Ganz oben und ganz unten

Was für eine Zeit. Es geht tief hinab. Und daneben helfen mir so viele Dinge, zeigen ihre Wirkung über die Zeit. Ich bin dankbar! Trotz alle dem.

Ich klatsch den Text von gestern hier einfach hin. Er ist nicht schön. Gar nicht schön. Und ich mag ihn selbst auch nicht noch mal lesen. Und vielleicht überlegt ihr es euch auch, ob ihr das überhaupt lest. Schwer ist es sowieso genug.

Und trotzdem… an demselben Tag. Ich dachte, ich muss hier unbedingt raus. Innerlich raus aus der Thematik. Etwas auf die andere Waageschale packen, damit der Tag zu überstehen ist. Und echt ja, alle kleinen Hilfen, Reize (Öle, Gerüche bliblablup) sind ein Scheiß gegen die Wirkung, wenn ich im Wald bin und mich dem kreativ-sein hingeben kann. Ich war völlig dabei. Alles andere vergessen. Wirklich. Komplett aus dem Fokus. Natürlich wieder da, als ich nach Hause zurück kam. Aber egal. Das ist ein so großartiges Geschenk. Das ist mir mit nichts anderem bisher so gut gelungen.

Mein bisher größtes Projekt. 😀 Und das an einem so beschissenen Tag. Kann ich selbst kaum glauben, wie zwei so entgegengesetzte Pole in einen Tag passen.

Danach der Text.

Der Prozess


Beim Klopfen (EFT). Ich fühle keine Person, ich sehe keinen Menschen, aber ich fühle die lebensnotwendige Verbindung und das sie mir entzogen wird. (Ich weiß, hier geht es um meine Mutter)

Ich bin voll eingetaucht, mit meinem ganzen Körper, mit meinem ganzen Sein erlebe ich diese Erfahrung. Diese ganze Erfahrung besteht aus dem Gefühl von Raum, wo niemand mehr ist, aber jemand sein sollte.

Ich bestehe nur aus diesem Gefühl des Raumes, in dem ich alleine zurückbleibe und einem Schmerz, dass etwas fehlt. Es gibt auch ein ‚Du‘, an das ich mich richten kann.

Zu Beginn die globale, verzweifelte Erfahrung des Nicht-Verstehens.

Ich verstehe nicht, warum du das tust? Ich verstehe das nicht, warum du mich alleine lässt? Ich verstehe das nicht, warum du weg gehst? Ich verstehe dass alles einfach nicht?

Darauf folgt die Erfahrung von Hass und ein kreuz und quer Fluten von Angst, Brauchen, Enttäuschung, Leere, Traurigkeit.

Ich hasse dich, ich hasse dich! Geh weg, auch wenn es weh tut. Nein! Bleib hier. Ich liebe dich, ich brauche dich.

 

Die Wut, um den Schmerz und die Ohnmacht zu verdecken.

Die Angst, dann ebenso zu verlieren.

Eine unlösbare, widersprüchliche, absolut schreckliche Situation für ein Kind. Die Mutter kann nicht gehasst werden, weil sie gebraucht wird.

Als Folge und Rettungsversuch der kleinen Seele, wird die Wut unterdrückt (wenn ich lieb bin, wird sie bleiben), wird die Schuld auf sich genommen (ich bin schlecht, deshalb geht sie; wenn ich richtig bin, wird sie bleiben) und die Selbstaufgabe der Bedürfnisse (ich darf nichts wollen/brauchen/fordern, dann fehlt mir auch nichts mehr).

So ein hoher Preis, der das ganze folgende Leben und die Möglichkeit Bindungen einzugehen bestimmt!

Die tiefe, schmerzhafte Erkenntnis, das trotz alle dem, die Bindung ab diesem Moment verloren war. Endgültig. Unwiderruflich. Nicht wieder gut zu machen.

 

Die Bedürfnisse waren nie weg. Die Wut war nie weg. Mein Selbst war nie weg.

Alles noch da! (und nun???)

Doch in den Raum wird niemand mehr treten.

 

Ich kann mich gerade ein bisschen besser verstehen, mit meinen Beziehungsschwierigkeiten. Ein bisschen. Ich wollte gerade etwas über Bindungstrauma lesen (habe ich bisher von mir aus nicht recherchiert), habe aber wieder abgebrochen, weil es zu sehr weh tut. Da gibt es noch einiges anzunehmen. Schritt für Schritt. Irgendwie habe ich das wieder ausgeblendet und es als betrifft_mich_nicht oder nur am Rande einsortiert.

15 Kommentare zu “Ganz oben und ganz unten

  1. Liebe Sophie,
    Mir imponiert sehr, wie du an dem Klopfen dran bleibst und durch all diese sehr schmerzhaftem Gefühle durchgehst. Diese tiefe Trauer fühlst und es auch in Worte fassen kannst. Danke für das Publizieren, das macht mir ebenso Mut nicht alleine mit manchem Leid zu sein. Ich finde den Text gut und wichtig. Er zeigt deinen Weg zu heilen und wie wunderbar du das machst. Gefühle zulassen und am nächsten Tag zur Stabilisierung auf dich schauen, in den Wald gehen und dieser schöne kreative Ausdruck. Ich empfinde all das als eine große Leistung und ein Erfolg. Von Herzen weiterhin alles Gute und ich gratuliere, wie du deinen Weg gehst.
    Liebe Grüße
    „Benita“

    • sophie0816 sagt:

      wow, betina, das geht mir jetzt nah was du schreibst. danke für deine konkrete rückmeldung, was und wie das ankommt! so habe ich das nicht wahrnehmen können.
      tatsächlich ist das blog der einzige ort, wo ich diesen prozess so in der tiefe teile. das bedeutet mir etwas, hier dazu rückmeldung zu bekommen, die ich im real-life nicht bekommen kann, weil niemand so drin steckt.

    • sophie0816 sagt:

      sorry, „benita“ natürlich. o.O 🙂

  2. Sternchen sagt:

    Ich mag jetzt hier zu deinem neuesten Post antworten und gern noch ein paar Gedanken zum letzten Post miteinweben.

    Also erstmal: Wunderschön deine Wald-buch-ecker-blume. Ehrlich, ich würde dir Karten abkaufen, denn ob ich sie im Laden kauf oder bei dir, deine sind schöner… 🙂

    Ich freu mich, dass es nicht dein Geburtstag war und dass du mit diesem besser umgehen kannst. 🙂 .

    Ich hab nochmal über deinen vorhigen Text nachgedacht bzw darüber, ob ich die Wut auf meine Mutter bisher hab zulassen können. Ich glaub das hab ich noch gar nicht. Sie ist gestorben und wollte nur mich bei sich haben, obwohl sie mich nie wollte etc. und wir immer Psychokrieg hatten. Ich hab sie damals begleitet und danach war alles erstmal ganz anders als ich es gedacht habe….aber Wut habe ich mir nicht erlaubt, vielleicht muss ich das noch mal machen. Aber ich lerne jetzt tatsächlich in meiner vermischten Cranio-Psychoherapie, dass ich mir zugestehen kann, was ich mir am meisten von meiner Mutter gewünscht hätte früher ( Thema kommt wegen meinem eigenen Muttersein, Projektionen auf meinen erwachsenen Sohn etc. auf). Sie führt mich wieder zu mir, zu meiner inneren Beziehung zu meiner Mutter. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mich schützt und sagt: Es wird alles wieder gut. Ich weiß, dass konnte sie nicht, sie war selber verletzt und hilflos. Aber unter Anleitung meiner Therapeutin fange ich an all das, all die Ängste etc. anzunehmen und von dem Licht und der Liebe meiner Seele
    anzunehmen, zu mir zu nehmen…. und am Ende ist es ähnlich wie beschützt sein, von mir, von dem Licht, der Liebe meiner Seele. Es ist so, dass ich mehr werden darf, dass verlorenes zu mir zurückzukommen scheint.

    Ich will damit eigentlich nur sagen, es können sich in dir noch so viele Räume auftun, egal ob Eltern leben oder nicht, alles in dir kann geheilt werden, du kannst es heilen, irgendwann, aber überfordere dich auch nicht. Und ich kann so gut nachvollziehen wie du dich im Wald fühlst, wenn du diese Kunstwerke schaffst.
    Der Wald ist unser Zuhause, aus ihm stammen wir, wir singen sein Lied und er hat heilende Kräfte. Deshalb bin ich immer im Wald, wenn ich Hilfe und Unsterstützung brauche. ( allerdings hab ich auch immer mein Pfefferspray dabei, hab es aber noch nicht benutzen müssen, zum Glück 😉 ).

    Und falls ich es noch nicht gesagt haben sollte: Ich finde es auch ganz toll, was du hier beschreibst, du kannst damit anderen einen Weg weisen und Mut machen, aber immer gut auf dich auch achten bitte…Ich seh mich wohl ein gutes Stück in dir. ;-), deshalb berührt mich deine Reise wahrscheinlich so. Ich bin mir sicher, frau sollte nicht so lange Kommentare schreiben, aber ich tue es trotzdem 😉 .

    • sophie0816 sagt:

      danke sternchen, für deine gedanken. 🙂
      es ist schön, auch von deiner heilsamen entwicklung zu lesen.

      möchtest du wirklich ein paar postkarten kaufen? ich war gestern bei dm und hab da mal fotocollagen ausprobiert. ich find allerdings die bildqualität als druck nicht so hochwertig. nach postkarten hab ich nicht geschaut, aber würde das für dich tun. 🙂 (ich selbst schreib keine postkarten)

      zu den räumen, die sich zukünftig auftun können. das sehe ich genauso.
      diese emotionen und gedanken, die sich beim klopfen öffnen sind momentaufnahmen. und in diesem moment habe ich deutlich gefühlt, dass der raum, so wie er mit einer mutter geteilt wurde, nie wieder auf diese art und weise geteilt werden wird. solch eine symbiotische beziehung kann nur in dieser phase existieren und dann nie wieder. verstehst du was ich meine?

      • Vetch sagt:

        WENN du Postkarten machst, dann -will- möchte ich bitte 🙂 eine geschickt bekommen, und dafür schick ich dir dann eine von meinen. Die Qualität bei dm ist gut, find ich.

        Zu den Räumen – JA. 💗

      • Sternchen sagt:

        Ja, ich möchte gerne Postkarten kaufen, wähl du aus, welche Motive die schönsten sind (falls du schon mehrere gemacht hast ). Nehm gleich drei pro Motiv, wenn das geht. Kann auch im Voraus zahlen. 🙂

        Schön, dass dieser Raum von anderen betreten wird im Positven Sinn. Genau das war meine Befürchtung, dass du ihn verschlossen halten musst seitdem. Hast Recht diese Symbiose ist der Mutter-Kind-Beziehung vorbehalten.

        Ich hatte mal ein vorgeburtliches Erlebnis, welches eine Körpertherapeutin in Grönenbach bei mir ausgelöst hat.
        Ich fiel ganz ganz tief und fand mich wieder in völliger Dunkelheit, Einsamkeit, Schwärze… es war im Bauch meiner Mutter, was ich da fühlte, es war keiner da, nur ich ganz allein.
        Das hat sie durch eine gewissen Körperhaltung, ein Halten einer Mitpatientin bei mir ausgelöst, das hat mich damals sehr berührt,
        fast weggeschwemmt. Es wurde nicht gut nachbegleitet, leider.Wahrscheinlich hat mich dein Erlebnis daran erinnert.

        Ich hab auch mal ganz kurz vor Jahren das mit dem Klopfen ausprobiert, aber bin da nicht hängengeblieben. Ist wirklich toll wie du damit weiterkommst. Ist das Erleben dann wie ein Flashback ? Es klingt für mich häufig so und dann möchte ich dich wahrscheinlich irgendwie trösten, weil es mich an mein Erleben erinnert. Und wie kannst du dich danach wieder stabilisieren, gehts nur im Wald? Ich frag nur, damit ich das besser einschätzen kann.

      • sophie0816 sagt:

        hab gelesen. gerade nicht viel raum zum reagieren…

      • sophie0816 sagt:

        liebes sternchen,
        postkarten liegen noch in der to-do-line. 🙂

        dein vorgeburtliches erleben klingt sehr bei mir an. es passt, dass dich meine schilderungen teilweise daran erinnern. ich meine, auch aus dieser zeit schon sachen wiedergefühlt zu haben. auch gab es wiedererleben aus anderen zeiten, als meinem leben (man möge es inkarnationen nennen, wenn man mag 🙂 ). jedenfalls waren es situationen, die mir hier nicht passiert sind (ein ungeborenes kind verloren/ einen geliebten menschen, der meine andere hälfte des ichs war, verloren).

        da haben sich über die letzten jahre ein paar erfahrungen angesammelt. vielleicht kann ich deshalb zur zeit relativ souverän damit umgehen, weiß überwiegend was da passiert. das machte eine menge beruhigung aus, zu verstehen.

        ich würde schon sagen, dass das jenes ist, was man unter flashbacks (bei mir eher intrusionen – da kaum bilder, eher emotionen) versteht. habe mich allerdings auch gefragt, ob man das immer noch so nennt, wenn man es kontrolliert, begrenzt (klopfen) herbeiführt.

        ich habe ziemlich viele werkzeuge, um mich nach starkem wiedererleben über den tag zu stabilisieren oder zu halten. die sind mir nur nicht so bewusst, also ich kann sie schwer aufzählen. jemand nannte es mal ein großes büffet, wo man je nach dem entscheidet, was man in diesem moment gerade braucht. ich fühle das dann meistens oder bekomme es hin, es herauszufinden oder es passiert ganz alleine, einfach weil ich die situation verlasse und zum tagesablauf übergehe (z.b. aufstehen und duschen gehen). jetzt die letzte woche, hat mich eine situation doch überfordert. dann kommen auch andere menschen ins spiel (was mir schwerer fällt, aber immer besser geht). ich schreibe jemandem oder telefoniere mit jemanden und die wohnbetreuung ist im notfall auch noch da.

        so hat es sich in den letzten monaten entwickelt und das scheint ganz gut zu klappen, die waage zu halten zwischen belastung und entlastung. manchmal überfordert es mich auch und dann dauert es ein weilchen länger mit der stabilisierung. aber sie kommt. immer. 🙂

        da freu ich mich selbst drüber, dass jetzt so zu lesen. 🙂

        das ist ein eigener beitrag wert. 🙂

  3. Vetch sagt:

    DANKE! 🙂
    Das mit dem Wald – mit der Wirkung von lebender Natur – habe ich in München auch sehr stark erlebt.
    Und dein Muster .. so schön! Bin so froh, dass du die machst, die sind TOLL.

    Und was den Text danach/davor angeht – „Benita“ hats gesagt. Du bereitest den Raum, und er wird betreten, zur passenden Zeit.

    Aaaamen X)

  4. Sternchen sagt:

    Hab eben noch mal deinen Text gelesen. Nimm nur was passt, das andere lass bitte bei mir. Hab oft später das Gefühl, dass ich dich falsch gelesen habe.

    Zu deinen Bindungsangstgedanken..hat ja nichts mit dir zu tun , so in etwa, das kenne ich gut mit dem Thema Verlustangst, was ich hab doch keine Verlustängste, das passt doch gar nicht …und braucht eben alles seine Zeit…passt heute sehr genau…

  5. gann uma sagt:

    Ich hab sehr krasse Verlustängste, die oft unerklärlich sind bzw. extreme Form annehmen. Ich bin vor einigen Tagen auf den Gedanken gekommen, dass diese Ängste aus anderen Leben herrühren können – nicht so unwahrscheinlich, da ich andere Ängste aus anderen Leben habe, bei denen ich das sicher weiß. Ich versuche, damit zu „arbeiten“, und hoffe, die Ängste werden kontrollierbarer, wenn ich sie als vergangen wahrnehme.

    Zum Thema Verlust der Mutter habe ich ein Buch, eventuell ist das für jemanden interessant. „Ich hab ihr nie gesagt, dass ich sie liebe“. da geht es um ganz persönliche Empfindungen beim Tod der Mutter von verschiedenen Frauen. Auch Wut. https://www.lovelybooks.de/autor/Rosa-Ainley/Ich-hab-ihr-nie-gesagt-da%C3%9F-ich-sie-liebe-142245170-w/

    Zu vorgeburtlichen Erlebnissen „Topographie des Unbewußten. LSD im Dienst der tiefenpsychologischen Forschung“ von Stan Grof. Lasst euch vom LSd nicht irritieren, das ist nur eine Technik, inzwischen arbeiten sie mit Atmung. Transpersonale Psychologie, ein anderer wissenschaftlicher Ansatz. Es gibr z. B. Muster vorgeburtlicher Erfahrung, die mit verschiedenen realen körperlichen Vorgängen korrespondieren.

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