Wie es zur Erschöpfung kommt

Ich habe das Wochenende wieder in  hochgradiger Erschöpfung verbracht, vor allem mentaler Erschöpfung, was heißt, kein Fokus konnte mehr gefasst werden, was zur Handlungsverminderung führt (beim Essen, bei der Körperpflege, bei Bewegungen insgesamt) und keine oder nur wenig Informationen konnten mehr aufgenommen werden, was neben dem körperlichem Fast-Stillstand auch zur geistigen Zwangspause führt (nichts lesen können, kein Film, nur bisschen Hörbuch).

Das muss man auch erst einmal aushalten, sich nicht mehr ablenken zu können.

Meine Gedanken rasten trotzdem weiter, hier hin, dort hin und immer wieder eine Aufforderung in die Aktion.

Ich kenne das. Das ordne ich zurzeit ganz direkt in die Schublade – psychische Erkrankung – ein. Durch eigene Anstrengungen nicht mehr zur Ruhe kommen zu können. Das geht nur auszusitzen und so lange es geht auszuhalten, nicht neue Informationen aufzunehmen – keinen sehen, keinen sprechen, keine neue Lektüre, keine neuen Themen über die nachgedacht werden kann. Das ist sehr schwer für mich.

Es gab mir jedoch die Möglichkeit, damit zu klopfen. Juchuuu! 😀 😉

Zwei neue Erkenntnisse/Erfahrungen sammelte ich dadurch. Wieder ganz unerwartet für mich.

Ich klopfte die Erschöpfung.

Dabei fand ich heraus, dass sie von meinen eigenen antreibenden Gedanken kommt und das nicht, weil ich mir keine Pausen gönne, sondern weil da Angst ist. Eine riesige scheißgroße Angst kam zum Vorschein. Ich war noch nie in der Lage, so einen Berg an Angst da sein zu lassen und mit meinem Selbst zu durchfühlen. Ich hatte Angst, wenn ich zum Stillstand komme, wenn Ruhe einkehrt, dass dann da dieser leere Raum entsteht, wo nur noch ich bin und ich mich dann in Luft auflöse. Dazu kamen zwei Erinnerungen (2010 und 2013), wo ich genau das gefühlt hatte und eine dritte viel mir noch später ein (2015). Und es stimmt, in diesen Situationen hatte ich wirklich eine riesen Angst mich ganz real in Luft aufzulösen und habe dagegen angekämpft, gegen die Angst, in dem ich versucht habe der Situation auszuweichen, sie zu verlassen.

Also ganz ehrlich, bevor ich bereit wäre mich in Luft aufzulösen, würde ich auch alles Erdenkliche tun, um nicht in diesen Moment zu kommen. 😉

Zurück zur Wirklichkeit. Da mir trotz der Angst bewusst war, dass ich mich nicht wirklich in Luft auflösen werde, ließ ich die Erinnerungen an dieses Gefühl zu. Da passierte nicht mehr so viel. Die Angst ging zurück und ich war mordsmäßig erschöpft und wie üblich verwirrt, nach solch gewaltigen Empfindungen.

Es ist so, als wäre eine Tsunamiwelle über einen hereingebrochen und wenn sie durch ist, lebt man noch, aber steht ziemlich verdattert, mit zerschlissener Kleidung am Strand herum und weiß erst einmal nicht, wo oben und unten ist und was der nächste Schritt sein soll.

Die zweite Begegnung mit meiner Erschöpfung durch meine Gedanken, führte mich zu einer Art Besessenheit es nun endlich richtig machen zu wollen, weil ich es wieder gut machen will, weil ich will das es mir besser geht. Durch diese Getriebenheit überfordere ich mich immer wieder selbst und treibe mich dadurch in die Erschöpfung.

Und ich hatte plötzlich eine Erinnerung an einen sehr bewegenden und prägenden Moment, in dem ich Mitte 2011 zum ersten Mal ein inneres Bild von meinem Inneren Kind hatte. Das sind Notizen von damals.

Ich bin gar nicht wirklich mit den Menschen verbunden. Es gibt kein ICH, was sich verbinden kann. Es gibt nur dieses fast verhungerte, nackte, nicht lebensfähige Kind.“ (in einer Sperrholzkiste in einem Keller; dreckig)

Ich erinnere mich sehr gut an diesen Moment. Nach dem Klopfen wurde mir klar, dass ich dort eine riesige Schuld auf mich genommen hatte. Ich fühlte mich schuldig für die Verwahrlosung dieses Kindes in mir. Ich fühlte mich als Täter und ich fühlte mich verantwortlich, das alles wieder gut zu machen.

„Dein Schmerz… ich kann nicht mehr aufhören zu weinen. Und immer wieder der Gedanke ‚es tut mir leid‘. Ich weine für uns beide. Ich bin zutiefst erschüttert, über das was ich sehe. Oh Gott, was habe ich dir angetan. Ich habe solche Angst es wieder zu tun.“

Das sind genau die Gefühle, die beim Klopfen kamen. Ich fühle mich schuldig dafür, dass es mir schlecht geht und deshalb will ich alles tun, um es wieder gut zu machen.

Ich sehe heute erst wie irrig dieser Gedanke ist, ich wäre schuld an dem Leid in mir drin! Wahnsinn! Was für eine Bürde habe ich mir da auferlegt und wie sehr treibt es mich heute noch an.

Das ist wirklich bereichernd.

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Verantwortung oder der heiße Stein

Ganz im Sinne der einleitenden Worte von Sólveigs Beitrag, fühle auch ich mich heute voll von Gedanken, die es alle wert wären festgehalten zu werden. Gedankendurchfall. 😉 Mit dem Schreibdurchfall halte ich mich zurück.

Ich habe mich die Woche viel im Außen bewegt. Viiiel mehr als sonst. Zu viel, was zur Folge hatte, dass ich gestern und heute unglaublich viel geschlafen und gedöst habe (ca. 14 – 16 h) und gestern erst ab ca. 16 Uhr mit meinem Erleben etwas in die Welt kam. Heute ging das schon ab ca. 14 Uhr und Gedanke um Gedanke kommt seit dem zu mir, als müsste die Woche nachgeholt werden.

Mein Alltag, meine Suche nach Struktur, nach Gleichgewicht, ist in einer Versuch-Irrtum-Phase. Manche Irrtümer sind in Wiederholungsschleife. Bei Wiederholungsfehlern muss ich immer an diese Szene, aus der Simpsons-Serie denken. 😀

Jaaa, manche Sachen dauern.

  • ich folge immer wieder den unnatürlichen Rhythmen der äußeren Welt, anstatt meinen eigenen natürlichen Rhythmen
  • ich halte an Zusagen oder Absprachen gegenüber Menschen fest, auch wenn sie gegen mein Gefühl gehen
  • ich verplane mich immer wieder jeden Tag die Woche, obwohl ich schon oft erkannt habe, dass das zu viel für mich ist

Im Kern hat es immer damit zu tun, dass ich nicht bereit bin die Verantwortung für mich zu übernehmen, meist unbewusst.


Seit dem Abschied von Fr. S. und der Veränderung innerhalb einer Freundschaft, rührt das Thema Bedürftigkeit in mir herum. Was ist Bedürftigkeit? Was gehört dazu? Aus welchen Anteilen kommt sie? Wo ist die Abgrenzung zu menschlichen Grundbedürfnissen nach Nähe und Berührung? Was kann ich zu mir nehmen, mich selbst darum kümmern und wie überhaupt? Wofür brauche ich andere Menschen?

Teilantworten wabern im Raum und gerade finde ich da das letztens erwähnte Buch, „Süsse Medizin – Die Lehren der Twisted Hairs Band 1“, sehr bereichernd. Die Darstellungen und Erläuterungen zu den 5 Schilden (Erwachsenen-/Kinder-Substanz-Schild, Erwachsenen-/Kinder-Geist-Schild, Ältesten-Schild), die das 3. Chakra umkreisen (dem Feuerelement zugeordnet), wie die Planeten die Sonne und je nach Situation vor uns treten und beeinflussen, wie wir die Welt wahrnehmen. (vgl. S. 194-196)

Eine ziemlich komplexe Geschichte, das mit den Schilden. Überhaupt das ganze Buch. Das geht sehr tief und verknüpft unglaublich viele Konzepte miteinander. Ich bin kurz davor so richtig begeistert zu sein, weil es beim querlesen scheinbar genau das ist was ich suche, wenn da nicht auch die große Leuchttafel mit der Aufschrift Verantwortung drüber blinken würde. Dieses Buch schreit danach, dass ich die Verantwortung und zwar die gesamte, für mein Leben übernehme.

Meine Reaktion ist vergleichbar mit der Vorstellung von einem heißen Stein in meiner Hand. Ich würde ihn gerne halten, aber werfe ihn immer hin und her, von einer Hand in die andere und bestimmt auch einfach mal zu irgendjemandem der gerade neben mir steht. Nur das gebe ich natürlich nicht so gerne zu. 😉

Zum Thema Verantwortung hatte ich einen schlauen Gedanken. Wenn ich mich für mein so-Sein schuldig fühle, kann ich dafür keine Verantwortung übernehmen.

Mir ging das beim Lesen des Buches so, dass ich erkannte, wie viel Reife mir noch fehlt und mich sofort wieder schlecht dafür fühlte. Erfreulich das es mir aufgefallen ist und ich es korrigieren konnte. Das Leben ist ein Prozess, eine Heldenreise. Alle fangen an einer Stelle an, wo noch etwas fehlt, damit sie es in Erfahrung bringen können. Das steht außerhalb von Wertung. Es IST einfach.


Immer wenn mir Wahrheit über mich begegnet, die ich annehmen kann, fange ich erst an zu lachen und dann zu weinen (wenn ich alleine bin).

Update II

Ich habe den Artikel gestern nicht fertig geschrieben, weil ich so müde geworden bin. Mein Schlafrhythmus hat sich durch die Medis gut eingepegelt.

Ich bin dabei, mich erneut mit meiner alten Selbsthilfegruppe zu verknüpfen. Das geschah von ganz alleine. Plötzlich war sie mir unheimlich wichtig und ich spürte das starke Verlangen, mich nach langer Zeit wieder mit einzubringen, um den Erhalt, die Kontinuität und Verlässlichkeit weiterhin zu gewährleisten. Ich will mit Verantwortung übernehmen, was ich dort auch mitgeteilt habe und für mich etwas Besonderes ist, weil Verantwortung mir bisher enorme Angst eingejagt hat. Vielleicht kann ich besser meine Grenzen wahrnehmen, dass ich dafür bereiter geworden bin. Es ist ein spannender Prozess.

Bestimmt speist sich das auch aus der Suche nach Halt.

Und eine neue Runde Heilpraktiker-besuche hat begonnen. 😀 Und jetzt ratet mal warum… Allergiezeit beginnt. Nach meinen umfangreichen Investitionen im letzten Jahr, hatte ich ja gedacht, mit diesem Thema durch zu sein. Ich war selbst überrascht, dass mich ein Flyer einer Heilpraktikerin so ansprang.

Zwei Termine hatte ich bereits und für eine Sache hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Sie war die erste, die mir ins Gesicht sagte: „Sie werden wahrscheinlich immer mit Symptomen zu tun haben“. Das hat mir meine Idee, von, nie wieder Beschwerden und ich suche so lange, bis ich geheilt bin, genommen. Wie erleichternd. Es geht also um den Versuch zu lindern, mit einer 30%-40% Chance. Es wird, wie auch in der Medizin an den Symptomen angesetzt. Das Muster, dass ich übersensibel reagiere, wenn von außen etwas eindringt (und das nicht nur auf Pollen bezogen), werde ich wahrscheinlich mein Leben lang haben. Damit kann ich doch mal was anfangen und mich darauf einstellen.

Die Behandlung besteht aus Eigenbluttherapie in Kombi mit Homöopathie, Selenzugabe, Vitamin C Depot (was wohl das gleiche macht, wie die üblichen Allergiemedikamente – das Histamin fressen) und griechischer Bergtee.

 

Heute war ja auch das Vorgespräch zur Verhaltenstherapie. Einige Stunden danach, nach viel Verwirrung, Gedankenkreisen, emotionalen Zerwürfnissen, dachte ich mal wieder – oh wie krass – ich reguliere das alles ganz alleine, mit einer Unentschlossenheit, ob ich das scheiße finden soll oder gut. Ich glaube, ich finde es beides.

Das hat mich wieder so aufgewühlt, so ein Termin, soviel Sehnsucht nach Bindung nach oben geholt und es erschwert zu spüren, ob es das richtige ist, ob sie die richtige ist. In der Bahn nach Hause war ich so durch den Wind, regelrecht benommen von dem hin und her in meinem Kopf. Etwas Neues ist dann passierte. Ich dachte plötzlich – es müssen sich alle einig sein und habe aufgehört, für mich alleine abzuwägen und bedürftige Gefühle wegzudrücken. Stattdessen habe ich mich irgendwie nach innen aufgemacht und Raum gelassen. Es war keine Konferenz, wie ich von gehört hatte, dass man das machen kann. Also ich habe nicht alle Anteile bewusst ‚gehört‘ und verfolgen können. Aber es bewegte sich und war etwas stressfreier und dann kam der Satz in meinem Kopf – ich bin zu verletzlich für sie. Ich fand das ein sehr stimmiges Ergebnis, wo ich ohne das Einbeziehen meiner Bedürftigkeiten/Empfindlichkeiten selbst nicht drauf gekommen wäre. Sie war in ganz vielen Dingen super. Direkt. Klar. Ehrlich. Kannte ihre Grenzen und hat sie mir auch gesagt. Zugewandt. Jung und dynamisch. Und auch lustig. Sie kannte die Ego-State-Theorie.

Als ich sie fragte (nicht Wortlaut), ob all meine Gefühle hier gewertschätzt werden, war sie sehr ehrlich und sagte, sie gibt sich große Mühe und wies noch auf kulturelle Unterschiede hin. Erst nach dem Gespräch sah ich auf der Visitenkarte einen zusätzlichen fremdsprachigen Hinweis. Sieht nach polnisch aus. Jetzt weiß ich nicht wie die Polen so mit ihren Emotionen umgehen, aber ich habe im Gespräch da ein Gefühl bekommen. Ihr fehlte emotionale Weichheit. Ich glaube, ich brauche so etwas ganz unbedingt, damit sich alle Anteile trauen zu zeigen.

Nachtrag: dänisch ist das, nicht polnisch.

Und wenn ich einen Impuls von vor ein paar Tagen aufgreife, ist es gut, dass ich das noch nicht mache mit der Therapie. Da spürte ich, erst einmal im BEW ankommen und mich zu Recht finden, schauen was dabei herauskommt und auch an Bedarf übrig bleibt.

Trotzdem eine spannende, lehrreiche Erfahrung. Verhaltenstherapie ist definitiv passend für mich.

 

Das sind sie…

…die Dinge die mich am Laufen halten. Das war mir noch gar nicht so bewusst.

Alltags-Skills

Alltags-Skills

Schön, das mal so im Gesamten zu sehen. Gut zu wissen, was ich brauche, um einigermaßen im Gleichgewicht zu sein. Einiges hat sich erst im letzten Jahr gefunden. Wie das Café, wo ich mich tatsächlich auch alleine sehr wohl fühlen und in indirekter Gesellschaft fühlen kann. Auch das ich Verbindung zu zwei weiteren Menschen aufgebaut habe und wir uns nun gelegentlich in Gemeinschaft zu dritt oder viert treffen, ist neu. Das ich nun 5 Gruppen zur Auswahl habe, die ich besuchen kann, wenn mir nach ist, ist neu. Das ich bei Unruhezuständen zu Hause weiß, dass es hilft einfach loszulaufen oder ins Einkaufscenter zu fahren oder zum nächst größeren Bahnhof, ist ebenso neu.

Wenn ich von dieser Liste etwas weglasse, was immer wieder auch passiert, weil ich mich nicht durchgängig mit mir im Kontakt befinde, wird es unangenehm und das in ganz unterschiedlicher Ausprägung.

Das etwas unangenehm ist, ich im Ungleichgewicht bin, unruhig, angespannt, bemerke ich ziemlich direkt. Dass es daran liegt, dass etwas von dieser Liste nicht ausreichend bedient ist, ist mir ziemlich oft nicht bewusst. Ich stoße dann eher zufällig darauf und habe den Aha-Moment im Nachgang. Deshalb finde ich es ganz gut, dass mir heute der Impuls kam, das mal schriftlich festzuhalten.

Die Auswirkungen, wenn ich etwas davon weglasse, sind sehr unterschiedlich. Das kann ganz harmlos und minimal sein, wie bei den letzten drei Punkten.

Das kann aber auch richtig unangenehm werden, was eher die ersten Punkte auf der Liste betrifft.

Ich habe z.B. ich den letzten Wochen nicht mehr so oft meinen Bauch massiert und seit drei Tagen wieder damit angefangen, weil mein Darm total hart geworden ist, auch an Stellen weh tut und ich ernährungstechnisch noch sensibler geworden bin (begünstigt auch durch das nicht mehr stattfindende Yoga und die Medikamente).

Und heute am dritten Tag, bin ich etwas tiefer in die Verspannung gekommen und auch in eine Verbindung mit meinem Unterbauch, Teilspannung hat sich gelöst und sich in einem starken Weinen entladen. Dazu kam von dort die Rückmeldung:

„Ich bin einsam. Es tut mir weh, wenn du dich trennst.“

Ich war überrascht, hab ich mich doch selbst gar nicht einsam gefühlt. Und wer ist denn da jetzt überhaupt einsam, mein Darm oder mein inneres Kind? Auch war ich verwirrt, weil ich mit so etwas gar nicht gerechnet habe. Dann hab ich mich schuldig gefühlt. Es tat mir leid, dass ich da anscheinend für verantwortlich war. Dann hab ich diskutiert, das abgewehrt. Woher sollte ich den wissen, dass ich mich da von etwas getrennt habe. Ich hab das gar nicht mitbekommen. Und am Ende, habe ich den Schluss gezogen, dass damit anscheinend die Bauchmassage gemeint war, der Kontakt zum Unterbauch, dass ich den habe schleifen lassen. Und wenn ich ehrlich bin und noch mal in den Tag gestern hinein fühle, wo es mir nicht so gut ging, dann hatte ich da schon einen Impuls, dass ich mich mal hinsetzen müsste, um nach Innen-unten zu fühlen. Ich habe es nicht gemacht, warum auch immer.

Danach ging es mir viel besser. Ich fühlte mich vollständiger, emotional und körperlich.

So, oder so ähnlich läuft es in verschiedenen Varianten öfters ab. Im Nachhinein bin ich oft schlauer.

Eine deutliche Lücke spüre ich bei dem Punkt ‚kreativ sein‘. Da ist eine leere Stelle in mir, die immer wieder fordert, dass ich sie fülle, wenn andere Beschäftigungen nicht mehr möglich sind, weil der Kopf  überanstrengt ist. Und ich weiß so oft nicht wie. So viel Verstand/Kontrolle/Bewertung im Weg.  Ich habe gestern versucht, aus dem Kinder-Innen Wünsche fürs Jahr zu malen. Schriftlich hab ich die schon. Das war gar nicht schwierig. Freies Malen zuzulassen, ist hingegen schwer. Es gab Sekundenmomente wo es kam und ich lächelte, um sofort wieder in Bewertung und Kontrolle zu fallen und daraus ergebend sehr anspannt und angestrengt zu sein. Naja, ein Versuch darf so sein.

Kinderwünsche

Kinderwünsche

Zum Thema des Gleichgewichts wurde mir bei der Auflistung der Skills deutlich, wie viel Zeit ich für diese Dinge reservieren muss und dass da wirklich nicht mehr so viel übrig bleibt. Ich kann von mir einfach gar nicht erwarten, wie ‚die Anderen‘ am ’normalen‘ Arbeitsleben teilzunehmen. Das ist unrealistisch und sogar selbstschädigend.

Es tut immer wieder aufs Neue gut, sich von Schuld zu befreien. Das ist so wichtig.

Ich bin nicht schuld daran, dass ich so bin wie ich bin, dass ich so funktioniere, wie ich funktioniere!

Ich habe ein Recht für mich zu sorgen und damit Leid, Stress, Anspannung, Schmerz zu lindern!

Mutter-Natur

Ich hab gute Laune heute. So langsam wird’s wieder mit der Freude. 🙂

Klappe die zweite bei Manuela, wegen meiner Pollenallergien. Beschwerden haben sich so ungefähr um die Hälfte gemildert. Das Ceterezin habe ich wieder angefangen zu nehmen und damit war dann auch der Ganzkörperjuckreiz verschwunden. Bis gestern dachte ich noch, mehr wird es nicht und ich kann auf die Knallermedikamente verzichten, bis ich dann bei Manuela war, die ländlicher wohnt. So what, find ich gar nicht so schlimm. Dann nehme ich halt diese Medikamente. Habe mich mit der Affirmation: „Ich nehme das irdische Leben so an wie es ist“ in eine gelassenere Haltung gebracht.

Es war wirklich spannend bei Manuela. Hier beim Schreiben freue ich mich immer noch wie ein kleines Kind, über einige Erfahrungen. 😀

Ich hab ihr so die Symptome aufgezählt und mich währenddessen unbewusst geräuspert. Sie machte mich darauf aufmerksam. „Hast du das mitbekomme? Hör mal hin, da will dir was gesagt werden.“ Vorher hatte sie mir erklärt, das, wenn bei ihr stärkeres Räuspern auftritt, zusätzliche Informationen von außen kommen. Ich bin aufgeregt und wie so oft, halb davon überzeugt, dass das bei mir nicht klappt und ich nichts ‚empfange‘. Ich sehe eine Blume vor meinem inneren Auge. Tu das schon ab als Zufallsbild, irgendeine Assoziation halt. Was soll mir das auch sagen. Vor mir steht ein kleiner wilder Blumenstrauß auf dem Tisch. M. weist mich darauf hin. Und tatsächlich befindet sich auch diese Art von Blume in diesem Strauß. Auch das zweifle ich in meinem stillen Kämmerlein naaatürlich an. Zufall. Hab ich halt den Strauß unbewusst wahrgenommen und nun mit eingebaut. „Sag mal zu dem Blumenstrauß: Ich umarme dich und beobachte was du dabei fühlst.“ Ich bin gehemmt. Öffentliches Fühlen ist und bleibt schwierig für mich. Also gehe ich mit den Blumen ins Nachbarzimmer, schaue sie an und umarme sie innerlich. Ich fühle Trauer und Verlust. Oh, das ist ja spannend. „Du hast eine starke Verbindung zur Mutter-Erde und fühlst was ihr passiert.“ Na klar, wieder Skepsis und Zweifel in mir. „Du selbst hast dich mal von deiner Trauer in dir abgewandt.“ Das stimmt, an die Phase kann ich mich erinnern. Ich fand es einfach auch mal genug getrauert. Dann folgten einige Erklärungen wie die Erde, die Natur, der Mensch in Verbindung zueinander stehen. Der Mensch sei ein Seelenanteil von Mutter-Natur. Solche Informationen kann man nicht mit dem Verstand verstehen. Ob sie für einen selbst passen, lässt sich nur erfahren und fühlen.

Ich: „Woher weiß ich denn, dass die Trauer die ich gerade fühlte nicht daher kommt, weil der Strauß einfach von der Wiese abgeschnitten wurde?“ „Na fühl mal noch mal hin, schau ihn an. Ich fühle da Freude.“ Ich schaue mir den Strauß erneut an und tatsächlich strahlt er mich freudig an, so dass mein Herz richtig ins hüpfen kommt. (Das kann ich jetzt noch spüren. 🙂 ) „Und da ist noch etwas, fällt mir auch jetzt erst auf. Nimmst du noch etwas wahr?“, fragt sie mich. Ja, zu dem Freudegefühl, ist ein Sprühen um den Strauß herum zu sehen, wie bei Wunderkerzen. „Ja, genau.“ Boahhh, ich freu mich voll, weil hier mal die Möglichkeit besteht, meine Wahrnehmungen von jemandem bestätigt zu bekommen. Das tut ja mal so richtig gut und der Zweifler macht einen Schritt zurück. Das was ich wahrnehme ist wirklich da! Toll!

Heute Morgen habe ich für mich erneut in diese Verbindung zwischen mir und Mutter Natur gespürt. Ich konnte fühlen, dass ich ein Teil von ihr bin und dadurch auch betroffen von dem was mit ihr geschieht. Vor diesem Betroffenheitsgefühl wollte ich wohl weglaufen. Ich spürte wieder Trauer, versperrte mich nicht davor und realisierte, dass ich auch eine Verantwortung für sie und damit auch für mich trage. Und das die Allergiesymptome ein Hinweis darauf waren, das ich mich dem nicht entziehen kann.

Ich habe die Zerstörung der Natur als letztes für mich sehr rationalisiert. Da gibt es eben die Welt mit ihren Polaritäten, das Gute und das Böse. Beides muss es geben, sonst gibt es die Welt nicht. Dagegen kann ich nichts tun, also geht es mich nichts an. Obwohl der erste Teil auch meiner Wahrheit entspricht. Das Böse, Schlechte gibt es, ist ebenso ein Teil dieser Welt, wie alles andere und ich muss kein persönliches Drama daraus machen. Doch es geht mich trotz alledem etwas an, weil ich ein Teil davon bin.

Ganz praktisch heißt das für mich, dass ich das Fühlen zulassen üben will, welches sich in dieser Verbindung auftut, so dass ich nichts mehr abwehre, mich nicht mehr abtrenne.

Geübt habe ich das gleich mal an zwei meiner Zimmerpflanzen, denen ich die Hände auflegte. Es war ganz anders als sonst, seeehr intensiv. Ich war ihnen näher. Durch mein Herzzentrum wollte enorm viel Energie zu ihnen fließen, dass es eine Herausforderung war, mich darauf einzulassen. Es hat fast körperlich gebrannt. Ich hab mich danach unglaublich gut gefühlt, verbundener mit der Erde und mir.

Kein/Ein schönes Gefühl

(Drittletzte Therapiestunde)

Kein schönes Gefühl, aus dem Nest geschupst zu werden, wenn man es sich so gerne gemütlich gemacht hätte.

Kein schönes Gefühl aus dem Nest geschupst zu werden, mit der Aufforderung zu fliegen, wenn man selbst keine Vorstellung davon hat, fliegen zu können.

Mir blieb keine andere Wahl. Ich musste es probieren. Zwangsläufig. Ich war nicht in der Lage mir ein anderes Nest zu suchen, eines wo man nicht schupst oder weniger schupst.

Es half kein Herumgehüpfe am Rand, kein Versuch wieder in die Mitte zu kommen und sich zu setzen, kein Meckern und Zetern, kein Aufplustern oder klein machen. Die Aufforderung blieb. Flieg!

Und wie scheiße ich das Schupsen auch empfunden habe, wie sehr ich das Gefühl hatte, man will mich hier nicht. Wie sehr ich geglaubt habe, gar nicht fliegen zu können. Ich musste es probieren. Immer und immer wieder.

Ich war so sehr mit der Ungerechtigkeit des Schupsens beschäftigt, mit der Kränkung, das man mich vertreiben wollte, mit dem Schmerz, nicht gewollt zu sein, dass ich gar nicht bemerkte, das ich gerade fliegen lernte.

Ich lernte fliegen.

Ich bin zwar immer noch eingeschnappt, weil man mich nicht im Nest bleiben ließ, aber ich habe fliegen gelernt.

Anstatt aus dem Nest zu fallen, fliege ich davon.

(So ist der Plan.)

Durchbruch

Ich bin ziemlich erschöpft. Es ist 11:30 Uhr, ich habe eben gefrühstückt und sitze hier nun im Schlafanzug am PC, mit dem Wunsch irgendetwas der letzten anderthalb Wochen festzuhalten. Das denke ich schon seit anderthalb Wochen.

Meine Fähigkeiten zu schreiben wie ich es gewohnt bin, stehen nicht zur Verfügung. Erfahrungen die tief und breit sind, sich verästeln in hunderte von Richtungen ins damals und heute. Vereinzelte Momente, die doch irgendwie alle zusammenhängen. Gefühlt kann ich das Bild erfassen. Sprachlich scheitere ich, mich vor anderen zu verorten. Gedanken springen hin und her, sind wirr, verlieren ihren Faden oder wollen zehn Fäden gleichzeitig aufnehmen. Ich bekomme es nicht sortiert.

Eine Freundin schrieb mir nach einem persönlichen Gespräch, dass sie mitbekommen habe, wie sehr ich gerade mit mir zu tun hätte. Sie hätte es zwischen den Zeilen erfasst, auch durch Mimik und Gestik. Es ist schön, wenn das gelingt. Hier im Schreiben schraube ich meine Erwartungen herunter. Besser ein paar Worte, als gar keine.


Die Welt hält kein warmes orangefarbenes Licht bereit, mit weichen Rändern! Sie polstert nicht alle Ecken und Kanten! Schleift nicht die groben, schroffen Stellen glatt! Polstert nicht die Tiefen, verhindert nicht den Fall! Es wird niemanden geben, der für mich sorgt! Niemand der mir Sicherheit gibt und immer für mich da ist! So ist die Welt nicht!!!
Ich habe es verstanden. Ich bin dabei es endlich zu fühlen. Es hat mich von den Füßen gehauen.
Ich habe verstanden, dass ich das nicht mehr suchen brauche. Dass ich das was verloren ist, nicht mehr finden werde. Diese Erkenntnis tut unglaublich weh. Das die Vergangenheit losgelassen werden muss, um die Verantwortung für das Heute übernehmen zu können, wird mir klar.

Ich weine sehr viel. Schmerz, Wut, Trauer. Das Verlorene wird endlich fühlbar. Kann erst gefühlt werden, wenn erkannt wird, dass es vorbei ist – wenn die Suche aufhört. Suche die ausweicht. Ich bin viel ausgewichen – vor allem dem Schmerz.

Es ist vorbei! Es ist vorbei. Es ist vorbei… Dieser Satz verfolgt mich. Mal fassungslos, mal beweinend, mal abwehrend, mal schmerzverzerrt.

Verantwortung ist das Thema. Ich bin sehr gefordert, bei all den starken Gefühlen bei mir zu bleiben, mit Mitgefühl, offenen Armen und gleichzeitig der Aufgabe auf das Heute zu begrenzen. Mir selbst beizustehen, in meinen Schmerz zu sprechen und die Jetzt-Welt sprachlich zu vermitteln, damit es mich nicht fortspült.
Ich erzähle mir von den kleinen orangenen Punkten, die es trotz alle dem gibt. Ich erzähle mir von den Verletzungen die allemal nicht so heftig sind, wie die in der Kindheit. Ich erzähle mir von meinen Fähigkeiten mit diesen viel besser umgehen zu können als damals, mich selbst schützen und wehren zu können. Ich erzähle mir von meiner Unabhängigkeit, dass ich nicht sterben werde, wenn andere mich ablehnen. Ich erzähle mir von meinem Leben in dem ich gestalte und entscheide. Ich erzähle mir wie gut ich all diese großen Gefühle bewältige, wie stolz ich auf mich bin. Ich weise mich darauf hin, dass es wirklich nicht notwendig ist, mich jetzt zu schneiden, weil das Fühlen des Schmerzes doch ausreicht, damit ich mitbekomme wie schlimm es ist.
Ich rede und rede und rede und es funktioniert. In der Dimension ist das auch für mich eine neue Erfahrung und das erste Mal so damit umzugehen.

Ich habe mich entschieden. Ich will das JETZT! Ich will die Verantwortung für mich übernehmen, in der Welt wie sie jetzt ist. Seit dem ich mir das sage, entstehen viele Reaktionen aus den unterschiedlichsten Richtungen in mir.
Zuerst kam Schuld. Unglaublich große Schuldgefühle rollten durch mich hindurch. Dann kam (und kommt) Angst. Angst vor Schmerz und Verletzung. Angst vor Menschen. Irrationale Angst, ohne den Ursprung zu kennen. Ich laufe vor einem Termin für eine ambulante DBT-Gruppe im Wartebereich hin und her, kurz vor einer Panikattacke. Ich rede mit mir. Begleite meine Angst in diesem Flur. Erzähle ihr von diesem Flur, seinem blauen Fußboden und meinen Schritten darauf. Erzähle ihr von der Gefahrlosigkeit dieses Momentes. Die Angst reduziert sich ein kleines Stück und ich komme nicht in einen Kontrollverlust.
Auch eine Reaktion – Wegsein. Zwei Stunden am helllichten Tag im Bett liegen, ohne wach zu sein und ohne zu schlafen. Eine Ecke Bewusstsein heraus kramend verstehe ich, dass das mein Widerstand gegen den Schmerz ist. Verständnis haben und es trotzdem nicht tolerieren, spreche ich mit mir, meinem Widerstand und der Schmerz zeigt sich ein kleines Stück, soviel, das ich wieder da sein und aufstehen kann.

Ich sage immer wieder JA zu all diesen Momenten. Ich werde nicht weichen, nicht von meiner Seite weichen, egal wie viel Schmerz da noch kommt, egal wo oft noch geweint werden muss, egal wie viel geschrien und gestrampelt, wie viel losgelassen werden muss und wie schwer es ist. Ich bleibe hier, will nicht mehr zurückweichen! Das alles mit Herz und so gut ich das kann.

Die Initialzündung dazu gab meine Therapeutin mit genau zwei Sätzen:
„Ich konfrontiere sie mit ihrer Verantwortung.“
„Sie wollen die Verantwortung nicht übernehmen.“
Mir war sofort klar, sie hat recht. Ich fühlte es. Ich fühle es schon immer, dass es gegenläufige Bewegungen in mir gibt, die ein Vorwärtsgehen ausbremsen. Ich habe weggeschaut, weil ich mich schuldig dafür fühlte. Auch vor dem Schuldgefühl lief ich weg und so entstand ein blinder Fleck. Deshalb kam auch als erstes Gefühl die Schuld. Zuerst musste die Schuld als Gefühl zugelassen werden und ich mir selbst verzeihen, um sie mir wieder zu nehmen.

Ich bin mir sicher, dass das keine einmalige Runde ist. Einmal durch alles durch und dann liegt es hinter mir. Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, die Verantwortung braucht mein stetiges Bewusstsein, in jedem neuen Moment mich daran zu erinnern was ich will. Und immer wieder und immer wieder. Und immer wieder Angst fühlen und immer wieder Schmerz fühlen und immer wieder weglaufen wollen und immer wieder entscheiden trotzdem weiter zu gehen. Es bleibt herausfordernd, da mache ich mir nichts mehr vor.