter vor mich hin. Fühle mich hilflos und gefangen in der Situation und sehne mich so nach gehalten werden.

„Wenn du meinen Arm brauchst, sag Bescheid“, sagt sie völlig entspannt.

Ich überhöre die Einladung. „Ich kann nicht richtig loslassen, es zulassen.“

„Du kannst auch ins andere Zimmer gehen, wenn es hier nicht geht.“

Ich zittrig, schluchzend traue mir, mein Sehnen auszusprechen (ein Sprung ins Ungewisse): „Aber ich will genau das Gegenteil! Ich will mich am liebsten auf deinem Schoß zusammenrollen.“

„Ich hab dir ja meinen Arm angeboten.“

Hilflos und damit nichts anfangen können. „Ich weiß nicht, wie man das macht!“ Der Körper hochgradig starr werdend, in angstvoller Erwartung, was nun passiert.

„Hmmm… du weißt nicht, wie man das macht. Ich setze mich mal neben dich.“ Steht von der anderen Seite der Couch auf und setzt sich nah neben mich, ohne mich zu berühren. Zeigt mit einer Geste einladend auf ihre mir zugewandte Schulter.

Sofort schießt die Angst durch mein System. So nah! So nah! Rede irgendwas. „Kann sein, dass ich gleich nen Panikanfall bekommen“ und schaue sie mit großen, ängstlichen Augen an. „Denke mal nicht so viel.“ „Das denke ich nicht, das fühle ich!“ und schon geht es los. Die Atmung beschleunigt sich, schlägt über. Ich beuge mich vorne und halte meinen Kopf in den Händen. In einer Hand einen Kienapfel und unter den Füßen ein Kühlakku, um dabei bleiben zu können. Ihre Hand auf meinem Rücken, für die Energiearbeit: „Schön durch die Nase ein und durch den Mund aus. Sprich mal im Geiste(…)“ „Ich kann keine Sätze mehr denken“, antworte ich durch den Sturm in mir drin. „Das ist gut!“, sagt sie freudig. Ich: „Das haben Panikattacken so an sich.“

Am Rande nehme ich war, dass sie sich ein Kissen auf den Schoß legt und eine Decke darüber zieht. Die Sehnsucht schießt empor und mit strudelndem Panikkörper und dem wiedergekehrtem Schmerz und Sehnen im Herzen, gebe ich den Widerstand auf, lasse mich seitlich mit dem Kopf auf diesem Kissen nieder, den Plüschhund unterm Arm und vors Gesicht gedrückt, um die Scham zu bedecken.

Und dann passierte so viel in mir, dass ich mich nicht in der Lage fühle, dass hier wiederzugeben, weil ich es nicht mehr greifen kann. Ich weiß nur mit Sicherheit, dass das ein Durchbruch war (wieder mal). So etwas habe ich in meinem Leben noch nie gemacht, gehabt, zugelassen.

Die Gefühle wechselten hin und her. Zwischendurch musste ich raus aus der Position, wollte sie wegstoßen, den Hund in die Ecke werfen und wurde unheimlich wütend. Dann ging es wieder zurück in den Schmerz und auf ihren Schoß. Und noch viel mehr. Mein Körper, mein Ego kämpfte, zitterte, weinte, schluchzte. In meinen Gliedmaßen fühlte es sich an, als würde Starkstrom fließen.

Und sie saß die ganze Zeit entspannt, strich mir über meinen Rücken, machte verschiedene Energieausleitbewegungen, sagte mir verschiedene Sätze, die ich für mich sprechen konnte, damit alle Gefühle fließen und losgelassen werden konnten, hielt all meine Gefühle und hin und her aus, ließ alles in ihrer Präsenz geschehen, war da. Ich bin deswegen tief beeindruckt. Zu dem was ich da gefühlt habe, bekomme ich momentan keinen Zugang.

Irgendwann löste ich mich aus der Situation, wollte nicht länger zulassen. Mein Ego sagte: „Jetzt reicht es aber auch mal. Man kann ja auch nicht alles an einem Tag auflösen.“ (Kann man vielleicht doch. Doch ihm wurde es zu bunt. 😉 )

Ich saß da, mit Starkstrom im Körper und Ganzkörperschwindel. Mein Sprachvermögen war stark eingeschränkt, die Atmung aufgewühlt und kurz und immer noch zitterte und zuckte mein Körper. Ich machte mir Sorgen, wie lange es nun dauern würde, bis ich mich wieder stabilisiert hatte. „Du kannst so lange bleiben wie du willst. Bis spätestens morgen 13 Uhr“, sagt sie und meint das völlig ernst. Ihre Hingabe, ihr Vertrauen, ihre Entspanntheit und Selbstsicherheit berühren mich sehr.

Sie drückte mir einen Rosenquarz in die linke Hand (der saugte ordentlich) und gab mir Rescue-Salbe, um sie auf der Stirn zu verteilen. Es dauerte vielleicht gerade mal 20-30 Minuten, bis ich mich wieder stabilisiert und entspannt hatte. Ich war sehr erschöpft. Sonst fühlte ich mich weich, mir sehr nah, aufgeschlossen, gereinigt und ausgeglichen.

Und dann konnten wir endlich über die Sachen sprechen, die der eigentliche Grund meines Besuches waren. 🙂

Tröster

Ich habe festgestellt, dass dieser Teddy mir wirklich hilft.

2015_04_18 Teddy

Etwas schäme ich mich noch dafür. Scham beinhaltet Abwertung.

Sich mit einem Stofftier zu trösten, sich mit einem Stofftier sicherer zu fühlen, sich mit einem Stofftier verbunden zu fühlen und damit nicht mehr so alleine, das ist doch eine merkwürdige, kindliche Eigenart, bei der ich noch Angst vor dem abschätzigen Gelächter Anderer darüber habe.

Dass das funktioniert und gerade bei mir funktioniert, erstaunt mich selbst.

Ich war vor einer Woche für ein paar Tage weg. Ich packte meinen Koffer dafür. Es passte nicht alles hinein was ich gerne mitgenommen hätte. Doch der Teddy drängte sich mir auf. Es schien wichtig zu sein, ihn mitzunehmen. Dafür musste ich extra noch einen Beutel umhängen, wo er hinein kam. Dafür ließ ich mein heißgeliebtes Meditationskissen zurück. Es schien also wirklich, wirklich wichtig, obwohl mir der Sinn da noch nicht klar war. Und ich auch da schon im Hintergrund mich über mich selbst lächerlich machte. Ich nahm ihn trotzdem mit.

Und tatsächlich, im Reisebus war ich froh ihn versteckt in meinem Beutel auf meinem Schoß sitzen zu haben. Er gab mir das Gefühl, das da noch jemand ist, das ich nicht alleine bin. Ich hielt ihn im Arm, hielt mich an ihm fest. Er bot mir einen Fokus, einen Fixpunkt. Und auch die Tage am Reiseort bot er sich als Sicherheitspunkt an. Wir weinten zusammen und einmal frühstückte er sogar auf meinem Schoß mit mir zusammen, umhüllt mit einer Decke.

Also ich steh da jetzt öffentlich zu. Und damit stehe ich auch zu meinen Gefühlen, die manchmal so sind, dass sie solch ein Objekt tröstend finden. Gut, das sich da etwas gefunden hat.

Dunkle Vergangenheit II

Ich erlebe diese ganze schreckliche Zeit von damals noch einmal. Diese unsägliche Einsamkeit. Dieses unendliche Verlangen einfach weg zu sein, raus aus allem. Diese absolute Überforderung mit der Situation, mit meinen Gefühlen. Dieses viel zu viel. Dieses nicht aushalten können. Dieses tiefe verzweifelt sein, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Sterben wollen. Es soll aufhören.
Und keiner da. KEINER DA! NIEMAND! Völlig alleine, mit allem.

Ein riesiger Gewinn – ich erkenne immer wieder den Gefühlszusammenhang zu damals. Das ich damals jetzt fühle. Ich wache immer wieder zwischendurch im Jetzt auf. Sonst wäre ich wohl schon auf der Krisenstation.

Ich fühle meinen Körper. Knorrig, dünn, unangenehm, fremd. Hängt er an mir dran. Ungelenkig. Unvertraut. Schmerzen. Halte kaum aus in ihm zu sein, trotz liebevoller Gefühle die ich immer wieder hineinschicke. Heute zurück zu Hause, geht nur noch die Badewanne. Die Kleidung ist unangenehm auf der Haut, der Körper ist unangenehm. Das Wasser lindert. Nimmt die Berührungsflächen. Verwischt die Konturen. Umschließt. Schützt. Trägt. Ich liege lange da. Viele Tränen laufen. Die Gefühle von damals wechseln sich ab. Durchfließen mich. Immer wieder ja sagen, immer wieder aufmachen, zulassen. Dann der Wunsch mich zu schneiden. Ich lasse auch diesen Wunsch zu, diesen Gedanken, sage ja zu ihm, lasse ihn zu, lasse ihn sich denken und weiterdenken. Auch dahinter taucht die Verzweiflung von damals auf. Körper vernichten, mich vernichten, damit ich nicht mehr da bin. Damit ich nicht mehr aushalten muss, mich und die Welt. Ich kann weinen. Der Impuls zu schneiden verfliegt.

Hinzu kommt die Umdeutung des Erlebnisses. Frau Therapeutin spricht diese furchtbaren Worte aus. Macht hörbar, macht fühlbar, was ich nicht fühlen will, was ich nicht begreifen will.
Missbrauch. Sexueller Missbrauch!
Die Worte durchfluten meinen Geist. Schlagartig muss ich mir die Hände auf die Ohren legen, weiche mit dem Stuhl zurück und breche in heftiges Weinen aus. Nein, nein, nein… das kann nicht sein!

Ich will es nicht begreifen und begreife doch Stück für Stück. Bild für Bild taucht auf, mit dieser veränderten Perspektive.
Ich wurde benutzt. Es fühlt sich schrecklich an. Unglaublich viele Gefühle purzeln gleichzeitig durcheinander. Ekel. Wut. Schmerz. Ungläubigkeit. Verraten fühlen. Beschmutzt fühlen. Fassungslos sein. Es leugnen wollen. Nach Gegenargumenten suchen, warum das nicht sein kann. Selbsthass. Ich-los fühlen. Einen Körper fühlen, der wie durchsichtig ist und in den man einfach greifen kann.

Riesige Bedürfnisse nach Trost. Nach Anteilnahme. Da soll jemand sein. Jetzt hier zu Hause. Das halte ich nicht alleine aus. Auch dieses Gefühl lasse ich zu. Ich lasse zu, dass Trost fehlt. Das keiner da ist, um mich in den Arm zu nehmen und auch hier spüre ich plötzlich, wie alt dieses Gefühl ist und durchlebe die Einsamkeit und Hilflosigkeit meiner Kindheit und Jugend. Nur, dass ich diesmal dabei bin. Das ich Verständnis habe, für dieses Mangelgefühl.

Ich bin ziemlich erschöpft und weiß nicht, was noch alles auf mich zukommt. Trotzdem glaube ich daran, dass ich in der Lage bin, mit mir umzugehen und diese Zeit durchzustehen und im Notfall Hilfe zu suchen.

Anleitung zum Glücklich sein oder mein Umgang mit Trennungsschmerz

Mein aktueller Umgang mit Trennungsgefühlen, wenn ich alleine zu Hause bin:

• Lasse es zu! Lasse Weinen zu!
• Gehe ins Bad, schließe die Tür, lass evtl. Wasser laufen, damit dich die Nachbarn so wenig wie möglich weinen hören.
• Nimm die Bachblüten-Rescue-Tropfen für/gegen Traumata aller Art.
• Lege dich auf den Badwannenvorleger oder suche eine halbwegs angenehme Position, so gut das eben in einem Badezimmer, auf dem Boden geht.
• Sage laut oder in deinen Gedanken: „Diese Wunde darf jetzt heilen.“ Oder „Ich bin bereit es zu fühlen.“ Am besten wiederholst du das immer mal wieder.
• Suche im Körper das Gefühl. Wenn du es nicht findest, ist das egal, aber versuche so gut es geht in einem allgemeinem Körpergefühl/-bewusstsein zu bleiben! Es ist auch egal, wenn du das Gefühl nicht benennen kannst.
• Versuche ungehemmt zu Weinen und alles zu tun wonach dir ist und was aufsteigen will. Körperbewegungen, Geräusche, Atemveränderungen, Energiebewegungen. Wenn du etwas nicht zulassen kannst, sei verständnisvoll mit dir! Es ist okay so wie es ist! Zwinge dich zu nichts!
• Probiere Dinge aus, die dich trösten könnten. Kopf streicheln, Daumen in den Mund, schaukeln, umarmen.
• Liebe deine Situation und dich selbst. Sage zu deinen Gefühlen: „Ich bin da.“ „Es ist okay, wie du dich fühlst.“ Das sage am besten auch immer mal wieder.
• Komme immer wieder in dein Körpergefühl zurück, egal wie es aussieht! Sei es ein Fleck am Brustkorb, eine Fläche im Bauch, ein Raum in der Magengruppe. Nimm irgendetwas was du greifen kannst, was sich danach anfühlt, dass du da bist, einen Körper hast.
• Beschwere dich bei Gott, den Engeln oder sonst wem, dass du wieder mal nicht kapierst, warum das jetzt so heftig ist und woher es kommt und was es mit deiner Vergangenheit zu tun hat. Finde es ungerecht und gemein, dass trotz aller Arbeit an dir selbst, diese Gefühle weiterhin in dir Bestand haben.
• Bitte Gott, die Engel, Mutter-Erde und wer dir noch so einfällt darum, dir dabei zu helfen, damit umzugehen.
• Bitte Mutter-Erde darum, dir die Liebe und Geborgenheit zu geben, die du jetzt brauchst. Bitte darum, dass sie dich umhüllt, einbettet, aufnimmt in ihre Arme. Das sie dich hält und trägt. Versuche dir das vorzustellen, wie sich das anfühlen könnte.
• Komme immer wieder in dein Körpergefühl zurück. Sehr wichtig! Wenn nicht sogar das wichtigste.
• Freue dich, wenn du spürst, dass du dich langsam beruhigst. Bleibe noch liegen und genieße so lange wie möglich die nahen, warmen, verletzlichen Gefühle in dir und zu dir selbst.
• Bedanke dich beim Universum für diese Erfahrung.
• Verlasse das Bad und trinke ein Glas mit den Bachblütentropfen „Star of Bethlehem“ für/gegen Trennungstraumata.
• Tropfe zwei Tropfen des ätherischen Öls „Cypress“ auf deine Handfläche. Verteile sie mit drei Kreisen im Uhrzeigersinn, halte dir die Hände vor das Gesicht und atme zur Erdung mehrmals tief durch die Nase ein und durch den Mund aus.
• Mache dir Gedanken über den Auslöser. Gehe die letzten Stunden und Tage durch.
• Widme dich dann wieder dem, womit du vorher beschäftigt warst.

Ich bin ehrlich stolz auf mich, wenn ich das so lese und zurück denke. Früher habe ich viel mehr gekämpft, dagegen angekämpft, Gefühle zurückgedrängt. Habe mich überfordert gefühlt und viel hilfloser im Umgang. Ich war sehr streng mit mir, habe mir schnell Vorwürfe gemacht, wenn etwas nicht klappte wie es sollte. Oder ich bin in den Emotionen total verloren gegangen, habe ewig lange geweint und nicht zurückgefunden zu mir selbst. Heute dauert es viel kürzer. Gestern vielleicht 10-15 Minuten und danach bin ich wieder bei mir, fühle mich entlastet. Zwar nicht gut und auch sehr erschöpft, aber deutlich befreiter. Ich schleppe weniger mit.

Erinnert mich an meine zweite Gefühlslehrerin und was sie sagte. Gefühle wollen fließen. Sie wollen sich bewegen und wenn man sie lässt, dann können sie auch wieder gehen. Der Körper ist der Raum, in dem Gefühle stattfinden. Und wenn ich meinen Körper wahrnehme, dann verliere ich mich nicht in den Bewegungen des Gefühls. Umso weniger Widerstand ich gegen diese Bewegung habe, umso schneller ist sie vorüber. Hingegen der Widerstand die Bewegung hindert, sie staut, vergrößert, in andere Bereiche verzerrt.

Da ist ein leerer Ort in meiner Brust

Momentan ist es nicht leicht. Schon länger nicht. Und immer wieder anders nicht leicht, mit anderen schweren Themen im Hintergrund, die sich die Türklinke reichen. Es ist okay, aber es ist schwer. Ich versuche jeden dieser Momente zu nutzen, um nachzuspüren, um bei mir zu bleiben, den Raum zu öffnen, dass alles sein darf was sich zeigen will. Doch es ist schwer. Ich laufe auch Irrwege. Ich verlasse mich auch. Es ist schwierig zu fühlen, was man braucht, wenn man sich selbst gefühlsmäßig schwer verorten kann.
Seit fast einer Woche schwebend. Zweigeteilt. Weg und da. Losgelöst. Schwebend zwischen Himmel und Erde. Der Körper funktioniert. Das Funktionieren funktioniert. Aber viel von mir ist nicht da. Oder ist da, aber nicht hier, sondern woanders. Wo ist das? Ein regelfreier Raum. Ein kontrollfreier Raum. Ein bodenloser Raum. Ich habe Alkohol getrunken in diesem Raum, in dem Glauben mir damit näher zu kommen. In dem Glauben, in diesen Raum damit Trost fließen lassen zu können. Erst die Wirkung ließ mich erkennen, dass ich anstatt zu mir, von mir weg kam. Erst da sah ich, dass ich mir so nah war wie näher nicht ging. Nah bedeutete die Leere zu spüren. Die Leere in mir. Die Unverbundenheit zum Leben. Ich stand am Bahnhofsgeländer. Lehnte mich an, den Blick in die Tiefe und stellte mir vor, wie es wäre zu fallen. Einfach loslassen. Frei schweben. Ungehalten. Ein Blick in meine Gefühlswelt.
Heute Morgen wache ich auf. Und wieder dieses wahnsinnige Verlangen etwas zu konsumieren. Etwas in diesen Raum in mir zu füllen. Wieder die Herausforderung nachzuspüren. Wo ist dieser Raum? Wie fühlt er sich an? Was fehlt ihm? Ein leerer Ort in meiner Brust. Da bin ich alleine. Da bin ich niemand mehr. Da bin ich verloren, haltlos. Da soll etwas hin, was es lindert, was es hält, was es tröstet.
Es scheint der Ursprung meiner Suchterkrankung zu sein. Die Suche nach der Linderung der Leerheit, der Haltlosigkeit. Die Suche nach einem haltenden Rahmen. Etwas was es umschließt und trägt, damit ich mich nicht mehr so verloren fühle. Ich komme immer wieder auf Trost. Mich trösten lassen. Nie von außen erhalten. Darauf angewiesen, es selbst zu tun. Wie kann ein Kind sich selbst trösten? Deshalb vielleicht das sehr lange Daumenlutschen, was mit sieben Jahren überging ins Nägelkauen und bis heute anhält. Deshalb vielleicht der Drogenkonsum.
Es ist so anstrengend. Das Nachspüren. Das Fühlen. Oder auch Nichtfühlen. Das Verlangen aushalten. Schlafe sofort nach dem Frühstück wieder ein. Außen existiert kaum, kann ich kaum wahrnehmen. Versuche mir Trost und Spüren auf andere, angemessene Art zu geben. Essen, schmecken, Duftbad, Rückzug gewähren, Mütze auf dem Kopf für das Sicherheitsgefühl, Daumen in den Mund, ein kleiner Spaziergang. Und immer wieder zulassen, dass es im Moment so ist wie es ist. Nicht dagegen ankämpfen. Hab ich schon gesagt, dass es anstrengend ist?