Rollstuhl fahren lernen 

Analogie.

Vom Leistungssport in den Rollstuhl.

Bähmmm macht es! Vorstellungen krachen aufeinander. Weh tut es. Tiefe Kränkung der Seele. Soviel Ideen loslassen. Trauer. Der Gedanke, alles wäre nun am Ende. Da kommt nichts mehr. Nichts Großartiges, nichts von Bedeutung. Nicht so! Wut. Das Ego blutet. Tief die Wunde. Gedanken von scheitern, Wertlosigkeit, kaputt, nichts mehr zu machen – nur noch abzugeben. 

Daneben. 

Auch Rollstuhlfahrer können Leistungssport betreiben.

Nur nicht am Anfang. Da ist anderes dran. Da widmen sie sich voll und ganz den veränderten Lebensumständen und Trauer, Schmerz und Wut gehören dazu, makieren einen Wendepunkt.

Sie müssen zuerst lernen, wie man den Rollstuhl bedient. Brauchen Hilfe dabei, müssen sich schieben lassen oder ins Bett helfen lassen. Dinge wie Schotterwege, Schrägen und Stufen, die vorher nicht aufgefallen waren, werden zu Hürden. Sie brauchen Hilfe, solange bis die eigene Muskelkraft wächst, um auch Schrägen hinaufzukommen und zu lernen, welche Wege nun zu meiden sind und welche zu bewältigen. Sie müssen lernen, was sie unter diesen neuen Bedingungen brauchen und wie die Umgebung beschaffen sein muss, damit sie gut zurechtkommen. 

Das ist viel zu lernen. Sehr viel und braucht Zeit.

Und erst dann, erst dann, wenn das alles gelernt ist, dann wird es möglich weiter zu schauen.

Mein Rollstuhl ist die Angst und Erschöpfung. 

Mein Weg ist es, diesen Umstand in mein Leben und meinen Alltag zu integrieren. 

Bisher habe ich meinen Rollstuhl immer mal wieder verdrängt und hasserfüllt in die Ecke geworfen. Ich habe versucht so die Tür zu öffnen und normal in die Welt zu gehen und dabei auch noch Kunststückchen zu vollführen. 

Hat nicht funktioniert. 

8 Kommentare zu “Rollstuhl fahren lernen 

  1. Sei herzlich gegrüßt,
    ich wünsche dir Vertrauen und Kraft:deine Körperkraft und deine Seelenkraft täglich mehr zu spüren oder gern auch über Nacht einfach so! Einfach da! IN einem Maß, das dir hilft, die neuen ANforderungen, die dein Leben an dich stellt anzunehmen, sie nach und nach zu bewältigen und Frieden damit zu schließen. Von ganzem Herzen Zuversicht!!!
    Gerade habe ich für dich gebetet,
    ALles Liebe und herzliche Grüße von
    Marina

  2. Frau Heller sagt:

    Das ist so ein toller Text!
    Den werd ich mir merken. Genauso ist es. Leider. Noch dazu weil PTBS unsichtbar ist. Man hat noch einen Kampf mehr zu fechten (den mit anderen, die oft nicht glauben können das es einem schlecht geht – weil man sieht ja gesund aus!).
    Ein Leben MIT Krankheit.
    danke für diese Analogie!
    Herzliche Grüße

    • sophie0816 sagt:

      hey ich freu mich, dass es dir etwas gegeben hat. 🙂
      ich hab mir den text ausgedruckt und in mein orietierungs-büchlein geklebt, damit ich dran denke. die umsetzung ist ein prozess, ein üben. nicht leicht.
      ich hab mir gerade auch in letzter zeit öfter anhören müssen: „du siehst gar nicht so aus“. ja, eine innere erlebniswelt kann man von außen nicht sehen. ich wünsch uns beiden kraft, damit gut umgehen zu können und unsere realität nicht zu verleugnen.
      alles gute dir

  3. Frau Heller sagt:

    Darf ich den bei mir verlinken?
    Es paßt doppet gut weil ich grad ein Buch zu dem Thema las: „Wird schon wieder?“ in der es genau darum geht: Akzeptanz und neue Perpektiven mit Krankheit finden.
    Liebe Grüße

  4. Wow, ein großartiger Eintrag, der es auf den Punkt bringt. Besonders der letzte Absatz hat mich berührt, weil ich mich darin wiedererkenne. Danke dafür! Werde ich mir merken ❤

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