Unklarheiten und Verstrickungen

Ich fühle mich gerade traurig.

Ich habe mich heute auch schon im Widerstand gegen mich selbst und meinem Körper gefühlt und dahinter zeigte sich eine Belastung durch Widersprüchlichkeiten in mir selbst.

Das ganze wohl entstanden, durch unterschiedliche Konfrontationen mit dem Thema Zugehörigkeit/Andersartigkeit und das damit eng verknüpfte Muster, mich abzuwerten.

Ich muss sagen, dass es da ganz unterschiedliche Empfindungs- und Denkwelten in mir gibt und ich lustiger weise dabei an Biodiversität denke. Die hat zugenommen.

Ich weiß nicht so richtig, wie ich darüber schreiben soll. Es ist schwer zu greifen. Es besteht mehr aus Fragen und Unsicherheiten, die ich versuche okay zu finden.

Um den Blog herum hat sich etwas verändert. Das ist ein Thema. Ich kann es schwer greifen und ich weiß nicht, ob ich das will und ich weiß aber auch nicht, was ich will und ich weiß auch nicht, ob ich was wollen müssen soll oder ob es einfach mal auch so geschehen kann/darf.

Ich spüre mehr Verhaltensmuster von mir, wenn ich mir das anschaue. Ich schreibe weniger, bis gar nicht mehr mit dem Gefühl, ich schreibe für mich, auf mich konzentriert.

So hatte das angefangen. Ich sagte zu Beginn mal jemandem, dass ich das Blog-Schreiben so empfinde, wie nackig auf einer Bühne zu stehen, mit Händen vor den Augen und so zu tun, als wäre niemand da. Das hat lange gut funktioniert. Hat mich frei gemacht im Schreiben und von eigenen Bewertungen dessen was ich Schreiben. Voll clever, was? 😉

Die Zeiten sind vorbei. Ich kann das nicht mehr ausblenden, gelesen zu werden, weil es stetige Reaktionen gibt. Ich weiß nicht, wie es ohne wäre.

Ja und plötzlich wird das wichtig, dass Reaktionen kommen und ich bin ständig verunsichert darüber, was ich schreibe und wie das gefunden wird und das gefällt mir eigentlich nicht. Ich habe das Gefühl, obwohl man sich nicht wirklich kennt, bin ich in mir bekannte Verstrickungs-Muster, von anderen abhängig zu sein, geraten. Ich brauche plötzlich was, was ich vorher nicht gebraucht habe. Versicherung. Und fühle den verstärkten Drang Kontakt, Verbindung, Reaktion von Anderen sicherzustellen.

Oh, ich glaube, ich sehe da was. Ich scheine meine Verunsicherung, meine Selbstunsicherheit (die ich nicht merke, wenn ich für mich bin) nach außen abgegeben zu haben, also zu versuchen, dass Andere mir meine Unsicherheiten nehmen, in dem sie mir sagen, dass alles okay ist/das ich okay bin. Da das so aber nicht funktioniert, verschwinden meine Unsicherheiten nicht, sondern brauchen immer wieder die Bestätigung, dass ich okay bin. Endlosschleife.

Da bin ich glaube ich gerade drin.

Und ich fühle mich so, als müsse ich nun jedes Schreiben darauf kontrollieren, nichts zu senden, was mir eine Zurückweisung einfährt, weil das meine Unsicherheit, bis Selbsthass ja bestätigt und verstärkt.

Ach herrje, dass sich das auch in der Online-Welt abspielen kann, hätte ich nicht gedacht.

Ich habe nun schon Gedanken gehabt, zu versuchen, den alten Zustand wieder herzustellen, indem ich mich von den Reaktionen trenne. Also Kommentarfunktion aus und ein Weilchen aus dem Kontakt gehen.

Irgendwie kommt mir das aber unnatürlich vor und wiederspricht auch meinem Bedürfnis von Vernetzung/Unterstützung/Verbindung. Und ich glaube auch, dass ich immer mit diesen Muster konfrontiert sein werde, also lieber versuchen möchte, mich auch konfrontieren zu lassen.

Hier im Alltag mich von realen Kontakten immer mal wieder zurück zu ziehen, um meines, meine Grenzen wieder spüren zu können, finde ich okay, wenn es anders nicht geht. Hier im Netz, das ist neu für mich. Muss ich mir erst einmal anschauen.

Meinen Selbstwert zu fühlen, unabhängig von anderen Menschen, ist für mich eine riesen  Herausforderung und ja auch so eine Borderline-Thematik, dass eben nicht so gut zu können, sich als eigenen, abgegrenzten Raum zu empfinden.

Vielleicht wird es immer schwierig sein. Vielleicht gelingt es über die Jahre besser. Wer weiß.

Es gab auch noch an anderen Stellen zwischenmenschliche Verwirrungen.

Ich habe den Text gerade nochmal gelesen und fühle nicht, dass was klarer geworden ist und dass viele Aspekte fehlen. Ich finde das alles gerade zwischenmenschlich sehr durcheinander und bin mir meiner nicht mehr sicher.

Und da fliegen noch diese Themen Zugehörigkeit und Anders-sein herum. Wie fühlt sich Zugehörigkeit eigentlich an? Was ist das genau? Wie verhält sich das Selbst-Gefühl in einem Zugehörigkeitsraum? Muss man etwas Gemeinsames haben, um sich zugehörig zu fühlen? Kann man sich nur in Gemeinsamkeiten, bei einer Sache, bei einem Thema zugehörig fühlen? Kann man sich auch zu Menschen zugehörig fühlen?

Ja und das anders-sein. Bin ich anders? Wo bin ich anders? Ist das noch anders, wenn nicht doch auch andere Menschen das Gleiche teilen? Wo gibt es eine Grenze, zwischen mir und anderen? Was unterscheidet mich, was ist meines? Da schwirrt irgendwie auch wieder das Thema Abwertung herum. Anders-sein = schlecht sein.

Vielleicht bin ich gar nicht anders. Vielleicht bin ich ganz normal. Ach, ich kann mich wieder mal so schlecht greifen.

Ich lasse das einfach mal so stehen.

 

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Sie sind noch da

Ich dachte, Sie wären schon weit weg, würden nicht mehr so eine Rolle spielen für mich.
Ich dachte, dass das zum Lösungsprozess dazu gehört, der Wunsch Sie weniger zu sehen, die Abstände von zwei Wochen auf noch weiter auseinander zu ziehen. Vielleicht ist das auch ein Teil davon.

Doch dann war ich auf der Weihnachtsfeier für Klienten und Sie waren da und Ihre Klienten waren da und Ihr Vorgänger, Herr Helfer war da und auch seine kleine Tochter war da und ich habe den Nebel gar nicht verstanden und auch als unbedeutend abgetan, der mich schnell umschlang. Auch die Traurigkeit ganz weit hinten, wollte ich so weit wie möglich hinten lassen. Da war kein Raum, um mit solchen Gefühlen zu sein, dachte ich. Die sollten das dort nicht kaputt machen, weil es doch irgendwie auch schön war.

Mir war nach meiner Zusage klar, dass ich sie gab, weil Sie mich einluden, Herr Ex-Helfer auch da sein würde und es sich anfühlte, wie von Wunsch-Eltern eingeladen zu werden. Was Beziehungen ausmachen können, wo ich ja von Einrichtungsweihnachtsfeiern sonst nichts halte.

Irgendwann beschloss ich zu gehen, obwohl es mir schwer fiel. Ich hätte gerne noch dazu gehört. Doch weder das Atmen, das Körper-spüren, das Ruhe suchen in der Küche lichteten den Nebel. Ich war so nicht mehr in der Lage Informationen aufzunehmen.

Auf dem Weg nach Hause, auf dem letzten Stück Straße zu meiner Wohnung, drang dann sachte dieser Schmerz zu mir durch und ein Weinen wollte sich entrollen. Es hatte irgendetwas mit Ihnen zu tun und all den Dingen, die ich dort gespürt hatte.
Es hatte etwas mit der Nähe zu tun, die Sie auch Ihren anderen Klienten entgegen brachten und wie sich dort sanfte Fäden woben. Es hatte etwas damit zu tun, dass ich bei anderen sah, wie sie auch zu mir waren und dass ich mich trotzdem draußen fühlte. Es hatte etwas damit zu tun, dass sie mir Ihre Gesellschaft anboten, Fragen stellten und ich nicht in der Lage war, mich Ihnen zuzuwenden. Es hatte etwas damit zu tun, dass ich diejenige bin die geht, während Sie dies alles weiter tun, in der Gemeinschaft Ihrer Kollegen sind, mit Klienten die Sie umgeben.

Zu Hause angekommen brach es so heftig aus mir heraus, dass ich meine Jacke, Rucksack an Ort und Stelle fallen ließ, halb blind meine Öle heraus kramte und mich auf den Küchenboden weinen ließ.

Das ist jetzt zwei Tage her und es arbeitet immer noch und immer weitere Empfindungen, die ich während dieses Treffens hatte, steigen ins Bewusstsein. Jetzt verstehe ich auch besser den Nebel.

Es ist das erste Mal, dass ich Sehnsucht nach einem liebevollen Vater fühlen kann, welcher damals nie existierte. Es ist das erste Mal, dass sich da ein Bezug zu meiner Vergangenheit herstellt, was die väterliche Seite angeht, dass ich es als MEIN Gefühl fühle. Der Auslöser dafür war ganz simpel Herrn Helfer mit seiner Tochter zu sehen.

Wie die Dinge dann manchmal nach Jahren entscheiden an die Oberfläche zu kommen.

Eine ungewöhnliche Reise

Lange hat es gedauert. Immer wieder kam etwas dazwischen. Doch nun fand er endlich statt, der Termin für einen Schamanischen Gesang bei Zarah. Zur kurzen Erläuterung was das ist, hier ein erklärender Auszug von ihrer Internetseite:

„Schamanische Gesänge erschaffen Realität durch den Klang. Wichtig ist dabei, eine präzise Absicht heraus zu arbeiten (…).“ „ Wenn sich die Absicht rund und stimmig anfühlt, stimme ich mich auf diese Absicht ein und lasse dann die Töne durch mich kommen, die das erschaffen, was du erschaffen willst und welche Energien dafür benötigt werden.“ „Die Gesänge sind vielseitig einsetzbar. Sie können zum Beispiel Blockaden auflösen und Potenziale aktivieren. Sie können dich aber auch an frühere Leben erinnern oder dich mit deiner Seele und deiner Sternenheimat verbinden.“

Wir hatten erst geplant, etwas für meine Inneren Kinder zu singen, um ihnen bei der Heilung ihrer Erfahrungen zu helfen. Dann hatte ich aber nach der Reha das Gefühl, dass auch ich als Jetzt-Erwachsener Hilfe brauche, um wieder Vertrauen in den Prozess und in mich selbst zu finden. Im gemeinsamen nach innen Lauschen, stellte sich dann als brennendstes Thema das Urvertrauen heraus. Damit war alles mit eingeschlossen. Kinder, Erwachsene, Damals, Gegenwart und Zukunft.

Wir setzten uns zusammen, ich mit geschlossenen Augen und Zarah begann durchzulassen, was kommen wollte.
Ich war sofort ergriffen, denn da sprach jemand mit mir, mit mir ganz persönlich. Keine Sprache die ich verstand und doch auf ganz tiefer Ebene fühlte, diese Worte waren direkt an mich gerichtet und wurden auch irgendwo in mir verstanden. Ich fühlte mich sofort klein, schüchtern und scheu. Der Klang dieser Stimme war warm und einladend. Ich vertraute ihr sofort. Sie war mütterlich. Sie respektierte meinen Abstand, meine Scheu, forderte nichts, drängte sich nicht auf. Sie war wie eine offene Umarmung, die auf mich wartete. Ich assoziierte eine weise, alte Frau, vielleicht eine Stammesälteste. Alles an ihr war warm, weich und berührte mein Herz. Für mich eine ganz ungewöhnliche zwischenmenschliche Erfahrung.
Dann folgte Gesang. Im Verlauf wechselten sich gesprochene und gesungene Passagen ab. Die Situation veränderte sich und ich hatte auf einmal das Gefühl, mich in einer weiten, wüstenartigen, kargen Landschaft zu befinden, bei einem Stamm, in dessen Gemeinschaft ich aufgenommen wurde. Das waren unglaublich schöne Gefühle! Ein Zugehörigkeitsgefühl, das ich so aus meinem bisherigen Leben noch nicht kannte. Und es war absolut real. Das Gefühl erschuf Realität. Diese tiefe Gewissheit, ich gehöre zu diesen Leuten, ich bin ein Teil davon, lies eine Festigkeit in mir entstehen. Ich wuchs. Ich reifte. Fühlte mich nicht mehr klein und kindlich wie am Anfang, sondern erwachsen und im Vertrauen. Dann sah ich über dieser Landschaft einen riesigen Sternenhimmel. Ich richtete meinen Blick in die Weite und fühlte mich aufgefordert und auch bereit mich nach oben zu öffnen. Wie eine Einladung in die Welt zu gehen und mich zu entfalten. Dann ist es sehr still und friedlich in mir geworden. Absolut ruhig. Nichts mehr zu tun. Zu Hause. Angekommen. Unglaublich!
Als sie fertig war, fühlte ich mich so wonnig, ausgeglichen und entspannt mit mir, dass mir einfach nur nach hinlegen, zusammenrollen und wohligem Daumenlutschen war, vor lauter Zufriedenheit. Sehr beeindruckend!
Als ich wieder zu Hause war, fiel ich todmüde ins Bett und schlief erst mal zwei Stunden. Als ich danach langsam wach wurde und hinaus in den Wald ging, hatte ich plötzlich ein Wissen und Vertrauen in mir, dass ich keine Therapie und keine Therapeutin brauche. Das ich davon nicht mehr abhängig bin. Das ich frei bin und alles in mir trage, was es braucht. Mit Worten schwer zu beschreiben, dieses Gefühl.

Das ist jetzt etwas mehr als eine Woche her. Die Intensität dessen hat sich etwas abgeschwächt. Diese 100%-Überzeugung ist nicht mehr da. Doch es ist wirklich spürbar gewachsen, das Urvertrauen. Ich will sogar behaupten, dass ganz langsam alles in mir zusammenwächst.
Der Grundstein dafür wurde in der Reha gelegt. Definitiv hat dort schon kindliches Fühlen und Erwachsenes dabei-sein zusammengefunden. Der Gesang ist in diese Erfahrung geflossen und hat sie verstärkt.

Ich fühle mich meiner Kleinen näher. Konnte immer wieder Momente zulassen, ihre Gefühle in mir zu spüren, sie als ICH zu fühlen und dann hinzuzukommen und zu sagen „ich bin da“. Wir waren eins in diesen berührenden Momenten. Es gab nur ICH. Ein ICH in dem alles sein darf und niemand alleine ist. Da ging es bisher vor allem um Angst. Angst so unmittelbar zu fühlen, mit der ganzen Präsenz, mit dem ganzen Körper, ist wirklich nicht einfach. Und trotzdem wäre ich so glücklich, wenn es so weiter läuft.