Eine Phase des Nicht-Wissens

Es ist alles nur der nächste Schritt. Der nächste Schritt, der zu weiteren Schritten führt. Kein Ankommen. Nichts wo ich bleibe.

Kann das okay sein, für mich?

Ungewohnt. Nachdem ich so lange davon ausging, dass es darum geht, irgendwo anzukommen.

Jetzt weint es. „Ich wollte doch einfach nur irgendwo ankommen.“ Ich fühle mich sehr traurig darum, das jetzt loszulassen. Zuzulassen, dass es immer ein Weitergehen ist.

„Dann möchte ich wenigstens bei dir sein.“ Kuschelt sich etwas an meine Brust, an mein Herz, zwischen meine Hände.

Der Verstand, aufgebracht. „Es macht mich ganz irre, dass ich nicht sehen kann, wohin es führt.“

Werde ich bei Foodsharing aktiv sein?

Was kommt bei dem Termin in der Hozwerkstatt heraus? Werde ich dort mal 1 h reinschnuppern? Was kommt danach? Werde ich Kontakt zur anderen Werkstatt aufnehmen?

Werde ich die Selbsthilfegruppen weiter besuchen?

Eine Phase des Nicht-Wissens, denke ich.

Ich weiß allerdings, dass ich weiter im Garten werkeln werde. Ich weiß, dass ich weiter kochen, duschen, putzen und Sport treiben werde. Trampolin springen, meditieren, spazieren und in der Gegend herum fahren werde. Zur Bibliothek gehen, an der Online-SHG teilnehmen, mit Freunden sprechen werde.

Ich werde lesen und vielleicht auch mal wieder malen und singen und tanzen und wahrscheinlich auch lachen.

Ankommen in der Welt

Ahhh, ist das alles aufregend, es alleine und selbstständig zu machen. Ohne doppelten Boden und Sicherheitsnetz. Ohne Rahmen und Halt. Wie frei sein und schweben in unendlichen Möglichkeiten und dabei den Grund nicht verlieren.

Fokus auf Grund und Boden. Bodenhaftung einbauen. Ausrichten auf Bodenhaftung und stehen

Stehen bleiben auf festem Grund, der mich trägt, der uns alle trägt. Auch in der grenzenlosen Freiheit und all den Möglichkeiten des Seins.

Heimat finden in der Weite und in dem Nebel der Unwissenheit. Vertrauen finden im Nicht-Sehen können, was wann kommt. Zutrauen finden im Nicht-Wissen und der Weisheit, dass alles hält und trägt. Auch im Schweben, auch im Schwimmen, auch in der Weite.

Das Liebe die Dinge zusammen hält. Im Guten, in der Weisheit ausgerichtet. Dem Selbst, dem inneren Klang vertrauen. Dem eigenen Ausdruck vertrauen. Der eigenen Richtschnur vertrauen.

Losgehen, auf eigenen Füßen. Dem Weg folgen, der sich zeigt. Von Augenblich zu Augenblick. Von Moment zu Moment hier sein. In der Liebe, im Wahrnehmen, im Annehmen was ist, was kommt und was geht.

Zutrauen finden in die Ereignisse, in Gute wie Schwierige. Liebe finden in den Weg, mit Stolpern und Fallen. Mit blutigen Knien und Wunden. Blumen am Wegesrand und Menschen, die Hände reichen.

Zutrauen finden in die Liebe und ins Hier sein, mit allem drum und dran. Dem Schweren und dem Leichten, dem Finden und dem Verlieren, dem Festhalten und dem Loslassen.

Klammern Raum lassen. Zittern und Vibrieren erkennen, bei der Idee loszulassen. In den Raum, in die Welt, in die Weite, in die Freiheit, die trägt.

Noch ein Widerspruch – Freiheit die trägt. Es ist okay so. Es ist ein Weg, der nirgendwo anfängt und nirgendwo aufhört. Ein Schritt nach dem anderen. Und ans Atmen denken. Und die Liebe, die alles trägt.

Freiheit die trägt = Freiheit und Liebe?

Ich weiß es nicht.

Ankommen in der Welt. Den Geräuschen lauschen. Das Gewicht des Körpers spüren. Die Wärme unter der Decken.

Und atmen.

Üben, den Schmerz zu lieben

Dabei half mir heute eine Sufi-Belehrung, gefunden in dem Buch von Tara Brach, „Mit dem Herzen eines Buddha“, Seite 259.

Überwinde alle Bitterkeit, die dich befallen haben mag,

Weil du der Größe des Schmerzes, der dir überantwortet wurde,

Nicht gewachsen warst.

Wie Die Mutter der Welt,

Die den Schmerz der Welt in ihrem Herzen trägt.

Jeder und jede von uns ist Teil ihres Herzens

Und deshalb ausgestattet

Mit einem gewissen Maß an kosmischen Schmerz.

Ich stellte mich mir dabei als Kind vor, wie ich mich von einem Foto kannte. Ich fühlte dabei die Bitterkeit in meinem Kinderherz und die Wahrheit in der Aussage, dass der Schmerz damals viel zu groß war für ein Kinderherz.

Bei der Mutter der Welt, sah ich ein freundliches, liebevolles Gesicht, welches die gesamte Erde in ihren Armen hielt und voller Liebe den Schmerz darin hielt. Inklusive meines Schmerzes, der darin ein Teil war.

Da liefen die heilsamen Tränen, weil es etwas Größeres gab, worin mein Schmerz gehalten werden konnte.

Motivation

Der beste Motor für meine Motivation, die Dinge anzugehen, die ich mir vorgenommen habe, ist, die Auswirkungen bewältigen zu können.

Termin bei einer Beratungsstelle, um eine Selbsthilfegruppe zu finden.

Vorher Angst, beim Ankommen Angst, währenddessen Angst, danach Dissoziation.

Viele Werkzeuge angewendet. Vorher. Dort. Danach. Mit Erfolg.

Jetzt wieder zu Hause. Erschöpft. Vollständig. Ohne Angst und mit einem verdammt guten Gefühl, diese Sache geschafft zu haben.

Neurographik – emotionaler Schmerz

Emotionaler Schmerz ist derzeit mit eines der schwierigsten Gefühle, die ich haben kann. Von Intensität und Größe und Begrenzbarkeit.

So sieht der Schmerz in Linienverlauf aus.

Neurographische Linien, die das Thema eigentlich mit dem Rand verbinden, waren nur an zwei kleinen Stellen möglich.

Ich erkannte für mich die Aufgabe: Schmerz in etwas größeres Einbinden.

Dazu animierte mich auch eine Zwischenüberschrift aus dem Buch „Mit dem Herzen eines Buddha“, von Tara Brach: Schmerz ist nichts Persönliches.

Fortsetzung folgt…

Neurographik und Ich-Grenzen

Dieses Bild ist an mehreren Tagen entstanden. Gestartet mit dem Gefühl von Angst, ausgelöst durch den Besuch eines stationären Angebotes hier.

Am 2. Tag malte ich den oberen Kreis aus, mit dem Bedürfnis nach kräftigen Farben. Anders als das letzte Bild. Meine Deutung: ich fühle mich deutlicher.

Am 3. Tag malte ich den großen Kreis darunter aus. Nur der rote Bereich blieb noch farblos. Ich konnte noch keine Farbe sehen.

Am 4. Tag sah ich die Farbe rot. Und zum ersten Mal wurde mir klar, dass in allen Bildern bisher die Kreise ineinander laufen und das genau meinem Gefühl entspricht, mich nicht eigenständig, unabhängig zu fühlen. Auch die rote Farbe hatte das Bedürfnis am Kreisrand außerhalb weiter zu laufen.

Hier bin ich von den neurographischen Vorgaben, nach Gefühl zu malen, abgewichen und habe bewusst entschlossen, die Farbe am Kreisrand zu stoppen. Das fühlte sich richtig gut an, als würde ich meine Energie zusammenhalten. Das hatte erstaunliche Auswirkungen an dem Tag. Ich hatte mich immer wieder an dieses Gefühl des Zusammenhaltens erinnern können.

Dann kam das Bedürfnis einen eigenen Kreis für mich zu haben, der nicht überlappt, sondern nur angrenzt. Deshalb wurde aus der Spirale, die nur frei im Bild hing, ein Kreis. Wieder mit einem deutlich abrufbaren Gefühl, über den ganzen Tag. „Ich bin“ neben anderen. Ausmalen ging noch nicht.

An einem weiteren Tag wollte das „ich bin“ deutlicher werden und ich malte den roten Rand, allerdings nur bis zum Beginn der Spirale. Weiter war noch Widerstand.

Heute sah ich zum ersten Mal in mir, wie sich die rote Linie bis zur Mitte fortsetzte und nur eine einzige Farbe in den Rest wollte. Gelb. Meine Deutung: weniger Farben = mehr innere Klarheit und Übereinstimmung.

Faszinierend wie hilfreich mich diese einfache Technik begleitet! Und wie sichtbar und abrufbar ein Seins-Zustand wird!

Mir tut es richtig gut, diesen geschlossenen gelben Kreis anzuschauen, mit der innewohnenden Bewegung.

Und heute war, dazu passend, der erste Tag, an dem ich mich zu einer Gruppe setzen konnte, für ein Kartenspiel. Nach viereinhalb Wochen.

Neurographik

Die Verbindungen zum Rand sind an unterschiedlichen Tagen in Farbe gesetzt. Das, während eines psychosomatischen stationären Aufenthalt.

Die Stimmungsunterschiede sind für mich deutlich erkennbar. Spannend!

Zuerst ganz zaghaftes Pink und Rose.

Dann mutig kräftiges Rot, Orange und Gelb.

Und zuletzt buntes und strukturbrechendes Chaos. 😆