Die Geschichte hinter den Klicks

Rapunzel hat sich vor einiger Zeit auf Ihrem Blog mal gefragt, wer da eigentlich alles so bei Ihr liesst und welche Betroffenen-Geschichten dahinter stecken.

Sie lud Ihre Leser dazu ein, ihre Geschichte als einen Gastbeitrag bei Ihr zu teilen. Zur Orientierung gibt es 5 Fragen.

Ich habe mich nun getraut und eine Kurzfassung geschrieben.

Sophies Story

Das zu schreiben war ganz schön aufregend und arbeitet immer noch in mir. Auf eine gute Weise.

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Abschied der Begleitung im Betreuten Wohnen

Die Liebe festhalten.

Sie war heute nochmal hier. Zum verabschieden.

Die Liebe festhalten, die ich fühle. Konservieren, in einem Glas. Was für eine schöne Idee, bei Birke gelesen.

Die Liebe die mein Herz erfüllt, immer noch, nach dem sie gegangen ist.

Meine Fragen nach ihrer Schwangerschaft, die sie ganz offen beantwortet, sich auch mir anvertraut (wo sonst ich mich immer ihr anvertraue) mit den nicht so leichten Veränderungen. Weich werden, weinerlich, dünnhäutig, langsam. Deshalb das Arbeitsverbot.

Fühlt sich alles für mich richtig an und ihre Schwangerschaft öffnet bei mir das Herz und verbindet mich mit ihr, über das ungeborene Kind. Ich freu mich so sehr mit ihr und finde es fast schade, nicht weiter Teil sein zu können, wie dieses kleine neue Leben sich entwickelt und sie als nun Mutter an ganz neuen Herausforderungen wächst und Liebe schenkt.

Vielleicht ist es auch diese mütterliche Weichheit, die mein Herz mit wärmt.

Zum Abschied fühle ich mich ihr so nah, dass ich frage, ob wir uns umarmen wollen. Sie wollte es mir auch anbieten. Wie schön, diese Umarmung, so warm verbunden. Wie schön zu fühlen, dass ich sie gehen lassen kann und innerlich trotzdem bei ihr bleibe.

„Danke für diese Zeit“, sagt sie an der Tür. Ich staune. Bin ich doch der Mensch, der Klient, der betreut wurde, mit vielen anstrengenden Momenten. Und sie bedankt sich. Trotzdem. Das macht viel mit mir, zeigt es mir, dass sie wirklich bei mir war. Da trinke ich, aus diesem Brunnen der Zuneigung, lösche meinen Durst und möchte mich am liebsten nie mehr aufhören so zu fühlen.

Im Herzen gesehen. Im Herzen berührt. Von Herzen gewollt.

Diese Erfahrung konservieren, einprägen, sorgsam aufheben. Wichtig!

Keine Tränen danach, wie ich erwartet hatte. Traurigkeit in einem Teil, ja. Ja, Traurigkeit darf sein, mich in meiner Wohnung einmummeln darf sein, mich trösten darf sein.

Wie schön!

Rückblickend war es eine gute Zeit, eine gute Zusammenarbeit. Ihre Offenheit. Meine Offenheit. So konnten wir einiges ausprobieren. Nicht immer leicht, nicht immer fröhlich. Öfter genau das Gegenteil. Doch meist offen (und mutig).

Ich bin sehr dankbar für diese Begegnung.

Eine große Entwicklung, meiner Sehnsucht nach Nähe und Berührung näher zu kommen. Tröstendes Hand auf den Arm legen oder auf den Rücken. Oder meine Hand kurz halten und drücken. Mein Bein festhalten beim Zahnarzt. Sich neben mich stellen und meine ganze Körperseite mit ihrem Körper berühren, als ich das Gefühl hatte auseinanderzufallen, kein Selbstgefühl mehr zu haben. Das war alles neu und mutig es anzusprechen/auszuprobieren. Und es war sehr hilfreich, wie ich dabei herausfand.

Hilfreich, mich wieder zu spüren, ein Gefühl von Halt und Trost zu bekommen, ein runterfahren des Nervensystems. Ich war erstaunt und begeistert, wie sehr sich Berührungen auswirken und seit dem nimmt meine Offenheit zu, Berührungen zu geben und zu nehmen wenn es sich danach anfühlt.

Nun kommt etwas Neues. Ich weiß noch nicht was. Eine Vertretung gibt es. Wahrscheinlich eine ganze Weile, bis die Stelle neu besetzt ist und klar ist, wer die Betreuung zukünftig fest übernimmt.

Diese offenen Gespräche werden mir fehlen. Es ist für mich derzeit nicht möglich, so offen mit der Vertretung zu sprechen. Annäherung braucht Zeit. Da fehlt mir etwas Reflexionsraum, aber ich mache mir keine großen Sorgen. Das wird sich irgendwie fügen und finden.

Tagebuchnotizen 11.11.-13.11.17

11.11.     Wie eine Therapeutin sein müsste: viel Erfahrung + Ahnung von Trauma und Körperarbeit + großes Herz und Offenheit

Meine Gedanken leiden unter der Vorstellung, dass mir keine Liebe widerfährt, dabei erlebe ich sie jeden Tag. Sich nicht geliebt zu fühlen erzeugt ein riesengroßes Leid und Elend sein. Ich verstehe sie, die Gedanken, zeuge der Vergangenheit. Mir war gar nicht klar, wie schlimm sich das anfühlt, wenn einen keiner liebt. Wie ein Supergau auf geistiger/emotionaler Ebene.

Ich vermisse sie echt arg.

Ich habe das Gefühl, ich kann ohne diese Zuwendung gar nicht leben. Ich verstehe nicht, warum ich mich so fühle. Daran sind Gedanken geknüpft, nicht mehr leben zu wollen. Extreme Gefühlslage.

Krisentelefonat: Zuwendung zu brauchen ist ok, ist menschlich. Zu sehr darauf zu verzichten ist nicht gut. Sehr streng mit mir. Es alleine schaffen zu müssen. Vertretung ist dafür da, um Zuwendung zu geben. Kann dafür genutzt werden. Freundeskreis? Auf andere zugehen. Mich mehr zeigen. Wie kann Zuwendung im Freundeskreis ausgebaut werden? Ich darf es mir erlauben. War dabei in Muster zu rutschen, es mir zu verbieten.

Es wäre schön, wenn ich einen Freundeskreis hätte, der mich ebenso auffangen könnte, wie es das Betreute Wohnen tut. (Vorher noch nie diesen Gedanken gedacht)

12.11.    Erst habe ich nur Hass wahrgenommen, als Druck, Dichte am Hinterkopf links. Dann Hass auf alles und jeden. Daraus wurde Hass auf jemanden, mit Glaubenssatz, dass das ganz schlimm sei, jemanden zu hassen und deshalb nicht liebenswert und verurteilt und große Angst vor dieser Empfindung. Es konnte kaum geglaubt werden, dass es ok ist so zu fühlen. Es gab kaum Zugang dazu, dass es Gründe gibt/gab, die dieses Gefühl ausgelöst haben. Dann wurde Hass auf die Ergo-Frau wahrgenommen, auf eine ausgebremste Art. Als ich nochmal einladend sagte, dass es einen Grund gibt für dieses Gefühl, es damit berechtigt ist, taucht ganz kurz heftiger emotionaler Schmerz auf. Da war mir klar, der Hass versucht die Person, die Ergo-Frau wegzustoßen, damit sie keine Gelegenheit hat, dieser Schmerz erneut auszulösen.

Sie wird auch zukünftig eher rational auf meine emotionale Seite reagieren, also ist weiterer Schmerz sehr wahrscheinlich. Das macht es nachvollziehbar, warum ich mich dort nicht mehr öffnen kann, kein Vertrauen fühle, aufgehoben zu sein. Und ich kann das nicht trennen, nur für den praktischen, tagesstrukturierenden Aspekt dorthin gehen und den emotionalen, Beziehungsaspekt außen vor lassen.

Dann werde ich mich wohl verabschieden.

13.11.    Im Moment sieht es so aus, dass ich die Ergotherapie beenden werden, weil ich den Beziehungskonflikt nicht gelöst bekomme.

Therapie, weil ich gesehen werden will?

Ich sehne mich auf der Beziehungsebene so sehr nach dem gesehen werden. Das ist wie ne Sucht.

Ein paar Wochen ohne Raum nur für mich und ich fühle mich einsam und noch irgendwas unangenehmes.

Rechtfertigen tu ich meinen Wunsch nach therapeutischen,  haltendem Rahmen mit, es ist noch nicht alles gesehen worden.

Wieder ausschlagen tu ich mir diesen Wunsch, diese Sehnsucht mit dem Argument, dass ich lernen will (muss) mich selbst zu halten, mich selbst zu sehen. Und das es nicht richtig ist, zu versuchen diese Sehnsucht im Außen zu stillen.

Und trotzdem fehlt mir was. Ja was eigentlich? Nähe? Liebe? Und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll und ob es richtig ist, mich alleine darum zu kümmern.

Herr, bitte führe mich in dieser Frage. Ich bin bereit Unterstützung anzunehmen, wie sie gebraucht wird und zu welcher Zeit sie gebraucht wird, um in meinem Herzen Frieden zu finden. Danke!