Außenwirkung

Die Menschen sehen das Neue von mir. Das Üben von neuem Verhalten und machen sich daraus ein Bild, wer ich bin.

Mir wird heute bewusst, wie intensiv ich neues Verhalten übe und dass das dazu führt, dass mein neueres, nicht nahes Umwelt kaum mein altes Verhalten kennt, davon weiß, woher ich komme oder kaum bis gar nicht mitbekommt, was mich dieses Üben kostet, aus welcher inneren Landschaft heraus es entspringt.

Das kommt mir, nachdem mir heute die Chefin im Zuverdienst sagte: „Ich dachte nicht, das Nein-Sagen dein Problem ist.“

Ich scheine also öfter Nein zu sagen. Ich scheine Grenzen zu setzen. Ich scheine Klarheit zu vermitteln. Das nehme ich auch so wahr.

Nicht sichtbar bleiben die Momente, wo ich noch nicht nein sage, obwohl es besser für mich wäre. Nicht sichtbar bleiben das Herzrasen, das Schlucken und das Vibrieren, wenn ich Nein sage. Nicht sichtbar scheint meine Unsicherheit.

Heute war ich arbeiten und hätte es nicht tun sollen. Es war kein Gewinn. Meinen Körper habe ich etwas abverlangt, was größere Kosten erzeugt hat. Die Arbeit hat mir im Gegenzug nichts gegeben.

Ich erzählte ihr zu Beginn, dass mein Körper sehr lädiert ist und ich mir nicht sicher bin, ob es gut ist hier zu sein. Ich konnte mir nicht erlauben, wahrzunehmen, dass ich nichts mehr zu geben hatte und habe mir trotzdem etwas abverlangt.

Und sie dachte halt, wenn ich da bin, dann kann ich das auch, weil ich ja keine Probleme mit dem Nein-Sagen hätte. Das führte zur Belobigung meines Kommens, trotz körperlicher Erschöpfung. Ich konnte mit dem Lob gar nichts anfangen und sagte darauf, dass es manchmal eher Lob fürs Nicht-kommen braucht.

Da kam es dann zu der obigen Aussage und ich erklärte, wie es für mich ist.

Und trotzdem bin ich dort geblieben. Eigenes widersprüchliches Verhalten. So dass sie auch zum Feierabend wieder eine Bestärkung aussprach, weil ich ja doch was gemacht hatte.

Nach welchem Maßstab Menschen mein Verhalten als gut oder weniger gut einschätzen, hat so gar nichts mit mir zu tun, sondern eher mit ihrem Bild, ihrer Vorstellung von etwas.

Daneben gefällt mir aber auch meine eigene Vorstellung, dass neue Menschen eher mein neues Selbst sehen, ein Selbst das viel stärker, klarer, authentischer ist, als das was davor war.

Das wirkt an mancher Stelle bestimmt irritierend, wenn ich an mein Gespräch gestern beim SpD denke, wo ich relativ selbstsicher von meiner Situation erzählt habe und welche Hilfen ich als sinnvoll erachte. Von Hilfebedürftigkeit war da wahrscheinlich gar nichts zu spüren. Sie musste sich auf meine Worte verlassen. Ich war froh, dass ich das schon an anderen Stellen besprochen hatte und dadurch von ärztlicher Seite Gewicht in meine Worte packen konnte.

Hahhh!

Ich stelle mich neuen Situationen. Ich gehe bewusst in Situationen, bei denen ich einen Widerstand habe, weil sie fremd und neu sind.

Frau Helferin ist dabei. Das ist schrecklich und gut zugleich.

Wir sitzen gemeinsam im Auto und fahren Orte ab, wo ich mal wieder tanzen gehen könnte.
Der erste Schritt, mich dem anzunähern. Schauen, wo ist das, wie sieht es da aus, wie fühlt es sich an.
Ressourcenaktivierung.

Ich begegne mir, so wie ich mir bisher nicht begegnet bin, weil ich diese Bereiche viel vermieden habe. Lieber auf einen guten Moment warten, der selten, bis nie kam.

Ich fühle Angst.
Ich will keine Angst fühlen.
Sie soll nicht sehen, wie viel Angst ich habe.
Ich kämpfe gegen mich.
Hör auf Angst zu haben. Es gibt doch überhaupt keinen Grund. Hab dich nicht so.
Ich kämpfe gegen sie.
Sie soll das alles nicht sehen. Ich schäme mich. Ich bin doch erwachsen. Ich sollte das doch können.

Gehe erst alleine los, um zu schauen. Sie wartet im Auto. Komme nicht weit. Trau mich nicht durch die erste Tür, weil sie keine Klinke von innen hat. Angst eingesperrt zu sein.
Zurück zum Auto. Projekt gescheitert.
Ich fühle, dass ich hier Hilfe brauche.
Ich will ihre Hilfe nicht.
Ich bin froh, dass sie da ist.
Hin und Her. Hin und Her. Enge in mir. Alles schiebt/drängt sich gegenseitig weg.
Ich könnte schreien, weinen, mich in Luft auflösen gleichzeitig.

Hilflosigkeit. Alles passiert einfach nur noch. Kein Durchblick.

Heraus kommt: Kind sein. Weinerlich. Still. Pessimistisch. Sich winden. Ausweichen wollen. Verstecken. Aufgeben. Widerwille. Sich ziehen lassen. Entscheidungen abgeben.

Noch mehr Angst.
Hält sie das aus, hält sie das aus? Erträgt sie mich so? Bin ich nicht ganz schrecklich so?
Bin ich so? Bin ich so?
Oh Gott, so bin ich (auch)!

Hahhh!