viel

Auf der Straße gehört: „Und dann bringen die ihre Krankheiten mit. Stecken uns Christen damit an und es bleiben nur noch Moslems übrig.“

 

Mich spricht ein Mann am Bahnhof an. Unbeholfenes Englisch. Er wolle kein Geld. Bittet um eine Übernachtung, mit Tee oder Kaffee. Er will nicht im Kalten schlafen.

Groß. Stämmig. Dreckig. Hilfloser Blick. Blutgerinnsel im Auge. Ich glaube ihm. Gewissensbisse. Oft hab ich mir diese Hilfe ausgemalt. Jemanden bei mir übernachten lassen. Mal eine Dusche. Kleidung waschen. Sauberes Bett. Und nun fragt mich tatsächlich direkt jemand danach und ich sage ’nein‘. Schaffe es die Seite zu sehen, die ’nein‘ gesagt hat und gebe ihr recht. Ich bin eine Frau. Ich lebe alleine. Männer lösen bei mir bestimmte Ängste und Verhaltensweisen aus. Ich hätte die Nacht kein Auge zubekommen. Es war berechtigt, aus meiner Perspektive.

Wo schläft man denn, wenn man in solch einer Situation ist? Hab neulich erst etwas von 200 Notübernachtungsplätzen im Winter gelesen, bei schätzungsweise 2000 Obdachlosen. Hätte ich ihn  irgendwo hin vermitteln können? Krisendienst?

 

Die erste Selbsthilfegruppe zum Thema Borderline/Trauma. In jedem Beitrag höre ich Teile von mir. Erleichterung. Entlastung. Ich könnte losplaudern, zu allem was sagen, von mir erzählen, wenn mir die riesige Angst mich zu zeigen, nicht immer wieder ein Kribbeln im Hirn und Wortleere verpassen würde. Es ist okay. Ich freu mich trotzdem. Bin voll von Eindrücken. Der Monolograhmen fühlt sich schützend an.

 

Komfortzone verlassen. Yogaübungen. Nichts von Entspannung. Immer wieder denkt es, ‚ich kann nicht mehr‘, ‚ich schaffe das nicht mehr‘, ‚ich will aufgeben, aufhören‘, ‚meine Beine werden wegknicken‘, ‚ich werde umkippen, wenn ich loslasse‘, ‚ich habe keine Kraft mehr‘, ‚ich kann mich nicht mehr halten‘. Mentale Muster. Immer wieder suche ich meinen Körper, suche und finde ein Vertrauen, dass er mich trägt, das die Energie mich trägt. Und sie trägt mich. Das mache ich im Sekundentakt, umlenken, zurückholen, weil die Gedanken immer wieder kommen und auch an Dramatik zunehmen. Scheiße anstrengend!!! Danach ist mein Verstand benommen, verwirrt, desorientiert. Ich stehe auf der Straße vor dem Studio. Irgendwie verloren und ohne Ziel. Weiß nicht wohin. Kann gar nichts mehr denken. Bin wach, aber nicht da. Will gerne weinen.  Schleiche stattdessen benommen durch die Seitenstraßen, weg vom Trubel und warte einfach ab, wie es sich weiter entwickelt.

Die erneute Empfehlung diese Übung zu Hause zu machen, täglich. Damit hab ich mich schon mal vor ein, zwei Jahren herumgequält und es dann sein gelassen. Ich winde mich. Versuche ihr das zu erklären. „Ich gebe so schnell auf.“ „Versuche es mal drei Tage.“ Nagut…

Meine Beine treten und schütteln und zittern, während ich sie in die Luft halte. So frei hätte ich es mir in der Yogastunde nicht getraut heraus zu lassen. Weinen entlädt sich. Mir wird heiß. Außer die Füße. Die bleiben konsequent eiskalt. Ich bin ein bisschen weiter als damals. Lass mich von der Anstrengung nicht gleich entmutigen und finde besser immer wieder in mein Körpergefühl zurück.

 

Frau Helferin.

Ich bin traurig. 😦

Nur noch 10 Stunden.

Sie ist das Beste was mir je passiert ist. *Melodie summend* Ich konnte so viel zulassen, annehmen. Viele Impulse die von ihr kamen haben mir gut getan, haben zu neuen Entwicklungen geführt. Z.B. die Selbsthilfegruppe. War ihre Idee. Ich hätte mich alleine bei der Suche entmutigen lassen. Oder wütend sein zu dürfen, hat erst sie mir vermitteln können. Und jetzt werde ich öfters mal so richtig, richtig wütend. 🙂 Das Mut machen, das an mich glauben! So etwas hat so unglaublich viel Wert!

 

Heute der Termin bei der Psychiaterin. Neuen Medikamentenversuch besprechen. Mir ist sehr mulmig dabei. Ich habe Angst. Dieses Gefühl der Beeinflussung.

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