Wenn’s stagniert, könnte es nicht ausgedrückte Wut sein

Ja, das ist wirklich spannend.

Ich hatte vor einiger Zeit einen Bruch in einer engen Freundschaft. Wir gingen sehr offen damit um und ich fühlte, trotz Vertrauensverlust, wollte die Verbindung bestehen bleiben.

Wir sahen uns seit dem 3-4 Mal und es hat sich leider nicht weiter entwickelt, zurück in ein Vertrauen, wie ich es gehofft hatte. Ich fühlte mich jedes Mal auf Abwehr und blieb, trotz Umarmungen und Sehnsucht nach ihr, distanziert.

Ich wusste nicht was das bedeutet und wie ich zukünftig damit umgehen soll. Es machte mich ratlos.

Als ich heute Morgen darüber nachdachte, fühlte ich auch Enttäuschung und fing an, mit dieser Enttäuschung zu klopfen.

Zuerst die Enttäuschung darüber, dass unsere Beziehung nicht mehr die war, wie sie einmal war. Daran schloss sich sofort die Enttäuschung von damals, dass sie nicht dagewesen war. Immer noch. Dazu kam dann Traurigkeit und dann Angst, erneut solch eine Verletzung zu fühlen. Die Distanz war also auch Schutz.

Die anfängliche Enttäuschung war als Gefühl sehr präsent und blieb beim Klopfen und Aussprechen einige Zeit konstant stark, als gäbe es da nichts dran zu rütteln.

Und dann wurde es für mich interessant, weil Wut kam. Das erstaunte mich, weil ich davon noch nichts gefühlt hatte.

Und Wut war in dem Moment echt schwer zuzulassen. Ich lag noch im Bett und obwohl ich mir immer die Decke über den Kopf ziehe, damit mich mein Nachbar bloß nicht jeden Morgen mit mir selbst reden hört, hatte ich Angst, dass er mich doch hört. Unter der Decke war es heiß. Ich quälte mich einige Minuten mit leisen Wutworten ab, spürte aber, dass das nicht dem entsprach, was ich fühlte. Ich musste lauter und nachdrücklicher werden und schaffte das dann auch so einigermaßen. Das war echt schwer, energisch auszusprechen: „Ich bin so verdammt wütend auf dich!“

Doch genau das war ich! Ich war stinksauer.

Das war dann also der zweite Grund, warum ich noch nicht zurück in die Beziehung fand und es fühlte sich völlig normal und verständlich an, wütend zu sein. So habe ich das noch nie erlebt.

So ganz und total bin ich nicht durchgegangen. Die Wut wurde undeutlicher und mixte sich wieder mit Enttäuschung und Traurigkeit und umso schwächer das alles wurde, umso deutlicher stand ein Gefühl von Frieden daneben. An der Stelle habe ich dann aufgehört.

Sicherlich hat dieses Erlebnis von, Du warst nicht für mich da, eine viel tiefere Wirkschicht in mir berührt, die beim Klopfen mit beklopft wurde.

Für mich war das total spannend, so unmittelbar zu erleben, wie Wut wieder etwas in Bewegung bringen kann, was scheinbar still steht. Es bleibt jetzt zwar abzuwarten, wie sich das tatsächlich auf die Beziehung auswirkt, aber ich fühle mich schon mal viel besser damit.

Es ist auch schön gewesen zu erleben, wie ungefährlich dieses Gefühl sein kann. Es reichte es ganz deutlich auszusprechen und auch so zu meinen, dabei mit den Füßen zu trampeln und ich hätte noch gerne geschrien, aber das hab ich mich nicht getraut.

Ich bin wieder mal froh, dass mir das EFT scheinbar einen geschützten Rahmen bieten kann, wo Gefühle da sein dürfen und ich damit üben kann.

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Dein Aufstieg

Ich muss mich um zwei kümmern. Um Dich und um mich.

Lege mir eine Decke um die Schultern, damit ich gehalten bin, wenn ich dir begegne.

Ich muss aufpassen, dass ich nicht mit dir verloren gehe.

Mit der Decke, Schreibzeug neben mir, Öl und dem Wissen/Bewusstsein, dass dies ein geplanter-ungeplanter Moment ist, wo ich mich entscheide dich anzuschauen, weil du eben schon da warst (und letzte Woche schon), zünde ich dir eine Kerze an.


 

Ich zünde Dir eine Kerze an, meine Liebe, die deinen Weg nach oben beleuchten soll.
Weil es das ist, was du mir gezeigt hast.

Du bist gestorben und in den Himmel aufgestiegen. 😥 😥 😥

Ich gehe nun mit dir dieses Stück Richtung Himmel. Begleite deinen Aufstieg.

Du bist jetzt bei den Engeln. Sie passen auf Dich auf. Bei ihnen geht es Dir gut.

Dort bist Du in Sicherheit.

Du bist jetzt im Himmel. Dort geht es Dir besser.

Für Dich <3

Für Dich ❤

Deine Erlösung.

Du bist dort damals gestorben.


 

Du bist deinen Weg schon längst gegangen. Das Leid hast du zurück gelassen.
Soll sich wer anderes drum kümmern. Ich zum Beispiel.

Wohin damit?
Kann ich es ebenso zurücklassen?

Du bist weg, aber ich bin noch da!


 

Ein bedürfnisloser Zustand.

weich
weit weg
wie auf Wolken

Wie passend. Ist es so wenn man tot ist, wenn die Seele gestorben ist?

da
nicht da

hier und
fort

verschwunden

Gar nicht so unangenehm.

still
friedlich
aufgehoben

Das bist Du.
Es ist gut, Dich in Sicherheit zu wissen!

Kann es hier dann weitergehen?
Wirst Du fehlen?
Brauche ich Dich?

Wie wird es ohne Dich sein?
Jetzt wo ich es weiß.

Du fehlst mir. 😦

Werd ich ohne Dich leben müssen?


 

Ich habe überlebt!

Jetzt kann ich damit etwas anfangen, mit dieser Aussage.


 

Am vorletzten Morgen im Krankenhausbett.

Dieser dunkle Zustand taucht wieder auf. Ein Gefühl tot zu sein.

Wie besprochen, lasse ich ihn diesmal zu, in der Vermutung, dass dies ein Wiedererleben ist von damals und mich nicht fürchten brauch.

In Bruchteilen von Sekunden verwandelt er sich und ich spüre wie ich ins Licht aufsteige. Plötzlich ist alles klar und die Wahrheit durchflutet mich, dass es mir den Atem raubt und ich sofort von dieser Empfindung zurückspringe und meine Tränen unter der Decke verstecke.

Ich bin gestorben – damals.

Meine Bettnachbarin reagiert auf mein Weinen, streckt ihre Hand in meine Richtung, ich ergreife sie und halte mich daran fest, während ich ihr weinend erzähle, was ich eben gefühlt habe.

Dann stehe ich auf, versuche Abstand zu finden.

Bis heute…

Ich denke, es ist alles gut, auch wenn es mir das Herz bricht.

 

 

Es geht weiter

Jaja… passt ja wieder mal alles zum aktuellen Januar-Horoskop der Sein-Zeitschrift.

„…zeigen Pluto, Uranus und Lilith ernsthaftere Probleme an. Wenn man diese eh schon hat, kann diese Neumond-Phase durchaus eine größere Wende einleiten. Pluto steht für tiefgreifende Wandlungen, Uranus für Um- und Durchbrüche, Lilith für eine gewisse Unausweichlichkeit, im Sinne von „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Also ging es dann heute gleich weiter im Gespräch mit Frau Helferin. Der Abschiedsprozess zieht sich zwar noch ein wenig, da wir die Abstände zwischen den Terminen stark vergrößert haben, trotzdem bin ich heute urplötzlich in heftige Verlassen-werden-Angst, ja regelrechte Panik verfallen, nachdem ich vorher im totalen Widerstand gegen alles war.

Völlig ungewohnt, so massiver Widerstand. Es ging darum zu überlegen, was ich heute und die Tage noch brauchen könnte. In mir kam – Nein! Mach ich alleine!

Es ging um Ideen, wie die letzten Stunden gestaltet werden könnten. Notfallpläne schreiben, die sie dann ersetzen. In mir kam diese Wand – Nein!

Sie fahre noch drei Wochen in die Schweiz, um dort zu arbeiten. Na wie toll! War da ein aggressiver Unterton? Sie plane eine große Indienreise, Ende des Jahres und braucht noch Geld, deshalb die zusätzliche Arbeit. Was!? Da konnte ich schon gar nicht mehr richtig hinhören. Sie hat sich gefreut. Ich hab versucht nach außen mit zulächeln und war, glaube ich stinksauer. Wann wir uns sehen wollen, vor ihrer Schweiz-Reise nochmal oder erst wieder danach? Am besten gar nicht mehr!

Das hab ich etwas abgemilderter an sie weitergegeben. Als sie dann sagte – na gut, wir müssen keinen Termin vereinbaren – kam so eine starke Angst nach vorne und all die Gefühle, um die es wahrscheinlich hinter dem Widerstand ging. Denken ging gar nicht mehr. Ich ließ mir von ihr ihre Abwesenheitszeit aufschreiben und einen Telefontermin diese Woche, um das mit dem Termin nochmal zu besprechen, währenddessen ich meinen Panikanfall regulierte.

Gut, haben wir das also auch noch mitgenommen. Ich glaub, nun habe ich alle großen Kernthemen in mir durch. Ooooder??? 😉

Und trotz alledem, habe ich mich heute Nachmittag in so eine tiefe Entspannung und ins Vertrauen bringen können, das ich gerade lächelnd mit allem bin. Eine unglaubliche Entwicklung!

Was ich noch spannend finde ist, das Frau Helferin glaubt, wenn ich alleine mit dem Trauma arbeite (wie bisher), das zwar funktioniert, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt, weil ich Urvertrauen nur innerhalb einer Beziehung lernen könnte und dieses Urvertrauen nötig sei, um die Erfahrung zu integrieren. Ich weiß nicht. Ich spüre momentan noch, dass ich damit alleine weiter mache und mir keine therapeutische Unterstützung hole. Damit bin ich ziemlich klar.

Ironie des Schicksals

Oder, das Universum traut mir große Aufgaben zu.

Frau Helferin (ambulante Betreuung) wollte doch eine Karte schicken, bevor sie hier in den Flieger steigt, Richtung 3 Wochen Urlaub.

Keine Karte kam.

Ich hatte deshalb eine richtig fette Krise, heftige Verzweiflung und Not, viel Krisenintervention, auch um selbstverletzendes Verhalten zu verhindern. Und zusätzlich erlebte ich den Wechsel der Betreuung von ihr zu einer Vertretung, als so heftigen Bruch, der im Inneren gar nicht verstanden werden konnte. Warum da vorher Nähe war und dann plötzlich nicht mehr, wo doch so viel alleine nur wegen dieser Nähe nach vorne gekommen ist und nun ganz schrecklich, ohne Halt in der Luft hing, ohne Gegenüber.

 

Notizen vom 26.06.2015

„Wissen sie, ich habe mich da eingelassen, auf ihre Idee vom Nachreifen. Und jetzt sitze ich hier, voller Schmerz und Verzweiflung, ganz alleine und weiß nicht mehr, ob das eine gute Idee ist. Ob ihnen eigentlich klar ist, was sie da auslösen.

Da werde ich wütend, wenn ich Herrn … (Vertretung) frage, auf welchem Stand er ist, was er weiß und er mir erzählt, dass es gut laufen würde, ich mir näher komme. Und er aber nicht weiß, was dieses Näherkommen für Türen aufstößt, Dinge auslöst, Emotionen hervorholt. Ich weiß nicht mal, ob sie das überhaupt wissen. Ich fühle mich alleine gelassen. Ich fühle mich alleine.

Dass sie nicht da sind, tut unglaublich weh. Und ihr Brief ist auch nicht gekommen. Haben sie mich vergessen? Liegt es an der streikenden Post?

Ich sitze hier in meiner Verzweiflung, heule herum. Hab in meiner Not in ein Diktiergerät gesprochen und geweint, damit ich überhaupt festhalten kann, was ich fühle. Damit es vielleicht doch jemand mitbekommt, dass da noch mehr läuft, als das gute Bewältigen von Panikattacken.

Ich fühle mich armselig, weil ich so fühle. Habe mich deshalb ziemlich stark geboxt.

War es richtig sich auf Nähe einzulassen? Wo führt das jetzt hin? Sie fehlen mir. Da ist ein riesen Schmerz. Das soll gut sein? Das soll hilfreich sein? Wie geht es weiter? Was soll ich damit tun? Ist es gut, diese Abhängigkeitsgefühle zuzulassen? Ist es gut, es überhaupt aktiviert zu haben? Wissen sie, auf was sie sich da einlassen? Können sie mir versprechen, dass es am Ende gut ausgeht?

Diesen Prozess alleine zu tragen ist unfair. Damit jetzt alleine dazusitzen ist unfair.“

 

So nach 1,5 – 2 Wochen klangen die Gefühle ab. Die Karte wurde nicht mehr wichtig. Ich weiß nicht, was dazu im Inneren los war, aber ich richtete mich darauf ein, dass ich alleine war und bin. Wut florierte unkonkret herum.

Die Urlaubszeit war um. Heute hätten wir unseren ersten regulären Termin gehabt, welchen ich absagte. Immer noch keine Karte da. Viel Wut. Angst vor der Begegnung und Klärung. Überforderung, zu den bisherigen täglichen Anstrengungen, mich auch noch mit dieser Beziehung auseinander setzen zu müssen. Deshalb die Absage. Auch ein Gefühl, momentan sehr gut ohne Betreuung klar zu kommen, sie nicht mehr zu brauchen. Und Wegstoßen wollen, Abstand halten wollen. Bloß nicht wieder so nah kommen und wieder mit solchen heftigen Gefühlen konfrontiert zu sein. Eine Bindung fühlte ich nicht mehr. Kein Vertrauen und kein Gefühl mehr, mich bei ihr entlasten zu können.

Gerade heute, wo wir uns eigentlich das erste Mal wiedergesehen hätten, mache ich abends den Briefkasten auf und ein Brief von ihr ist darin. Verschickt am 18.06.. Ich bin in Tränen ausgebrochen, hab gelegentlich mal fassungslos gelacht und war unglaublich wütend. Ich habe das Universum beschimpft, wie es mir so etwas antun kann, all dieses Leiden und gleichzeitig war mir klar, dass ich Riesiges bewältigt habe und diese Situation mich dort hin geführt hat. Trotzdem… soviel Schmerz. Das hätte alles nicht sein gemusst.

Und dazu ist diese Karte auch noch so liebevoll gemacht und so nah, dass ich deswegen noch mehr weinen musste. Sie hatte extra ein Bild kopiert und darauf geklebt, welches mir mal sehr gefiel und diesen Text dazu geschrieben: „Liebe Frau …, liebe kleine Sophie, ich bin im Urlaub, aber nicht weg von der Welt. Ich bin immer noch da und ich komme auch wieder und freue mich darauf, sie wiederzusehen. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit. Lieben Gruß …“

Nichts ist umsonst, ich weiß. Aber diese Sache hatte einen hohen Preis. Ich weiß noch nicht, wie sich das auf die weitere Beziehung auswirkt. Es tat so weh und das irgendwie alles umsonst. Versteh das mal einer.

Ich bin hin und her gerissen. Habe aber nicht mehr das Gefühl, sie wegstoßen zu müssen.

 

Wellengang – auf und ab

07.01.2015

Heute hatte ich einen Weiter-weg-Blick auf mein gesamtes aktuelles Leben.

Da war eine kleine Beschäftigungsstelle, von der ich vor 2 Monaten noch nicht zu träumen wagte.
Da war ein Ort der zwanglosen, nicht zu nahen Begegnung, wie ich es mir so oft ersehnt hatte.
Da war ein Hr. Helfer, der mir so unglaubliche Selbsterfahrungen und –erkenntnisse bescherte, womit ich niemals gerechnet hätte.
Plötzlich besuche ich auch eine DBT-Gruppe, wo ich schon seit 2011 geahnt habe, dass das etwas für mich sein könnte.
Dazu eine tolle Ärztin. Auch eine Therapie, die ich eigentlich nicht mehr bräuchte, weil ich gewachsen bin.
Eltern die noch leben. Und wertvolle Herzverbindungen.

Soviel Unterstützung und Entwicklung.
Eine tiefe Welle der Dankbarkeit ergriff mich.

 

10.01.2015

Gestern das Gespräch mit Herrn Helfer und der neuen Frau, die die Hilfe evtl. übernimmt, gehabt, bei denen im Büro.

Es war krass. Krass wie ich mich gefühlt habe, was da alles hoch kam. Krass so gesehen zu werden, sich so offen zu zeigen. Da waren unglaubliche Kämpfe und widersprüchliche Gefühle in mir und alle wurden ausgesprochen, aber als Gefühl versucht massiv zurückzuhalten. Krass für mich vor anderen so kindlich zu werden, unsicher, Kontrolle verlieren, nicht mehr sprechen können, weil eine Panikattacke bekämpft wird. Herr Helfer spricht für mich weiter – ebenso krass. Jemand unterstützt mich – Konflikte, Konflikte im Inneren – einer nach dem anderen.
Es wird verstanden, dass wenn ich mich verlassen fühle, dann noch nach Rückversicherungen frage. Ich selbst kann es in dem Moment gar nicht verstehen. Nehme nur wahr, dass ich so bin und schäme mich in Grund und Boden. Vor dieser Frau, die ich gar nicht kenne und die das alles sieht, so viele Fragen stellt. Ich fühle mich in die Ecke gedrängt. Gebe Antworten, die mir im nächsten Moment falsch vorkommen, unvollständig. Weitere Konflikte in mir. Puhhh…

Heute zu Hause überrollt mich dann die Erkenntnis. Plötzlich sehe, fühle ich ganz klar, wie ich meine Gefühle vor anderen ablehne. Wie stark ich mich ablehne, wenn jemand dabei ist. Besonders die alten, schwachen, kleinen, ängstlichen, unsicheren Gefühle.

Im Gespräch sagte ich auch, dass ich das voll übertrieben fände, zusätzliche Rückversicherungstelefonate mit Herrn Helfer. Danach, dass es hilfreich wäre. Hin und her. Wahnsinn. Ich war so fertig danach. Habe erst als ich zu Hause wieder ankam, gemerkt, dass das was Heftiges war. Meine Arme und Hände fingen an zu kribbeln (die zurückgehaltene Panikattacke) und dann lösten sich die Stress-/Angsttränen und ich sah’s weinend im Bad. Es wimmerte die ganze Zeit, diese Veränderung nicht zu wollen, nicht zu können usw..

Das ist eine unglaubliche emotionale Herausforderung.
Und es kommt mir immer noch fremd vor, dass ich so bin, dass das wirklich ich bin. Das ich all diese Gefühle habe. Da hänge ich noch im alten Ich, welches mit so etwas nichts zu tun hatte. Da spalte ich heftig ab.

Habe mir in der Meditation gesagt, dass ich mich auch damit liebe. Bin in Tränen ausgebrochen und die Antwort war “das kann ich dir gar nicht glauben.” Ist trotzdem was angekommen. Bin mir näher gekommen.

 

15.01.2015

Dieses Gespräch hat Türen aufgerissen. Übermäßige Angstreaktionen in Situationen die eigentlich schon angstfrei waren. Weinerlich. Geringe Stresstoleranz. Versorgungsprobleme.
Alles zurückgefahren. Arbeit abgesagt. Fällt mir schwer. Gefühl wieder bei null anzufangen. Körper macht schlapp. Herzflattern, Schwindel, zittrige Beine. Schwächemomente.
Lyrica ausprobiert. Hat sehr starken Suchtdruck ausgelöst. Wieder abgesetzt. Schade. Hatte gehofft, damit die Ängstlichkeit etwas zu mildern.

Mit der Realität kämpfen – so aktuell wie eh und je. Ziele, Wollen loslassen und das Jetzt annehmen bleibt wohl immer eines meiner eher herausfordernden Themen. Meditation hin oder her.

De-Eskalationsversuche

Genug probiert, gefühlt, durchfühlt, umgelenkt, abgelenkt, ausgehalten. Zu lange ohne Unterbrechung. Zu oft ans Schneiden gedacht. Glück gehabt und einen ironischen Lachanfall als das Keramikmesser, diesmal längs angesetzt, nicht scharf genug war.

Nicht ernsthaft sterben wollen, doch ernsthaft fühlen, Schmerz verdient zu haben, Strafe verdient zu haben. Auch Eskalation zu wollen. Drama zu wollen. Gründe zu wollen.

Dieses Geschrei aus vielen Richtungen in meinen Kopf beginnt wieder. Spiralförmig. Sich zuspitzend. Nur schwer einen Ausgang findend. Aus den Anfangsgefühlen werden aufgestapelte, sich gegenseitig anspornende Panikgefühlswellen. Sicherheit verlieren. Die Sicherheit etwas in der Hand zu haben, um mich auffangen zu können, um auszuhalten zu können bis es anders wird, umlenken zu können ins Jetzt. Den Blick verlieren, dass es ein Jetzt gibt, in dem ich nicht mehr bin. Die Vorstellung verlieren, dass es eine Phase ist (wie immer) die vorüber geht. Bis über die Ohren drin stecken.

An Kriseneinrichtungen denken. Nicht wissen, welchen Grund ich für Hilfe dort angeben sollte. Was soll ich dort sagen?

Sinnlosigkeit von Kriseneinrichtungen erkennen, verlängern sie doch nur das Grundthema. Verlassen werden. Verloren fühlen. Reaktivierung des Verlassen-seins durch die Stundenreduzierung der Therapie. Gehe ich zu einer anderen Einrichtung, um dann beim Gehen wieder die gleiche Reaktivierung zu durchlaufen. Wenn ich mir Hilfe/Halt woanders hole, ist das doch ein stetiger Kreislauf von Abhängigkeit der kein Ende findet und immer wieder die gleichen Gefühle erzeugt. Wie soll ich damit umgehen?

Ich verbiete mir Abhängigkeit. Rufe niemanden an. Wann ist Hilfe Hilfe und keine Abhängigkeit? Darf auch Abhängigkeit helfen?

Phantasiere Selbstverletzung als Aufnahmegrund (obwohl es darum gar nicht geht). Verbiete mir auch das. Verbiete mir agieren, weil es Betrug ist. Kann mich nicht als Opfer ausgeben und um Hilfe bitten, wenn ich selbst der Täter bin. Und das auch noch im vollen Bewusstsein. Nichts mit Handeln aus Affekt. Kann ich gar nicht. Hätte mich im Griff haben müssen. Trage selbst die Verantwortung dafür. Wie mich Bewusstheit manchmal ankotzt.

Meine Schultern und Nacken wie Stahl und voller Schmerz. Seit Tagen Angstträume. Meine Verdauung streikt. Alles liegt schwer im Magen. Überempfindlichkeitsreaktionen. Verkrampfter, harter Bauch.

An Skills viel probiert, mit eher kurzen Effekten. Emotionen fühlen dürfen. In den Arm nehmen. Mitgefühl haben. Hinter die Selbstverletzungsgedanken fühlen. Daumen lutschen. Körper abklopfen. Erdendes Duftöl. Rescuetropfen. Singen. Mit Mutter-Erde verbunden. Umhülltes, geborgenes Baby in meinem Schoß imaginiert. Versuchen Haushaltsdinge zu tun – Ablenkung. Film geschaut.

Am Ende des Tages schiebt sich die Frage nach erneuter Medikation in meinem Kopf. Erst einmal Widerstand.

Heute Morgen in einem ruhigen, mitfühlenden Moment spüre ich, dass das die richtige Entscheidung ist. Alle weiteren Gedanken die das Gegenteil behaupten, erkenne ich als destruktiv, mir einreden wollend, ich sei dann nicht stark genug gewesen und ich würde mich durch eine Substanz kontrollieren lassen.
Mit 5 mg Paroxetin gestartet und ich habe das Gefühl ein Stück Kontrolle zurückbekommen zu haben. Ich kann etwas für mich tun, ohne andere dafür zu brauchen.

Krise goes on

Termin bei der Frauenärztin. Sitze vor ihr steif wie ein Brett. „Ich glaub, ich kann das hier heute nicht.“ Presse die Worte „sexueller Mißbrauch“ und ein, zwei erklärende Sätze über meine Lippen. Kann sie kaum anschauen und kämpfe mit den Tränen. Gleichzeitig überrascht mich meine Reaktion.
Wie gut meine Verdrängung immer wieder funktioniert. Im Reha-Bericht tauchte das Wort Dissimulation mit Fragezeichen auf. Verleugnung von Krankheitssymptomen. So bin ich auch ganz normal zum Frauenarzttermin und habe mir nichts dabei gedacht. Wie auch in all den Jahren vorher nicht. Erst als mein Name aufgerufen wurde, kamen die Ereignisse und Erinnerungen der letzten Tage hoch und ich fühlte, dass ich niemanden an meinen Körper lassen wollte. Niemals wieder mehr.

Plop, war ich wieder drin im Fühlen von damals. Ich wurde mißbraucht. Mein Körper wurde benutzt. Was für ein Schmerz. Ich muss darüber sprechen. Ich muss unbedingt darüber mit jemandem reden. Ich kann das nicht alles bis zur nächsten Therapiestunde in 5 Tagen in mir halten.

Ich bin im Kümmer-Autopilot. Da gibt es kaum Zweifeln und Hadern, da wird einfach getan. Ich rufe die Reha-Therapeutin direkt auf ihrem Apparat an. Sie ist tasächlich da. „Können sie Krisengespräche anbieten?“ Kann sie nicht. Sie habe selbst eine Kur beantragt und bittet mich, mich anderweitig umzuschauen. Wums! Ich beende extrem schnell das Gespräch. Das emotionale Packet hat sich nun verdoppelt. Ich werde zurückgewiesen und das von ihr. Das tut ebenfalls weh. Es ist keiner da. ES IST WIEDER KEINER DA! Die Optionen verringern sich enorm. Ich kann nicht einfach so mit irgendjemanden über das Erlebte sprechen. Es müssen schon positive Erfahrungen gesammelt worden sein. Ich muss denjenigen kennen. Ich hänge voll in der Verzweiflung. Auch meine Ärztin erreiche ich nicht. Ich werde noch verzweifelter. Bleibt nur noch das Krisentelefon von einer Beratungsstelle für Frauen (Lara). Ich glaube nicht daran, dass das hilft. Die Frau vom Vorgespräch gestern, wurde nicht als vertrauenswürdig eingestuft und am Telefon ist dann auch irgendwer.

Ich rufe trotzdem an. Völlig aufgelöst schluchze ich ins Telefon: „Ich weiß nicht was ich tun soll.“ Wenn ich so etwas sage, ist es schon Alarmstufe rot. Und gleichzeitig ist es ein enormer Erfolg, weil es bedeutet, ich kann zulassen keine Kontrolle mehr zu haben und kann es sogar jemandem zeigen.
Ich kam nur dazu zu sagen, dass ich wegen des Mißbrauchs reden müsste, aber niemand da sei und mich das in genau die gleichen Gefühle von damals bringt.
Und dann folgte das hilfreichste Krisengespräch, welches ich jemals in meinem Leben hatte. Man half mir mit warmer, weicher, verständnisvoller Stimme beim Fühlen, beim Durchfühlen. Ich war erst sehr irritiert, weil ich nur noch verzweifeltes kleines Kind war, was wollte das jemand etwas tat. Das jemand sagte, ja kommen sie hier her, hier können sie erst mal sein oder gehen sie da und da hin, da können sie reden. Nichts davon geschah. Man bot mir keine Lösungen an, man forderte mich nicht auf Lösungen zu suchen. Man nahm einfach Anteil daran, dass das gerade eine sehr schwere Situation ist, so alleine zu sein, lud mich ein einfach weiter zu weinen, während sie ein bisschen sprach. Sie motivierte mich die Gefühle zuzulassen, im Körper zu spüren, neugierig zu verfolgen. Sie ging mit meinen Bewegungen mit, mit meinem Schmerz, mit meiner Wut und dann wieder Schmerz. Alles über Körperwahrnehmung und sein dürfen, auch ohne sprechen. Ich durfte auf sie wütend sein, weil sie mir so nah kam. Ich durfte meine Phantasie dazu beobachten und mitteilen. Das ich mich erst von ihr wegdrehe und gehen will. Dann stehen bleibe, weil ich da bleiben will. Dann sie laut anschreie. Nach dieser Phantasie ging es mir echt besser.
Eine ganz neue Erfahrung. Irgendwann hab ich diese Art der Nähe dann doch nicht mehr ausgehalten, mich bedankt und das Gespräch beendet, obwohl sie bis zum Schluß mit mir meine Gefühle begleitet hätte, bis es ruhiger geworden wäre. Ich habe dann ohne sie weiter gemacht, hatte wieder etwas Orientierung dazu. Mit gutem Ausgang.

Man war das heftig!